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INTERVIEW zum 25jährigen Jubiläum: Wieso der CIIA für eine Karriere hilfreich ist

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Der Certified International Investment Analyst (CIIA) stellt neben dem CFA die wichtigste Fortbildung für Finanzprofis dar. In 2012 besteht der von der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) angebotene CIIA – samt seiner Vorgänger – seit 25 Jahren. Dies ist Grund genug, um in einem Interview mit DVFA-Geschäftsführer Peter König auf die Erfolgsgeschichte zurückzublicken und die Bedeutung der Fortbildung für die Zukunft zu untersuchen.

König hat nach einer Promotion in Volkswirtschaftslehre bei einer Asset Management-Gesellschaft das Währungsmanagement aufgebaut, war u.a. für Indexfonds, Geldmarktfonds und Garantiefonds zuständig  und arbeitete später bei Morgan Stanley. Bereits seit 1990 war König als Dozent für den CIIA bzw. seine Vorgänger tätig, heute ist er für die gesamte DVFA-Finanzakademie verantwortlich.

Sie sind fast seit der ersten Stunde beim CIIA bzw. seinen Vorgängerprogrammen dabei. Welchen Grund gab es 1987 dafür, den DVFA Investment-Analysten einzuführen, wie der CIIA damals hieß?

Den genauen Hintergrund kann man heute nicht mehr erforschen. Aber Fakt ist, dass es den Kapitalmarkt, wie wir ihn heute kennen, erst seit Ende der 80er Jahre gibt. Viele Instrumente im Bereich der Bewertung von Derivaten oder von Aktien oder anderen Finanzinstrumenten gibt es erst seit dieser Zeit. Daraus ergab sich ein neuer Ausbildungsbedarf für Finanzspezialisten, vor allem für Analysten, Investmentbanker und Asset Manager.

Eigentlich sind es doch zwei wesentliche Dinge, die damals neu waren: Die Black-Scholes Formel, ohne die sich die Derivate gar nicht konstruieren ließen, und die Computertechnologie, denn die schönste Formel nützt nichts, wenn Sie diese nicht schnell berechnen können.

Ganz genau. Als ich 1989 bei einer Grossbank anfing, gab es noch keine PCs. An der Uni hatten wir sie schon – in der Bank gab es nur eine Großrechenanlage. Und auch die Deutsche Terminbörse wurde, als Vorgänger der Eurex, erst 1989 eröffnet.

Auch heute stellt Finance an den Hochschulen immer noch ein Spezialthema dar, was bei uns noch ausgeprägter als in den USA ist.  Aufgrund des Aufbaus der Studien gilt dies auch für Betriebs- und Volkswirte, von anderen Ausbildungen ganz zu schweigen. Der Bedarf der Finanzbranche und auch der anderen Unternehmen ist aber ein anderer, damals wie heute.

Man kann also in Deutschland einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften erwerben, ohne von Standardtheorien wie Markowitz oder Black-Scholes gehört zu haben?

Richtig. Um diese Lücke zu füllen, wurde schon 1987 der DVFA-Investmentanalyst geschaffen. Seitdem blieb auch der Lehrstoff im Wesentlichen gleich, er umfasst sieben internationale Themengebiete: Economics, Fixed Income, Equity Valuation, Derivate, Corporate Finance, Accounting und Portfoliotheorie. Dazu kommt noch nationale Regulierung und Ethik.

Macht ein CIIA für einen Master of Finance überhaupt Sinn? Inwieweit überlappen sich beide Programme?

Dies ist der Fall im Eingangsteil des Programms, dem sogenannten Level 1, in dem es um Grundlagen der Investitionsrechnung und Portfoliotheorie geht. Dagegen unterrichten in Level 2 Praktiker aus den Fondsgesellschaften z.B. Portfolio Insurance. Das wird so an der Uni nicht unterrichtet – auch nicht in Finance.

Wenn also heute jemand einen Master of Finance macht, dann hat er dennoch bedeutende Wissenslücken?

Das würde ich so nicht sagen. Ein Master of Finance wäre ein Beratungsfall, je nach genauer Ausrichtung des Studiums und beruflicher Zielsetzung. Der Klassiker für eine anschließende Weiterbildung „von Praktikern für Praktiker“ ist aber der Bachelor in Betriebs- oder Volkswirtschaftslehre.

Wie hoch ist der Anteil der Teilnehmer mit einem wirtschaftswissenschaftlichen Abschluss am CIIA?

Das dürften an die 80, eher 90 Prozent sein. Andere Studiengänge wie Jura, Biologie oder Psychologie stellen Einzelfälle dar, wenn sie in die Finanzbranche oder ins Treasury eines Unternehmens wechseln wollen und dafür Finance-Kenntnisse erwerben möchten. Ähnlich gilt das auch für andere parallele Ausbildungen wie Wirtschaftsprüfer.

Aus welchen Branchensegmenten stammt die Mehrheit der Teilnehmer?

Der Titel Investment-Analyst ist teilweise irreführend, denn wie beim CFA auch handelt es sich bei der Mehrheit der Teilnehmer um Asset Manager und nicht um Analysten. Bei Investmentbankern muss man beachten, dass die Karrierewege –  zumindest bei den Tophäusern – wesentlich stringenter sind. Dort erhalten die Absolventen als Analysten bereits eine ganz harte Inhouse-Ausbildung.

Wie hat sich die Ausbildung in den vergangen 25 Jahren verändert?

Die sieben Themengebiete sind gleich geblieben. Änderungen gab es in Teilbereichen, so ist zunächst Credit im Bereich Fixed Income hinzugekommen, dann wurde von den nationalen auf die internationalen Accounting Standards IAS/IFRS umgestellt, und schließlich wurden Regulierungsfragen in das Programm eingeführt. Dies hat sich sicherlich am stärksten verändert. Vor 25 Jahren war Wertpapierrecht praktisch nicht existent, manche sprachen hier auch vom Wilden Westen am Kapitalmarkt. Heute sind Recht und auch Ethik wichtige Elemente des Berufs und müssen bei uns deshalb auch unterrichtet werden.

Welche Auswirkungen hat die Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge auf den CIIA?

Es ist noch zu früh, um das wirklich zu sehen. Die Bachelor- und Masterstudiengänge gibt es erst seit ein paar Jahren. Darüber hinaus gehen die Hochschulabsolventen zuerst in die Branche und kommen erst anschließend zu uns. Daher liegt das Durchschnittsalter der CIIA-Teilnehmer auch bei Anfang 30.

Im Grunde gibt es zwei Szenarien: Mehr Leute machen einen Master in Finance und kommen dann nicht zu uns, oder aber viele steigen gleich nach dem Bachelor ins Berufsleben ein, und kommen dann später vermehrt zu uns. Wir haben jedoch keine Zukunftssorgen, da der CIIA als Ergänzung sehr gut zum Bachelor passt, und für einige wie schon gesagt auch zum Master.

Haben Sie Erfahrungswerte, ob ein CIIA die Karriere tatsächlich voranbringt?

Wir haben jetzt etwa 3.000 Personen, die einen CIIA oder eines seiner Vorgänger-Programme absolviert haben. Um herauszufinden, welche Auswirkungen dies auf die Karriere hat, müsste man den Karriereweg dieser 3.000 Absolventen mit derjenigen von vielleicht 100.000 anderen vergleichen. Das ist recht schwierig.

Darüber hinaus haben sich nicht nur die Finanzmärkte, sondern auch die Karrierewege in der Branche deutlich verändert. In der Vergangenheit waren die deutschen Universalbanken sehr hierarchisch aufgestellt. Noch als ich anfing, gab es das Wort vom Bankbeamten und die Karriere hat sich über Mengengerüste definiert: Die Zahl der Mitarbeiter und der Berufsjahre sowie die Verantwortung im Geschäft, wobei es sich in der Regel um Kreditvolumen handelte, entschieden über die Karriere. Damals durfte man sich als einfacher Mitarbeiter nicht auf einen Stuhl mit Armlehen setzen. Armlehnen gab es nur vom Prokuristen aufwärts.

Erst in den 90er Jahren hat sich in Deutschland langsam die Fachkarriere durchgesetzt, wonach gilt: Wenn jemand ein Geschäft – typischerweise am Kapitalmarkt – sehr gut versteht, dann kann er befördert werden und mehr verdienen, vielleicht sogar mehr als sein Vorstand. Und da sehen wir den Zusammenhang mit guten Fachausbildungen wie dem CIIA.

War dieser Wandel auch für den Erfolg von Fortbildungen wie dem CIIA und dem CFA mitverantwortlich?

Ja. Leider lässt sich der Erfolg aber noch nicht daran messen, wie viele CIIA-Absolventen einen Vorstandstitel haben.

Wir haben lange über die Vergangenheit gesprochen. Doch welche Rolle werden die einschlägigen Fortbildungen in der Zukunft spielen?

Kurzfristig sieht es wieder schwierig aus, da viele Arbeitgeber auf der Kostenbremse stehen und die Fortbildungsbudgets zusammenstreichen. Besser sieht es auf längere Sicht aus: Aus Gründen der unternehmerischen Vernunft und aufgrund der wachsenden Regulierung brauchen wir im Finanzmarkt und in anderen Unternehmen noch mehr Ausbildung, noch mehr qualifizierte Mitarbeiter und auch Führungskräfte.

Aus der Krise haben wir noch in Erinnerung, wie führende Bankmanager gesagt haben, dass sie ihre eigenen Produkte nicht mehr verstehen. Dies zeigt, welcher Fortbildungsbedarf noch herrscht. Die Banker und Fondsmanager müssen doch selbst möglichst gut die Produkte verstehen. Wir brauchen definitiv mehr Ausbildung in Finance, und auch in speziellen Tätigkeiten wie Risikomanagement oder Anlageberatung.

Während in den USA, England und Frankreich Banker – je nach ihrer jeweiligen Tätigkeit – ein Mindestniveau an Wissen und eine Registrierung benötigen, darf in Deutschland jeder als Banker arbeiten. Wir in Deutschland müssen uns doch fragen, wie wir ein führender Finanzplatz bleiben wollen – manche sagen auch werden wollen –, ohne entsprechende klare Qualifikationsanforderungen an das Finanzpersonal. Wir sind stolz auf unsere Ingenieursausbildung, da haben wir im Finanzbereich noch Optimierungsbedarf.

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