☰ Menu eFinancialCareers

GASTKOMMENTAR: Wie man acht Jahre lang bei Goldman Sachs arbeitet, nicht wie ein Playboy lebt und am Ende dennoch pleite ist

Headquarter von Goldman Sachs

Headquarter von Goldman Sachs

In der Londoner City hält sich hartnäckig ein Märchen, das in etwa so lautet: Arbeite hart und lang genug; dann ziehe Dich auf Dein Altenteil zurück und lebe reich und glücklich bis an Dein Lebensende. Nach dieser herzerwärmenden Legende steht „hart genug“ für eine Wochenarbeitszeit von mindestens 90 Stunden und „lang genug“ für etwas zwischen fünf und zehn Jahren. Den 35. Geburtstag zu feiern und nicht bereits aus dem Arbeitsleben ausgeschieden zu sein, erschien einst als ein wenig anrüchig. Jenseits dieser Altersgrenze zu arbeiten, blieb Leuten wie Unternehmensjuristen, PR-Referenten und Buchhaltern vorbehalten.

So mag die Geschichte über einen Uni-Freund von mir für so manchen überraschend klingen. Zack wurde wie so viele andere von unserer Elite-Hochschule von den „Goldsäcken“ für einen Job im Handelssaal eingestellt. Acht Jahre später summiert sich sein Nettovermögen immer noch auf die Quadratwurzel von Nullkommanichts und er steht vor einer existenzbedrohenden Krise. Es kommt noch schlimmer: Er wundert sich, wohin die besten Jahre seines Lebens verschwunden sind.

Dabei war er niemals verschwenderisch. Vielmehr führte Zack ein einfaches Leben. Zwar ging er in den Urlaub, aber niemals mehr als zweimal im Jahr. Im Sommer nicht in wärmere Regionen zu reisen und im Winter nicht in den Schiurlaub zu verschwinden, hätte ihn womöglich zu einem Außenseiter in seinem Team gemacht. Und hineinzupassen ist der Schlüssel dazu, um in einer Investmentbank zurechtzukommen und befördert zu werden. Also hat er die Zähne zusammengebissen und jedes Jahr im Januar die Schneestiefel angezogen.

Zack zog auch nicht durch die Clubs und pflegte keine teuren „models and bottels“ Gewohnheiten. Seine Klamotten stammten eher von Banana Republic als von Prada. Auch seine Uhr ist lediglich moderat extravagant, aber dies alles erklärt nicht sein armseliges Nettovermögen.

Dabei hat er hart, wenn auch nicht übermäßig hart gearbeitet. Nach einigen Jahren hat er sich eine bescheidene Wohnung gekauft und nur die Zinsen beglichen. Ihm ist es nicht gelungen, viel Geld zu tilgen, weshalb er eigentlich nur ein kleines Vermögen besitzt.

Doch wie konnte es so weit kommen? Ganz einfach: Der Hauptteil seines Barvermögens war im Aktiendepots seines Personal Accounts (PA) investiert, was mittlerweile nichts mehr wert ist. Denn laut den „Compliance Regeln“ musste er die meisten dieser Finanzprodukte bei Goldman Sachs selbst kaufen. Das Unternehmen bezahlte ihn und recycelte sogleich sein überschüssiges Bargeld in seine eigenen Produkte. Das stellt kein schlechtes Geschäftsmodell dar, wenn Sie mich fragen.

Dabei hat ihn keiner dazu gezwungen – er hätte sein Geld auch auf einem Sparkonto anlegen können. Da jedoch die Gebühren für die Trades von Angestellten in ihren PA weitgehend entfallen, schien es sich um einen kostengünstigen Weg für Investments zu handeln. Jedenfalls bis er den Wert seiner hauptsächlich bullishen Options- und Aktien-Trades prüfte, die er zumeist in 2008 und 2009 tätigte, als er mit einer raschen Erholung des Aktienmarktes rechnete.

Vielleicht hat er die Argumente geschluckt, mit denen die Kunden jeden Tag hausiert werden. Vielleicht hat ihn auch der konstante Fluss von Sales-Sprüchen im Laufe der Zeit zu bullish gestimmt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es das heute bereut.

Der Autor arbeitet als Banker in London.

Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier