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Schlauer Trick: Mitarbeiter zahlen Kapitalerhöhung der Commerzbank

Foto: Julia Schwager, Commerzbank AG

Foto: Julia Schwager, Commerzbank AG

Gute Nachricht für die Steuerzahler und schlechte für die Mitarbeiter – zumindest wenn sie übertariflich bezahlt werden. Die Commerzbank trommelt am heutigen Donnerstag (19. Januar) überraschend die Wirtschaftsjournalisten zu einer Pressekonferenz zusammen. Denn die strauchelnde Großbank kann den von dem europäischen Stresstest ermittelten Eigenkapitalbedarf von 5,3 Mrd. Euro aus eigener Kraft schultern.

Demnach hätten die eingeleiteten Maßnahmen bereits zum Jahresende das Eigenkapital um 3 Mrd. Euro gesteigert. Zusätzliche Maßnahmen würden ein weiteres Potenzial von 3,3 Mrd. Euro bieten, womit die Commerzbank die Forderungen der europäischen Bankenaufsicht EBA um 1 Mrd. Euro übertreffen würde.

Doch von der Kapitalerhöhung gehen etwa 330 Mio. Euro zulasten der Mitarbeiter. So will die Commerzbank allein 250 Mio. Euro der Kapitalerhöhung dadurch erreichen, dass die Bonus-Zahlungen für 2011 in Form neuer Commerzbank-Aktien erfolgen. Da damit das Risiko steigt, dass die Aktien des Unternehmens weiter abstürzen, dürften die Mitarbeiter kein gutes Geschäft machen.

Denn aufgrund der jüngsten Kapitalerhöhung in 2011 ist der Kurs der Aktie im Jahresverlauf um 67 Prozent auf nur noch 1,30 Euro zu Dezemberende eingebrochen. Nach der Nachricht der erfolgreichen Kapitalerhöhung vollführte die Aktie allerdings am heutigen Donnerstag einen Freudensprung um 10 Prozent auf 1,55 Euro.

Konkret schreibt die Commerzbank: „Die Bank plant zudem, die individuellen variablen Vergütungsansprüche für das Jahr 2011 eines Großteils ihrer außertariflich beschäftigten Mitarbeiter in Aktien der Commerzbank AG zu erfüllen. Je nach Beteiligung der Mitarbeiter kann dies zu einer Erhöhung des Core-Tier-1-Kapitals um rund 250 Mio. Euro führen.“

Darüber hinaus will die Bank „zusätzliche Kostensenkungen von rund 150 Mio. Euro“ generieren. Da das Institut in den ersten neun Monaten 2011 einen Personalaufwand von 3,317 Mrd. Euro und einen Verwaltungsaufwand von 6,22 Mrd. Euro ausweist, beläuft sich der Anteil der Personalkosten am gesamten Verwaltungsaufwand auf 53,3 Prozent. Folglich entfallen knapp 80 Mio. Euro der geplanten Einsparungen auf die Portemonnaies der Mitarbeiter. Rein rechnerisch würde dies auf das Streichen einiger hundert Stellen hinauslaufen.

Finanzvorstand Eric Strutz zeigt sich unterdessen selbstbewusst: „Die Commerzbank ist derzeit ausreichend kapitalisiert, genügt allen gültigen regulatorischen Vorschriften des Kreditwesengesetzes und des Basler Komitees und verfügt über eine solide Refinanzierungsbasis. Mit dem beschlossenen Maßnahmenpaket zeigt die Bank, dass sie die Kapitalanforderungen der EBA auch in einem schwierigen Umfeld aus eigener Kraft erfüllen kann. Wir bleiben dabei: Wir haben nicht vor, zusätzliche öffentliche Mittel in Anspruch zu nehmen.“

Unterdessen gehen ausländische Großbanken bei der Besoldung ihrer Mitarbeiter andere Wege als die Commerzbank. So wollen Credit Suisse und Morgan Stanley einen größeren Teil der Boni ihrer Junior Mitarbeiter in Cash auszahlen.

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