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EXPERTENINTERVIEW: Wieso ein Master of Finance empfehlenswerter ist als ein CFA

Ingolf Jungmann, Vizepräsident der Frankfurt School of Finance & Management

eFC.de: Die Frankfurt School of Finance & Management bietet beides an, den Master of Finance und Vorbereitungskurse für den CFA. Wie unterscheiden sich die beiden Qualifikationen und was ist empfehlenswerter für eine Karriere in den Finanzdienstleistungen?

Jungmann: Der Vergleich der beiden Programme ist relativ schwierig, da sie sich nicht an ein und dieselbe Zielgruppe wenden. Das CFA-Programm ist ein berufsständisches Programm, das sich an Leute wendet, die sich beruflich weiterentwickeln wollen, seien es Analysten oder Fondsmanager.

Natürlich können Master of Finance-Absolventen in genau der gleichen Branche arbeiten und die gleichen Jobprofile haben, aber der Master of Finance als postgradualer akademischer Abschluss bietet noch weitere Optionen.

eFC.de: Um welche zusätzliche Berufsfelder handelt es sich genau?

Jungmann: Der Master of Finance-Absolvent kann sich natürlich im gesamten Finanzsektor – also auch außerhalb der Domäne der CFA-Absolventen – tummeln. Er kann im Controlling genauso arbeiten wie im Prozessmanagement; er kann im Risiko Management, im Wealth Management oder in Corporate Finance arbeiten. Ein Master of Finance-Absolvent hat die unterschiedlichsten Jobopportunities in der Breite dessen, was der Finanzsektor anbietet.

eFC.de: Wenn jemand aber ins Banking gehen möchte, ins Investment Banking oder Asset Management, dann ist der CFA vielleicht doch die bessere Wahl? Schließlich ist der Master of Finance mit einem beträchtlichen Zeit- und Kostenaufwand verbunden.

Jungmann: Auch für einen Master of Finance müssen Sie nicht Ihre Berufstätigkeit unterbrechen. Es gibt berufsbegleitende Modelle, wo man zumindest einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen kann. Aber klar, Sie setzen vier Semester ein. Doch auch ein CFA dauert unserer Erfahrung nach oftmals zwei bis vier Jahre.

Bei Bachelorabsolventen muss man zwei Szenarien unterscheiden: Wenn wie in der Finanzkrise die Arbeitsmärkte nicht so gut aussehen, dann steigt die Attraktivität der postgradualen Studiengänge. Unsere Zahlen im Master steigen immer dann, wenn die Arbeitsmarktsituation nicht gut ist. Dreht der Arbeitsmarkt, wie das tendenziell momentan zu sehen ist, werden die Bachelor sich eher bereit finden, sich ins Berufsleben zu begeben.

Wenn ein Bachelor beispielsweise eine Stelle im Asset Management oder Portfolio Management gefunden hat, dann hängt die weitere Entwicklung auch von der vorherrschenden Unternehmensphilosophie ab. Falls es dort heißt, der Bachelor ist nur ein “Halbakademiker”, dann ist das Masterprogramm das richtige. Wenn es aber eher darum geht, sich in seinem Job, in seiner spezifischen Tätigkeit noch zielgerichtet weiterzuqualifizieren, dann ist es eher der CFA.

Es ist immer die Frage der Perspektive – und zwar der kurzfristigen und der langfristigen. Denn wenn ich Zeit meines Lebens im Investmentbanking, der Analyse arbeiten will, dann kann der CFA reichen. Wer aber wissenschaftlich – methodisch und inhaltlich – breiter aufgestellt sein will, für den ist der Master of Finance die richtige Wahl.

eFC.de: Kann ich da einhaken. Wie hoch sind die Erfolgsquoten im Master of Finance?

Jungmann: Da wir ein Assessment Center für alle unsere Masterprogramme haben, picken wir uns schon im voraus die besten heraus. Von sechs Bewerbern wird nur einer genommen und dann ist es unser Ziel, auch alle durchzubringen. Wir haben eine extrem hohe Erfolgsquote, die sicherlich bei weit über 90 Prozent liegt. Dass jemand im Masterprogramm versagt, ist sehr selten.

eFC.de: Beim CFA sieht das ganz anders aus. Dort fallen bei jedem der drei Level etwa 58 Prozent der Teilnehmer durch, womit am Ende nur eine Minderheit das begehrte Dokument in den Händen hält. Das CFA-Institute führt das auf den elitären Charakter des Programms zurück.

Jungmann: Die die drin sind, haben es gut und die, die nicht drin sind, haben das Nachsehen. Denn Sie wissen ja, dass jedes Jahr 100.000 Leute versuchen, einen dieser Level zu bestehen. Allerdings möchte ich einen großen Unterschied machen: Im CFA gibt es kein Assessment Center. Dort kann sich jeder – mit welchen Bachelorabschluss auch immer – anmelden und sich zumindest am Level 1 versuchen, das lassen wir in unseren Masterprogrammen schon gar nicht mehr zu.

eFC.de: Laut dem CFA ist der Lernstoff derart anspruchsvoll, dass hohe Durchfallquoten geradezu unvermeidlich sind. Wie würden Sie das Anspruchsniveau des Lernstoffes im Master of Finance beschreiben? Ist das Niveau höher oder niedriger im Vergleich zum CFA?

Jungmann: Ich würde nicht von höher und niedriger sprechen – er ist einfach anders. Die Themengebiete, die ein Master of Finance behandelt, sind ja viel breiter.

eFC.de: Können Sie ein paar Beispiele nennen?

Jungmann: Wir haben vier Concentrations. Die Studenten können sich auf Kapitalmarkt, Bankmanagement, Accounting and Taxation sowie Development Finance spezialisieren. Der Lernstoff des CFA dürfte schwerpunktmäßig der Concentration Kapitalmarkt ähneln. Und da muss man fairerweise sagen: Ja, da gibt es in Inhalt und Niveau vergleichbare Anforderungen.

eFC.de: Was wird Ihrer Erfahrung nach auf dem Arbeitsmarkt mehr nachgefragt, der Master of Finance oder der CFA?

Jungmann: Das ist eindeutig der Master of Finance – und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Wenn ich mich am Arbeitsmarkt etwas breiter halten möchte, wenn ich mich für unterschiedliche Jobprofile attraktiv machen möchte, wo ein postgradualer Studiengang vonnöten ist, wenn ich mir vorstellen kann, auch irgendwann einmal nicht mehr Portfolio Manager zu sein, wenn ich mir vorstellen kann, dass ich den Arbeitgeber wechsle, dann bin ich mit einem Masterabschluss allemal besser aufgehoben als mit einem berufsständischen Abschluss. Dieser bringt mir in einer kleinen Zielgruppe eine sehr, sehr hohe Anerkennung – aber auch nur dort. Das kann für die Karriere durchaus richtig sein, sofern ich mich als Analyst, Researcher oder Portfoliomanager verstehe und nicht in einem anderen Bereich arbeiten möchte. Nur wer kann das von sich eigentlich im voraus sagen?

Als zweites muss man auch die von den einzelnen Unternehmen favorisierten Karrierewege berücksichtigen. Falls dort ein Master erwartet wird, dann fällt die Antwort eindeutig aus. Wenn indes eine spezifische berufliche Weiterentwicklung als Analyst etc. bevorzugt wird, dann kann man auch mit einem CFA glücklich werden. Doch aus der Perspektive von heute würde ich immer sagen: Mit dem Master habe ich mehr Optionen.

eFC.de: Ist die Entscheidung zwischen Master of Finance oder CFA nicht auch an einem anderen Zeitpunkt im Lebenslauf zu verordnen? So bietet es sich an, einen Master of Finance direkt nach dem Bachelor zu machen, während der CFA nach einigen Jahren Berufserfahrung näher liegt. Schließlich dürfte es nicht ganz leicht fallen, sich für einen Master of Finance ein oder zwei Jahre aus dem Berufsleben zu verabschieden.

Jungmann: Das trifft für uns nur bedingt zu. Unser Master of Finance Programm ist so gestrickt, dass es eine Teilberuflichkeit von bis zu 50 Prozent ermöglicht, d.h. der allergrößte Teil unserer Masterstudenten ist auch weiterhin berufstätig. Das ist von uns auch so gewollt, da wir uns als Hochschule ganz stark so positionieren. Auch wenn wir im Master das Wissenschaftliche betonen, wollen wir die berufliche Praxis nicht aus dem Auge verlieren.

eFC.de: Was kostet bei Ihnen ein Master of Finance?

Jungmann: 28.000 Euro und ich sage Ihnen, wir haben mehr Bewerbungen denn je. Es gibt auch Arbeitgeber, die den Wert dieses Programms sehen und ggf. unterstützen und dies als Chance begreifen, ihren Arbeitnehmer auch zu entwickeln.

Kommentare (1)

Comments
  1. Ich habe beides: CFA erodiert. Einen Msc einer elitären Universität hat definitiv mehr wert.

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