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Das neue Vergütungssystem der Credit Suisse Punkt für Punkt

Während Aktionären und vielen Schweizer Bürgern im Frühjahr 2010 der Zorn im Gesicht stand, hatte Credit Suisse-Chef Brady Dougan gut zu lachen. Denn aus einem früheren Vergütungsprogramm durfte der US-Amerikaner die Kleinigkeit von 71 Mio. Franken (57 Mio. Euro) kassieren und avancierte damit zum bestbezahlten Bankmanager Europas.

Doch nach der allseitigen Kritik an den Auswüchsen hat die Credit Suisse am heutigen Montag (10. Januar) ein Vergütungssystem veröffentlicht, das in wichtigen Punkten von älteren Programmen abweicht.

Alle Boni über 50.000 Franken betroffen

Ein wichtiges Instrument zur Ausrichtung der Vergütung an dem langfristigen Erfolg der Bank besteht in der zeitverzögerten Auszahlung der variablen Vergütungsbestandteile. Demnach werden die für 2010 erworbenen Boni in vier Tranchen in 2012, 2013, 2014 und 2015 ausbezahlt.

Betroffen von dem Programm sind sämtliche Boni ab 50.000 Franken (40.000 Euro) aufwärts, wobei die Boni auf Neudeutsch als “Incentive Awards” bezeichnet werden. Bislang galten derartige Programme bei der Credit Suisse nur für Mitarbeiter, die 125.000 Franken (100.000 Euro) oder mehr verdienten. Da die Basis der Vergütungspyramide deutlich breiter ist als ihre Spitze, unterliegen fortan weitaus mehr Beschäftigte der zeitverzögerten Auszahlung.

“Das bedeutet, dass mehr Mitarbeitende Einschränkungen bei ihren variablen Incentive Awards erfahren. Zudem wird ein höherer Anteil der Awards – nämlich in einer Bandbreite von 35 Prozent bis 70 Prozent – aufgeschoben. Dies reduziert die variablen Incentive Awards in Form von Barauszahlungen”, heißt es in einer Mitteilung der Bank.

Die zwei Formen der aufgeschobenen Vergütung

Alle Mitarbeiter bis zum Vice President und darunter erhalten sämtliche zeitverzögerten Auszahlungen in Form “bedingter Aktienansprüche”. Für Mitglieder der Geschäftsleitung, Managing Directors und Directors gilt indes eine etwas kompliziertere Vergütungsstruktur. Die höheren Chargen erhalten lediglich 50 Prozent ihrer zeitverzögerten Ansprüche in aktienbasierter Form.

“Für 2010 zugeteilte bedingte Aktienansprüche werden über einen Zeitraum von vier Jahren zwischen 2012 und 2015 pro rata übertragen und ausgeliefert. Das Aufwärts- und Abwärtspotenzial ist ausschließlich vom Aktienkurs der Credit Suisse Group in diesen vier Jahren abhängig. Im Gegensatz zu den aktienbasierten Instrumenten aus früheren Jahren verfügen die bedingten Aktienansprüche für 2010 über keine Hebelkomponente, die von den künftigen Ergebnissen der Gruppe abhängig ist”, heißt bei der Credit Suisse weiter.

Die Neue Zürcher Zeitung sieht in diesem Punkt eine wesentliche Neuerung in der Vergütungsstruktur. Denn nur durch diesen Hebel konnten die Bezüge Dougans auf die astronomische Summe von 71 Mio. Franken (57 Mio. Euro) klettern.

Neben der aktienbasierten Komponente erhalten Geschäftsleitung, Managing Director und Director die zweite Hälfte ihrer zeitverzögerten Bezüge in Form der sogenannten “Adjustable Performance Plan Awards” (APPA). Dabei handelt es sich um Bargeldansprüche, die an die jeweilige Eigenkapitalrendite der Bank gebunden sind und in den Folgejahren entsprechend erhöht und verringert werden.

Auszahlung an die Eigenkapitalrendite gebunden

Allerdings gibt es hierbei einen kleinen Haken: “Ausstehende Ansprüche von APPA-Inhabern, deren Division in einem oder mehreren Jahren zwischen 2011 bis 2014 einen Verlust verzeichnet, werden reduziert, auch wenn die Eigenkapitalrendite der Gruppe in diesem Jahr positiv ist.” Dies könne theoretisch bis zum vollständigen Verlust der Ansprüche führen.

Eine Sonderregelung gilt auch für die Managing Directors im Investmentbanking. Bei ihnen können die Boni vollständig oder teilweise zurückgefordert werden, falls die Investmentbanker beispielsweise innerhalb von zwei Jahren die Credit Suisse verlassen sollten.

Ansprüche der Aufsichtsbehörden umgesetzt

Mit der Anpassung der Vergütungsstruktur reagiert die Credit Suisse auf die verschärften Bestimmungen der Aufsichtsbehörden weltweit, wonach die Interessen der Mitarbeiter stärker an den langfristigen Erfolg der Bank gebunden werden sollen.

“Die Vergütungsstruktur der Credit Suisse gilt für das gesamte Unternehmen weltweit, jedoch sind für variable incentive Awards zur Einhaltung lokaler Bestimmungen gewisse Abweichungen möglich.” Detaillierte Angaben will die Credit Suisse in ihrem Geschäftsbericht für 2010 am 10. Februar vorlegen.

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