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JPMorgan-Studie: Beim Niedergang des Investmentbankings zählt die Deutsche Bank zu den Siegern

Deutsche Bank London Wall

Kian Abouhossein von JPMorgan Cazenove zählt zu den Staranalysten des internationalen Investmentbankings. Abouhossein hat jetzt eine 232 Seiten lange Studie zur Zukunft des Investmentbankings erstellt, die so manchem Branchenvertreter den Angstschweiß auf die Stirn treiben dürfte. Denn die Gewinne purzeln gewaltig. Doch es gibt auch Gewinner: Zu ihnen zählt vor allem die Deutsche Bank. Hier die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

Verschärfte Regulierung und hohe Fixkosten drücken auf die Margen

Die wachsende Regulierung mit Basel 2,5 und 3, Dodd- Frank Act (USA) und ICB (Großbritannien) drücken gewaltig auf die Profite. Die Eigenkapitalrendite der Branche werde von 13,6 Prozent in der Vorkrisenära auf 6,8 Prozent in 2013 purzeln.

Ein weiteres Problem stellen laut JPMorgan Cazenove die neuen Vergütungsstrukturen der Branche dar. So wurden reihum die Festgehälter zu Lasten der variablen Vergütungen angehoben. Die Folge davon sind gestiegene Fixkosten. Die Analysten um Abouhossein rechnen damit, dass die Tier 1-Banken mit einem Festgehaltsanteil von 50 bis 60 Prozent und die Tier 2-Banken sogar mit 70 bis 90 Prozent wirtschaften müssen.

Deutsche Bank landet im internationalen Vergleich auf dritten Platz

Diese Entwicklung wird das Geschäft für die Banken aus der zweiten Reihe erschweren. Auf der anderen Seiten dürften die Marktführer damit relativ gesehen auf der Sonnenseite stehen. Dazu zählt unter anderem die Deutsche Bank, deren Marktanteil JPMorgan Cazenove auf 8,1 Prozent in 2013 beziffert. Damit landet der deutsche Branchenprimus auf dem dritten Platz nach JPMorgan mit 10,2 und Goldman Sachs mit 9,3 Prozent.

Obgleich die verschärfte Regulierung besonders das Fixed Income betreffen wird, bleibt das Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren, Währungen und Rohstoffen (FICC) auch weiterhin der Ertragsmotor der Branche. JPMorgan Cazenove rechnet für 2013 mit einem FICC-Anteil an den Gesamterträgen von 51 Prozent. Allerdings werden die FICC-Erträge in den kommenden beiden Jahren um jeweils 2 Prozent sinken.

Dagegen wird das Equity-Geschäft um jährlich 2 Prozent zulegen, womit sich der Anteil an den Gesamterträgen in 2013 auf 26 Prozent belaufen wird. Die Investment Banking Division, wozu auch das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen gehört, muss im laufenden Jahr einen Ertragsschwund von 6 Prozent verkraften, während es in 2013 wieder um 4 Prozent aufwärts gehen soll.

Keine Innovationen in Sicht

Die aufstrebenden Schwellenländer können die schwierige Ertragssituation in Nordamerika und Europa nach den Prognosen von JPMorgen Cazenove nicht kompensieren, denn ihr Gesamtanteil an den Investmentbanking-Erträgen wird auch in der nahen Zukunft gering bleiben.

Auch von neuen Geschäftsideen kann die Branche keine höheren Erträge erwarten. „Wir sehen keine wirklichen Innovationen innerhalb der Branche, neue Produkte zu entwickeln, die zu einem Wachstum im Investmentbanking führen könnten“, schreiben die Analysten.

Keine weitere Umstrukturierung bei Deutscher Bank erwartet

Trotz der traurigen Aussichten für die Branche gibt sich JPMorgan Cazenove für die Zukunft der Deutschen Bank optimistisch. So zähle das FICC-Geschäft in mittlerer und längerfristiger Sicht zu den Gewinnern. Demnach wird der deutsche Branchenprimus in 2013 8,8 Mrd. Euro Erträge in FICC, 2,5 Mrd. in Equities und 2,3 Mrd. Euro im Origination- und Advisory-Geschäft generieren. Der Gewinnanteil des Investmentbankings werde sich auf 52 Prozent belaufen. Dies sei zwar weniger als in der Vergangenheit, aber aufgrund des gewandelten Branchenumfelds und der Integration der Postbank immer noch beachtlich.

Dennoch halten die Experten von JPMorgan eine Eigenkapitalrendite von 20 bis 25 Prozent im Investmentbanking des Instituts für illusorisch und rechnen eher mit 10 bis 11 Prozent.

Auch für die Mitarbeiter der Deutschen Bank hat JPMorgan Cazenove noch eine gute Nachricht parat. Anders als bei den Tier 2-Banken rechnen die Analysten nicht mit größeren Umstrukturierungen im Investmentbanking der Frankfurter, was auch keinen weiteren Personalabbau – über die bekannte Streichung von 500 Stellen hinaus – bedeutet. Dennoch werde ein strenges Kostenmanagement auch in Zukunft weitergehen.

Quelle: JPMorgan Cazenove

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