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AUSBLICK 2012: Die Gewinner und Verlierer in Luxemburg

Wahrzeichen für Luxemburg: Der Bockfelsen. Foto: Caranom

Wahrzeichen für Luxemburg: Der Bockfelsen. Foto: Caranom

Die Gewinner sind…

Das Private Banking / Wealth Management

Laut der jüngsten Studie des Recruitment-Unternehmens Edouard Franklin zum Luxemburger Wealth Management-Markt haben drei Viertel der Private Banking-Akteure im Großherzogtum in 2011 Personal eingestellt. Und dieser Trend scheint noch lange nicht zuende zu sein: So fallen die Ergebnisse der alle zwei Jahre durchgeführten PwC-Studie zum Wealth Management in Luxemburg ermutigend aus. „Das Wealth Management bleibt ein sehr rentables Geschäft, solange es sich anpasst“, erklärt François Génaux von PwC Luxemburg.

In einer Zeit, in der den Banken viel Misstrauen entgegengebracht wird, scheint das Luxemburger Modell, das auf Wealth Management und Fondsadministration setzt, gut abzuschneiden. Dennoch gibt sich der Präsident der Luxemburger Arbeitnehmervereinigung ALEBA Marc Glesener vorsichtig: „Wir werden sehen, wie sich die Dinge entwickeln.“ Allerdings ist Glesener mit der Anstellung von Spezialisten zufrieden, die sich aus der strategischen Orientierung namentlich der BGL BNP Paribas auf das Private Banking ergeben. Das Institut plant sechs neue Private Banking-Niederlassungen im Großherzogtum zu eröffnen.

Darüber hinaus bestätigen auch Headhunter die Vitalität des Sektors: „Ich kann sofort Private Banker platzieren, die ein Kundenportfolio von mindestens 20 Mio. Euro mitbringen. Alle sind an derartigen Profilen interessiert. Dabei ist es gleich, woher die Kandidaten stammen. Manchmal müssen sie noch nicht einmal nach Luxemburg ziehen”, ergänzt Grégory Renardy von Michael Page Luxemburg.

Family Offices

Die Regierung versucht die Attraktivität des Luxemburger Finanzsektors zu stärken, in dem sie einen günstigen rechtlichen Rahmen für Family Offices schafft. „Heute ist dieses Metier nicht reguliert. Jeder in Luxemburg kann ein Schild aufhängen und für sich beanspruchen, ein Family Office zu sein. Das Ziel des Gesetzgebungsprojektes besteht schlicht darin, diesen Bereich zu reglementieren, der Bedarf für ein Qualitätslabel hat“, erklärt Jean Fuchs vom Luxemburger Family Office-Verband LAFO.

„Aufgrund seiner erwiesenen Stärke in der Verwaltung und Strukturierung von Vermögen, seiner stabilen und offenen Wirtschaft ist Luxemburg der ideale Ort für neue Geschäftsaktivitäten“, sagt Pascal Rapallino von Deloitte, der neue Dienstleistungen für Family Offices aufbauen will.

Audit & Consulting

In der Liste der größten Arbeitgeber Luxemburgs, die von der nationalen Statistikbehörde Statec aufgestellt wird, sichern sich die Big 4 gute Plätze. So beschäftigte PwC am ersten Januar 2011 1980 Mitarbeiter, gefolgt von Deloitte (1130) und KPMG (850). Nachdem auch Ernst & Young für seine Luxemburger Niederlassung 160 neue Mitarbeiter eingestellt hat, zählt das Unternehmen im Großherzogtum insgesamt rund 900 Beschäftigte.

Zu den erfolgreichsten Geschäftsbereichen gehört Audit, wie sich beispielsweise bei Ernst & Young in Luxemburg zeigt. Dagegen wurden die Aktivitäten im Beratungsgeschäft überprüft und eine Neuausrichtung in Angriff genommen. „Dennoch streben wir auch in diesem Bereich eine bedeutendere Wachstumsrate an“, kommentiert Alain Kinsch von Ernst & Young. Darüber hinaus rechnet das Unternehmen auch im Steuerberatungsgeschäft in den kommenden Jahren mit Wachstum. Weitere Baustellen sind der automatische Informationsaustausch der Steuerbehörden, die Harmonisierung der Steuersysteme, die Strukturierung von Produkten oder auch die Implementierung der Alternative Investment Fund Managers-Directive (AIFMD) der EU.

… und die Verlierer

Das Tripple AAA-Rating

Aufgrund der Staatsschuldenkrise hat die Ratingagentur Standard & Poor’s das Großherzogtum wie auch fünf weitere Eurostaaten mit einem negativen Ausblick für sein AAA-Rating versehen. Dies führte die Ratingagentur auf die Verschärfung der politischen, finanziellen und monetären Krise in der Eurozone zurück, was sich auch auf die Bonität und die Wachstumsaussichten Luxemburgs auswirken könne.

Nichts davon betrifft allein Luxemburg. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk kritisierte der Luxemburger Premierminister und Eurogruppen-Chef Jean-Claude Junker die Entscheidung heftig als irrwitzig und ungerechtfertigt. Diese Ansicht wird nicht von jedermann geteilt. „Man kann von einer Verarmung Luxemburgs absolut und relativ gesehen sprechen“, bekräftigte Yves Mersch, Chef der Luxemburger Zentralbank.

Die Zahlen scheinen ihm Recht zu geben. Laut Statec wird das Wirtschaftswachstum in 2011 anstatt bei 4 Prozent, wie ursprünglich prognostiziert, nur bei 2 Prozent liegen und in 2012 bei 1,4 Prozent statt 3,8 Prozent. Demnach wiesen die verschiedenen Wirtschaftszweige Anzeichen einer sich abkühlenden Konjunktur auf. Doch am beunruhigendsten falle die Entwicklung im Finanzsektor aus.

Die Grenzgänger

Mit 15.164 Unbeschäftigten erreicht die Arbeitslosenquote in Luxemburg 6,1 Prozent. Damit stieg die Arbeitslosigkeit um 0,1 Prozentpunkte oder 312 Personen zwischen Ende Oktober und Ende November an und wuchs damit den dritten Monat in Folge. Falls man die Arbeitskräfte hinzurechnet, die nicht im Großherzogtum wohnen, aber auf dem Arbeitsmarkt verfügbar sind (16.970 Personen), dann beläuft sich die Steigerung auf 3,3 Prozentpunkte gegenüber dem Vormonat. Dies stellt den stärksten Anstieg seit Dezember 2010 dar, wobei die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,2 Prozentpunkte zugelegt hat.

Somit sind die Grenzgänger am stärksten betroffen, wobei diese Gruppe rund 39 Prozent der Arbeitskräfte in Luxemburg ausmacht. Allerdings bremst ausgerechnet der Finanzdienstleistungssektor den Einbruch, denn nach einer Statistik der Luxemburger Zentralbank lag die Zahl der Beschäftigten in der Branche per 30. September um 2,2 Prozent über dem Vorjahreswert.

Die Banco Itaú

Laut dem Luxemburger Wort hat das brasilianische Institut Banco Itaú einen Sozialplan für 60 Mitarbeiter vereinbart. In den kommenden zwei Jahren will die brasilianische Bank ihre europäische Wealth Management-Aktivitäten in Zürich konzentrieren. Mithin bleibt im Großherzogtum nichts zurück.

„Die Entscheidung ist auf dem höchsten Niveau der Geschäftsführung der Gruppe zustande gekommen“, bestätigt Dimitri Oliveira Barbosa, Managing Director der brasilianischen Bank im Großherzogtum. „Das weltweite Umfeld führt zu einer strategischen Überprüfung. Die europäischen Niederlassungen wurden neu ausbalanziert. Sowohl Luxemburg als auch die Schweiz verfügen über bestimmte Vorteile und sind wettbewerbsfähig. Dennoch befinden sich beide für unser Geschäft in Konkurrenz. Die Entscheidung ist gefallen. Die Bank wird Luxemburg nicht untreu, sondern es hat die Schweiz ausgewählt, um seine Aktivitäten zusammenzulegen“, hieß es weiter.

Dabei handelt es sich um einen heftigen Schlag für den Finanzplatz Luxemburg. Denn ein internationales Aushängeschild hat die Schweiz aus strategischen Gründen vorgezogen. Mithin bleiben im Großherzogtum lediglich zwei brasilianische Institute zurück: die Bank Safra sowie die Banco Bradesco Europa.

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