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GASTKOMMENTAR: Akzeptieren Sie Ihre Kündigung mit Würde

Dominic Connor

Nachdem ich mit vielen Flüchtlingen aus erfolglosen Unternehmen gesprochen habe, weiß ich genau, dass regelmäßig Versprechen gebrochen werden, die falsche Person entlassen wird und die Kosten Ihrer Kündigung höher ausfallen, als wenn man Sie weiterbeschäftigen würde.

Nur wenige Unternehmen – wenn überhaupt – organisieren ihren Downsizing-Prozess gut. Ich selbst habe schon miterlebt, wie jemand gefeuert wurde, weil ein leitender Manager einen nützlichen Mitarbeiter mit einem nutzlosen verwechselte, der zufälligerweise neben ihm saß. Eine meiner ehemaligen Kolleginnen wurde zunächst gefeuert, weil sie auf der „linken Seite eines Organigramms“ auftauchte, sondern anschließend auch noch verschont, weil Sie sich tatsächlich auf der anderen Seite befand. Das Organigramm haben wir niemals zu Gesicht bekommen, doch ich befand mich definitiv auf der falschen Seite davon.

Vielleicht kennen Sie noch bessere Geschichten, mir fallen jedenfalls reichlich ein, doch ich muss den Grundsatz der Vertraulichkeit wahren. Sobald Sie feststellen, dass Sie einem Kollateralschaden erliegen, dann spielt ein analytisches Urteil über Ihren Wert als Person keine Rolle. Bedenken Sie, dass obgleich es sich bei Finance um eine bedeutende globale Branche handelt, die Leute – mit denen Sie tatsächlich zu tun haben – aus einer weitaus kleineren Gruppe stammen und man wird sich womöglich an Sie aus den falschen Gründen erinnern.

Auch wenn Sie versucht sein mögen, bei Ihrem Abgang „einen Eindruck zu hinterlassen“, kompensiert die kurzzeitige Befriedigung doch nicht für den möglicherweise langfristigen Schaden. Falls Sie tatsächlich eine alte Rechnung begleichen müssen, bevor Sie von dem Unternehmen ausgespuckt werden, dann sollten Sie versuchen, freundlicher zu sein, als es von Ihnen erwartet wird. Das fühlt sich besser an und es verletzt mehr.

Doch falls Sie sich auf die süßeste Weise an jemanden rächen wollen, der Sie jeden Tag in den zurückliegenden drei Jahren geärgert hat, dann geben Sie Ihm Ihre neue Visitenkarte und sagen: „Falls ich Ihnen irgendwie helfen kann, dann melden Sie sich einfach.“ Das wird jenen weitaus mehr zu denken geben, als wenn Sie sagen: „Sie verdienen es, gefeuert zu werden und nicht ich“, „Und Tschüss, Du blöder Idiot“ oder irgendwelche anderen Beleidigungen, die in Ihnen hochkommen mögen. Dagegen macht das Angebot einer Hilfe einen guten Eindruck auf Ihre Kollegen (besonders in schlechten Zeiten) und es ist nicht völlig undenkbar, dass sie Ihnen später noch weiterhelfen können.

Aus dem gleichen Grund sollten Sie zu einem Umtrunk zum Abschied einladen, auch wenn Ihnen nicht zum Feiern zumute ist und Sie nicht wissen, was dabei für Sie herauskommen wird. Falls Ihr Team gut war, dann ist es sinnvoll einen Termin im Monat zu vereinbaren, an dem Sie sich nach Ihren Rauswurf zum Essen treffen. Dabei kann es sich auch um den Anpfiff zu Ihrer Jobsuche handeln.

Als Vorbereitung Ihrer Arbeitslosigkeit sollten Sie sicherstellen, dass Sie Ihre Handynummer auf Ihrem Anrufbeantworter hinterlassen und dass Sie sich eigene Visitenkarten drucken lassen. Wählen Sie dabei für Ihre Telefonnummer und Emailadresse eine große Schrift. Verzichten Sie auf Visitenkarten mit einem farbigen Hintergrund oder einer glänzenden Oberfläche, weil sich darauf schlecht schreiben lässt. Stecken Sie diese Visitenkarte an Ihr Telefon und Ihren Bildschirm. Denn falls ein Headhunter wie ich Sie anruft, dann wollen Sie nichts verpassen, wenn Sie rasch an Ihren Platz zurückkehren.

Dominic Connor ist Direktor von P&D Quant Recruitment.

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