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DER BERATER: Inhouse-Consulting die Kaderschmiede?

Unser Gastautor arbeitet als Consultant im Kapitalmarktumfeld und ist auf der Suche nach einem neuen Job. In einem Blog berichtet unser Kolumnist über seine Erfahrungen bei diesem Unterfangen.

Inzwischen bin ich schon seit einiger Zeit auf der Suche nach einem neuen Job und wurde zuletzt mehrfach für eine Stelle im Inhouse-Consulting bzw. Corporate Strategy angesprochen. Nun war die Argumentation immer die Gleiche: Es ging immer um die “ultra high potentials” und hier insbesondere um den Führungsnachwuchs, der im Inhouse-Consulting (IHC) heranwachsen würde. Das IHC wäre somit DIE KADERSCHMIEDE schlechthin für viele führende Finanzkonzerne.

Mit diesem Wissen gestärkt und stolzer Brust ging ich in nun zum Interview in DER KADERSCHMIEDE eines internationalen Finanzdienstleisters. Zuerst musste ich aber feststellen, dass das IHC nicht in der Zentrale angesiedelt war. Mein Interview fand in deren eigenem Gebäude in einer schwer zu erreichenden und schwer zu findenden Ecke eines Industriegebietes statt. Da hier sonst fast nur Back-Office und IT-Abteilungen liegen, fand ich das schon einmal sehr verdächtig. Wie auch das wenig repräsentative Äußere und Innere des Gebäudes.

Mein erstes Gespräch fand mit einer leitenden Mitarbeiterin des IHC statt. Dort wurde ich noch mehr enttäuscht. Hier hat man keinen direkten Zugang zum Vorstand. Man “hängt” in der Infrastruktur und den Operations, selbst auf dem Organigramm ist das weit entfernt von den Entscheidungsträgern. Dazu kam die Beschreibung der Aufgaben, die sich ziemlich genau nach dem langweiligen Zeug anhörten, das ich bereits aktuell mache. Ebenfalls war hier in den Gehaltstabellen nichts von einer Kaderschmiede zu sehen. Die Gehaltstabellen hätten genauso gut einer Tier 3-Beratung gehören können. Die Anzahl der Level und die Titel der einzelnen Stufen – alles war irgendwie “Durchschnitt” und hatte ich schon mehrfach gesehen.

Das Schlimmste aber war, dass ich von spannenden Projekten nichts hörte. Ich war erschrocken, als ich sah, für was das IHC denn eine Kaderschmiede darstellen sollte. Es lief hier auf Operations und IT hinaus. In dem vorgestellten Organigramm war niemand in die für mich “spannenden Bereiche” gewechselt. Auch fand ich schockierend, dass es noch “einige Level” unter dem Vorstand gab, in die es nicht ein einziger Ehemaliger geschafft hatte. Somit ergab sich zumindest für mich und meine Karriere-Ziele kein “Match” und ich war von dieser vermeintlichen Kaderschmiede recht enttäuscht. Für mich hätte sich hier nur viel Arbeit und der Weg ins mittlere Management gefunden.

Es ging aber noch weiter. In der zweiten Runde wurde ich von einem jungen potenziellen Kollegen interviewt. Er arbeitete mit mir einen Case durch, den er fälschlicherweise als “strategisch” bezeichnete. Hier fiel mir wieder einmal auf – auch aus der Perspektive als Interviewender, die ich inzwischen öfter einnehme -, dass es eigentlich keine “richtige Lösung” für ein Case-Interview geht. Es geht einfach nur darum, die Persönlichkeit eines anderen zu testen. Ich würde daher sagen, dass Case Studies eine ziemlich große Lüge sind. Man kann immer eine fehlerhafte Lösung schön oder eine richtige Lösung falsch reden. Vielmehr geht es einfach darum, ob man die Person gegenüber als Kollege haben möchte oder nicht.

Damit war das Ganze eigentlich für mich gelaufen und im gegenseitigen Einvernehmen nahm ich meine Sachen und ließ die letzten beiden Interviews sausen.

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