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GASTKOMMENTAR: “Papi, verschaff mir einen Bankjob” – das Übel mit den VIP-Juniors

Kaum jemand wird die Binsenweisheit bestreiten “es kommt nicht darauf an, was Du weißt, sondern wen Du kennst”. Doch bin ich der einzige, der die Auffassung vertritt, dass auch Verstand und Finanzmarktkenntnisse für Erfolg und Karriere eine Rolle spielen sollten?

Zugegeben, damals war ich ziemlich naiv. Es herrschten Boomzeiten – Banken stellten jeden ein, der gleichzeitig Laufen und Kaugummikauen konnte. Als Folge davon habe ich einige Stellenangebote erhalten und dachte ich könne fortan an Margaritas auf meiner eigenen Privatinsel nippen – die ich natürlich bar bezahlen würde. So weit, so gut. Allerdings ließ die Umsetzung auf sich warten, obgleich ich das erste Mal in meinem Leben auf einer kleinen Insel in der Themse arbeitete.

Ich ackerte mich durch die Routinearbeit wie alle Einsteiger in großen Banken, wobei ich auf eine sonderbare Brut von Analysten stieß. Ihre Anzüge waren maßgeschneidert, die sogar manchmal besser saßen als die meines Vorgesetzten, ein Mann, der wahrscheinlich bereits eine karibische Insel geleast hatte. Und ihre Haare waren zu einer Schmalztolle herausgeputzt.

Üblicherweise leisteten sie nur sehr wenig Arbeit und kamen damit davon. Sie wurden von meinen Vorgesetzten mit einer besonderen Rücksichtnahme behandelt, die normalerweise wichtigen Kunden vorbehalten blieb.

Doch irgendwann fiel auch bei mir der Groschen. Die dreigliedrigen Familiennamen, die perfekt manikürten Finger, die niemals die Schwielen wie bei uns hart arbeitenden Excelaffen aufwiesen, das blaublütige Gebaren und die Grazie sowie der verständnislose Blick, wenn ich meine U-Bahn-Monatskarte zückte – denn sie bewegten sich in Taxis oder Ferraris fort – dabei handelte es sich um VIP-Analysten.

Ihre Väter standen Unternehmen vor, denen große Teile von (oftmals Entwicklungs-) Ländern gehörten. Diesen aristokratisch-oligarchischen Nachwuchs auf die Gehaltsliste von Unternehmen zu schaffen, stellte ein Kinderspiel dar. Denn ihre Väter, Onkel und Großeltern zahlten viel höhere Gebühren an die Bank, als die unbedeutenden Summen, die selbst die bestbezahlten Analysten und Associates zu meiner Zeit erhielten. Und diese Leute zählten immer zu den bestbezahlten, obgleich sie niemals etwas leisteten. Sie fanden sich vielmehr im Büro des Chefs von EMEA M&A an, wo sie Golf-Handicaps und Jagdausflüge diskutierten, bevor sie sich mit einem 90seigen Pitchbook abmühten.

Üblicherweise traf man sie im Bereich Mergers & Acquisitions und nicht in Markets an – denn wie viel Schaden kann man schon bei einer Powerpoint-Präsentation anrichten, während in Markets die Gefahr bestand, dass einer dieser Dummköpfe ein Fehltrade gelang, der die Bilanz aufblasen würde. Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, dass einer dieser Leute versehentlich über die Tastatur eines Traders 5 Prozent der Marktkapitalisierung von BP kauft.

Wie bei jeder Verallgemeinerung gibt es auch hier Ausnahmen, die die Regel beweisen. Einer meiner besten Freunde arbeitete als Associate mit einem Praktikanten zusammen, dessen Vater eine große Bank in einem kleinen Land besaß – ohne allzu genau zu werden, handelte es sich um jene Art Länder, wo Innereien immer noch als Delikatessen gelten. Er war außerordentlich talentiert und arbeitete hart. Vielleicht lag ihm auch das Banking im Blut; Gerüchten zufolge lautete sein erstes Wort: “Kernkapitalquote”. Er war klug, fleißig und hatte Glück – allerdings zählte er nicht zur Norm.

Doch was sollten Sie unternehmen, wenn Ihnen alle diese Beschreibungen nur allzu bekannt vorkommen? Ich kann nur raten, ihren Ärger herunterzuschlucken. Gelegentlich stellen VIP-Analysten auch mächtige Alliierte dar – schließlich sind sie die besten Kumpel der Bosse. Darüber hinaus neigen sie dazu, Mitglieder in den angesagtesten Nachtclubs zu sein. Wenn Sie sich mit diesen Leuten gut stellen, dann hat das auch seine attraktiven Seiten. Denn schließlich geht es um die langfristige Perspektive: Falls Sie wirklich ihre eigene Palmeninseln wollen, dann können sie Ihnen dabei vielleicht weiterhelfen.

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