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Wird Luxemburg das neue Mekka für Hedgefonds?

Hedgefonds stehen unter Druck. Geht es nach den Regierungen der führenden Industrienationen sollen sie nicht länger von Offshore-Steuerparadiesen wie den Kaiman-Inseln operieren, sondern künftig “onshore” an etablierten Finanzplätzen.

Experten sind sich sicher: Luxemburg könnte davon profitieren.

“Es ist mehr der Madoff-Effekt als die Furcht vor mehr Regulierung, warum immer mehr Hedgefonds ‘onshore’ gehen wollen, und nicht länger abhängig von einem offshore-Finanzplatz sein wollen”, sagt Martin Klöck, Direktor bei Signina Capital, einem Zürcher Assetmanager, der mehr als 600 Mio. Dollar verwaltet, in einem Interview mit einer Nachrichtenagentur.

“Assetmanagers können schon jetzt das Etikett “Reguliert in Luxemburg” bekommen. Warum sollten Sie dann so lange warten, bis ihnen neue Gesetze sagen, was sie tun und lassen sollen”, so Klöck, dessen Gesellschaft gerade von den Kaiman-Inseln ins Großherzogtum übersiedelt.

Das Großherzogtum bietet nicht nur eine mehrsprachige Bevölkerung und spezialisierte Fondsdienstleistungen, sondern auch einen umfassenden Investorenschutz und flexible Regulierungsbehörden, lobte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte bereits Anfang des Jahres einer Studie.

Es zieht bereits jetzt die Vermögen von Offshore-Zentren an, große Vermögensverwalter wie Brevan Howard und Marshall Wace haben erste Fonds unter Luxemburger Mänteln wie UCITS III und Specialised Investment Fund (SIF) registriert, um für die Märkte in Europa attraktiver zu werden.

“Es ist viel einfacher, UCITS- oder SIF-Fonds zu verkaufen”, sagt Salvatore Imperatore, Chef der in London ansässigen Beratungsgesellschaft Pareto Capital International. “Diese Fonds sind liquide, die Strategien transparent und sie bieten einen soliden Schutz für Investoren.”

Seit dem Milliarden-Betrug des amerikanischen Spekulanten Bernard Madoff und dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers steigt die Nachfrage nach transparenten Anlagevehikeln, die onshore an einem etablierten Finanzplatz reguliert werden, sagt Hanna Duer, Associate bei The Directors’ Office in Luxemburg.

Die Kaiman-Inseln, mit rund 80 Prozent Heimat der weltweit geschätzten 10.000 Hedgefonds, könnte von diesem Trend besonders betroffen sein.

“Hedgefonds und andere alternative Investmentvehikel interessieren sich jetzt verstärkt für eine Registrierung in Luxemburg, weil Investoren strengere Regeln hinsichtlich Liquidität und Risikomanagement wollen”, so Duer weiter.

Neben Luxemburg könnten auch Irland und Malta davon profitieren, die ähnliche regulatorische und Steuerregime haben wie das Großherzogtum.

Allen Standortvorteilen zum Trotz ist das Volumen der in Luxemburg verwalteten Hedgefondsvermögen zuletzt geschrumpft. Seit Juni 2008 sind Volumina auf 70 von 86 Mrd. Dollar zurückgegangen, hat der Branchenverband ALFI errechnet.

Dagegen ist die Zahl der registrierten Hedgefonds im Großherzogtum um zehn Prozent auf 614 gestiegen. Sie dürfte weiter steigen, schließlich dauert es eine Weile, bis sich Fondsmanager über das Ob und Wie eines Umzugs informiert haben können.

Zu den Hedgefonds, die ihre Produkte ebenfalls bereits in Luxemburg registriert haben, gehört auch Millennium Global, ein auf der britischen Kanalinsel Guernsey ansässiger alternativer Assetmanager.

“Unsere systematische Makro-Strategie wurde offshore konzipiert und war deshalb für viele europäische Investoren nicht erhältlich”, sagte Geschäftsführer Marc Clapasson. “Da wir jetzt nach Luxemburg umziehen, können schon bald alle Europäer bei uns investieren.”

Der Fonds ziehe inzwischen auch Investoren aus Singapur und Hongkong an, die ebenfalls Wert auf Liquidität und Transparenz legen. “Unser Luxemburg-Fond hat eine bessere Liquidität und einen höheren regulatorischen Standard. Es ist wahrscheinlich, dass viele Offshore-Investoren in den kommenden fünf Jahren Onshore investieren”, so Clapasson weiter.

Ob sich Luxemburg tatsächlich zu einem Mekka für Hedgefonds entwickeln wird, dürfte auch vom Gerichtsverfahren um die Luxalpha-Fonds abhängen, die wegen des Madoffs-Betrugs Millionen verloren haben.

Die Depotbank UBS wehrt sich mit allen Mitteln, um für die Verluste des Fonds haftbar gemacht zu werden. Die britische Großbank HSBC versucht sich in Irland in einem ähnlichen Fall ebenfalls zu verteidigen.

“Die Verantwortlichkeit einer Depotbank ist nach Luxemburger Recht klar geregelt”, sagt The Director’s Office Expertin Duer. “Der Vermögensverwahrer ist zu 100 Prozent für das Vermögen verantwortlich, selbst dann, wenn er das Vermögen an andere Sub-Verwahrer weitergereicht hat.”

“Es ist sehr wichtig, dass Luxemburg wegen der Luxalpha-Affäre nicht locker lässt. Dann werden Investoren verstehen, wie ernst es den Regularierungsbehörden mit dem Schutz der Investoren ist”, so Duer weiter.

Wenn diese Hürde beseitigt ist, dann dürfte die Begeisterung der Investoren für in Luxemburg registrierte Fonds weiter zunehmen.

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