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GASTKOMMENTAR: Wieso ich als eingewanderte Fachkraft keine Lust mehr habe, in Deutschland zu arbeiten

garcia

Jeden Tag höre ich in auf der Straße, im Radio und Fenrsehen und lese in Zeitungen vom aktuten Fachkräftemangel in Deutschland. Motto: Unsere Industrie braucht noch mehr qualifizierte Fachkräfte! So fordern es lauthals die Wirtschaftsexperten.

Erstaunlicherweise können die rund drei Mio. Arbeitsuchenden in Deutschland diese Lücke nicht schließen. Deutschland verfügt offenbar nicht über die Ressourcen, seinen Bedarf an „hoch qualifizierten Fachkräften“ zu decken. Worin bestehen die Muskeln der deutsche Wirtschaft? In ihrer Exportindustrie. Nur 82 Millionen Leute (also 1,17 Prozent  der Weltbevölkerung) machen die zweitgrößte Exportwirtschaft der Welt aus. Aber warum hat eine der effizientesten Volkswirtschaften der Welt (Deutschen sagen und wiederholen dies jeden Tag) dieses Problem?

Tatsächlich kann man in Deutschland viel Geld verdienen, gute Autos fahren, gute öffentliche Dienste beanspruchen und es gibt gute Entwicklungsmöglichkeiten für die Kinder der Einwanderer. Dagegen herrscht in anderen europäischen Ländern hohe Arbeitslosigkeit: Wir haben mehr Ingenieure, Ärzte, Architekten, Biologen und Wissenschaftler, als wir beschäftigen können. Trotzdem arbeiten die mutigen spanischen Ingenieure, die sich für die Auswanderung entscheiden, lieber als Kellner in London als als Ingenieure in Deutschland. Ich bin selbst Ausländer, habe ein Master Degree, bin eine „sehr hoch qualifizierte Fachkraft“ und ich wohne in Deutschland. Doch jetzt verlasse Deutschland. Warum?

1. Die Sprache

Deutschland  ist keinesfalls zweisprachig. Wenn Sie in Deutschland leben möchten, dann müssen Sie auch Deutsch lernen und beherrschen. Das ist nicht schlecht, aber das ist in der Schweiz, Österreich, Holland oder Dänemark einfach nicht erforderlich, wo Englisch wichtiger als die lokale Sprache ist. Man kann argumentieren, Deutsch sei von größerer Bedeutung als Dänisch. Das stimmt auch, aber man sollte auch im Hinterkopf behalten, dass lediglich 1,5 Prozent der Weltbevölkerung Deutsch sprechen. Heute und in Zukunft wird es nur eine Geschäftssprache geben: Englisch. Niemand spricht Dänisch in Kopenhagen. In anderen deutschsprachigen Städten wie Wien oder Zürich gibt es tausende „Xpats“ –  besonders Ingenieure und Informatiker, die kein Wort Deutsch sprechen und die kein Interesse haben, es zu lernen.

Darüber hinaus haben die Fachkräfte, die die deutsche Wirtschaft so dringend benötigt, ein langes Studium hinter sich. Programmieren ist nicht einfach. Daher hatten viele in der Vergagenheit keine Zeit und keine LUST, Deutsch zu lernen. Wenn diese Fachkräfte einen Hang zu Fremdsprachen hätten, dann würden sie auch die entsprechenden Fremdsprachen studieren und nicht Programmierung. Wenn eine deutsche Firma Deutschkenntnisse verlangt, dann entscheiden sich die jungen Fachkräfte aus z.B. Indien eben für Amsterdam. Ich selbst wurde aus einer Stelle in der Hotellerie verstoßen, weil mein „C1“-Deutsch als Fremdsprachenzeugnis einfach nicht genügte…

2. Die Bürokratie

Ich beschreibe hier nichts neues: Die deutschen Politiker versprechen immer wieder, die Bürokratie abzubauen – aber es passiert rein gar nichts. Dies stellt gerade für Einwanderer den blanken Schrecken dar: Tausende verschiedene Behörden verlangen tausende verschiedene Unterlagen, Zeugnisse und Zertifikate – auf Deutsch selbstverständlich. Dies soll der neueigenwanderte Ausländer dann alleine bewältigen. Dabei stellen einige bürokratische Anforderungen geradezu eine Demütigung dar. Warum soll man z.B. ein polizeiliches Führungszeugnis ohne Eintrag beibringen, nur um ein Fremdsprachenlehrer zu werden? Was denkt ein Mathematiker vom MIT, wenn ein polizeiliches Arbeitszeugnis von ihm verlangt wird, nur um in Deutschland zu arbeiten? Er denkt, dass London der bessere Ort für seine berufliche Zukunft ist.

3. Die Steuern

Auf jeden Blödsinn muss man Steuern zahlen und immer fallen sie sehr hoch aus. Doch was passiert, wenn der besagte indische Informatiker entdeckt, das er auf sein Gehalt 51 Prozent Steuern und Abgaben zahlen muss. Ich habe gelesen, dass ein Bruttogehalt von 200.000 Euro in Deutschland ein geringeres Nettogehalt ergibt als ein Bruttogehalt von 150.000 Euro in Luxemburg. Damit ist Luxemburg für den indischen Informatiker natürlich wesentlich attraktiver als Frankfurt. Aus diesem Grund dürfte ihm die Entscheidung leicht fallen und der indische Informatiker nimmt den nächsten Flug nach Luxemburg. Und auch ich habe meine Entscheidung getroffen:  Ich kehre nachhause zurück.

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