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INTERVIEW zur Zukunft des Investmentbankings: “Die Saurier sind auch nicht wiedergekommen”

Sina Schahram-Nia hat in Berkeley und an der London School of Economics studiert. 1991 stieg Schahram-Nia in Fixed Income Sales and Trading bei Salomon Brothers ein. Später wechselte er zu Goldman Sachs und Bank of America, wo er als Head of Fixed Income Sales für den deutschsprachigen Raum agierte. Vor einigen Jahren gründete der Vater von zwei Söhnen schließlich sein eigenes Executive Search-Unternehmen Everest Principals in Frankfurt. Mit eFinancialCareers.de hat Schahram-Nia über die Zukunft des Investmentbankings gesprochen.

Welche Auswirkungen haben Basel III und die übrigen Regulierungen auf das Geschäftsmodell von Investmentbanken und namentlich auf die Eigenkapitalrenditen?

McKinsey hat in einer Studie für 2010 ausgerechnet, dass die US-amerikanischen und europäischen Banken einen Return on Equity zwischen 7 und 7,9 Prozent hatten. Momentan muss man davon ausgehen, dass die Eigenkapitalkosten für diese Banken bei 12 Prozent liegen. Wenn Sie einen viel kleineren Return on Equity haben, dann können Sie nicht einmal mehr Ihre Kapitalkosten erwirtschaften.

Welche konkreten Konsequenzen werden die schärferen Regulierungen nach sich ziehen?

Die erste Konsequenz besteht darin, dass Geschäfte, die mit mehr Eigenkapital hinterlegt werden müssen, wie z.B. der Eigenhandel, deutlich teurer werden. Irgendwann wird die Sache so teuer, dass sich die Sache einfach nicht mehr rentiert.

Welche Bereiche werden denn am schwersten betroffen sein?

Der Eigenhandel…

Aber die Banken beteuern doch regelmäßig, dass sie ihren Eigenhandel eingestellt haben?

Wenn Sie beispielsweise Kundengeschäft im Fixed Income generieren wollen und es sich nicht um reine Brokerage handelt, dann sind Sie als Bank gezwungen, Positionen einzugehen. Da die Banken diese Positionen in ihre Bücher nehmen, um Kundengeschäft zu generieren, handelt es sich nicht um Eigenhandel. Doch überall, wo die Bank Risikopositionen eingeht, werden die Kosten steigen. Denn die Banken müssen mehr Kapital für dieses Geschäft hinterlegen.

Die Banken können natürlich auch Geschäfte mit geringeren Ansprüchen an das Eigenkapital eingehen wie z.B. Asset Management und Advisory, wo die Banken eine Provision erhalten. Dabei darf man jedoch eine Sache nicht vergessen: Die Banken haben in den zurückliegenden zehn bis fünfzehn Jahren ein immer größeres Handels-Rad gedreht. Doch um das große Geld zu verdienen, musste auch großes Risiko eingegangen werden. Wenn die Regulierungsbehörden dies mit höheren Eigenkapitalanforderungen behindern, dann sinken die Möglichkeiten, großes Geld zu verdienen. Risiko und Gewinn sind halt sehr oft die zwei Seiten der gleichen Medaille.

Somit werden gerade die bislang lukrativsten Geschäftsbereiche der Investmentbanken von dieser Verschärfung betroffen sein?

Wenn Sie sich die Erträge als einen Kuchen vorstellen und ein großer Teil davon verschwindet, dann gibt es auch nur weniger Stücke zu verteilen. Laut McKinsey müssen die europäischen Banken bis 2015, um den genannten Return on Equity von 12 Prozent zu generieren, ihre Erträge von 175 Mrd. in 2010 auf 358 Mrd. Euro in 2015 mehr als verdoppeln, nur um mit dem Return on Equity den Cost of Equity zu erwirtschaften.

Oder es werden ganze Geschäftsbereiche samt Personal abgebaut. Ein Beispiel hierfür ist die Credit Suisse. Die Schweizer Großbank rechnet damit, dass die Eigenkapitalrendite im Fixed Income-Geschäft in den kommenden Jahren kräftig unter Druck gerät und plant daher, die Hälfte der Bilanzsumme und reichlich Personal abzubauen.

Da haben Sie vollkommen recht. Sie dürfen ja nicht vergessen, dass bei Banken der größte Kostenblock das Personal darstellt. Sie haben ja keine großen Fabriken, Ihr Asset sind die Leute. Wenn Sie jedoch 50 Prozent des Geschäfts dauerhaft nicht mehr machen dürfen, dann entsteht eine ganz andere Situation. Es gab schon immer Downturns – mal ist Equity schlecht gelaufen, mal Fixed Income, mal M&A – doch irgendwann haben sich die Geschäfte wieder erholt.

Doch werden nicht auch die Vergütungen sinken? Schließlich zählte das Investmentbanking bisher zu den bestzahlenden Branchen. Fallen die Erträge und Profite geringer aus, entfällt auch ein Grund für die hohen Gehälter und Boni.

Absolut. Sie haben nur zwei Kostenschrauben auf der Personalseite: den Abbau von Stellen oder die Verringerung der durchschnittlichen Personalkosten pro Kopf, indem Sie einfach weniger zahlen. Dennoch wird es auch in Zukunft Leute geben, die sehr viel Geld verdienen. Allerdings dürften die Zeiten vorbei sein, in denen jemand ein großes Gehalt bezog, nur weil er in einem bestimmten Bereich arbeitete.

Nun ist das Jobprofil im Investmentbanking nicht in allen Aspekten attraktiv: Sie haben sehr lange Arbeitszeiten, eine hohe Beanspruchung im Beruf und das Ansehen in der Bevölkerung ist miserabel. In der Vergangenheit wurden diese Nachteile durch eine überdurchschnittliche Vergütung kompensiert. Doch wenn dies passé ist, sinkt dann nicht die Attraktivität des Investmentbankings?

Gute Frage. Es wird immer Leute geben, die in diesem Bereich arbeiten möchten, da es sich immer noch um eine spannende Branche handelt. Aber die Geld-Karotte wird eine geringere Rolle spielen. Die Vergütung wird wahrscheinlich sinken, aber immer noch höher ausfallen als in anderen Bereichen. Die Reputation hat sicherlich sehr gelitten.

Wenn heute jemand von der Uni kommt und die Wahl zwischen einer Investmentbank oder einer Strategieberatung hat, dann entscheidet er sich heute vielleicht eher für die Strategieberatung.

Was machen die Leute, die vom Wandel in der Branche betroffen sind? Wo gehen beispielsweise die Leute hin, die im Fixed Income ihren Job verlieren?

In der Vergangenheit hatten Sie viele zyklische Downturns: Einige Geschäfte sind schlecht gelaufen und später irgendwann zurückgekehrt. Vielleicht haben Sie dabei Ihren Job verloren und waren einige Zeit arbeitslos, bevor sich das Geschäft wieder erholte.

Doch dieses Mal handelt es sich um eine grundlegende Veränderung der gesamten Branche. Die Dinosaurier sind irgendwann einmal ausgestorben und sind dann auch nicht wiedergekommen. Gewisse Geschäftsbereiche werden wahrscheinlich dauerhaft und nicht nur zeitweilig zurückgehen. Dann kann man auch nicht mehr einfach von Bank A zu Bank B wechseln.

Doch was macht man dann?

Dann muss man sich zunächst einige große Fragen stellen: Möchte man in der Finanzwelt bleiben? Welche Kernkompetenzen hat man, die z.B. auf der Buyside gefragt sein könnten? Viele Investmentbanker verfügen jedoch über ein Skillset, das sich kaum außerhalb der Branche nutzen lässt – es handelt sich um Experten. Im Grunde gibt es nur zwei Möglichkeiten: Sie wechseln in komplementäre Bereiche innerhalb der Finanzindustrie oder Sie steigen völlig aus der Branche aus und schließen mit diesem Kapitel ihres Lebens ab. Ich glaube viele tendieren bereits in diese Richtung.

Wie wird Ihrer Meinung nach das Geschäftsmodell von Investmentbanken in der Zukunft aussehen?

Man kann eigentlich nur mit Sicherheit sagen, dass alle Geschäfte, die hohes Risikokapital benötigen, deutlich an Stellenwert verlieren werden und alle Geschäftsbereiche, die wenig oder kein Risikokapital brauchen, werden deutlich an Relevanz gewinnen. Dazu zählen alle Bereiche, in denen Gebühren erwirtschaftet werden wie z.B. das Asset Management oder Corporate Finance. Man muss halt begreifen, dass sich die Investment Banking-Welt geändert hat, und man muss sich der neuen Welt anpassen oder den Weg der Dinosaurier gehen.

Kommentare (2)

Comments
  1. Bitte einmal Herrn Schahram-Nia mitteilen, dass Corporate Finance Teil der Investmentbankingstruktur ist.

  2. @Hilmar: Lol was für Träume du hast, der Typ hat bei Salomon im Sales&Trading angefangen. Der wird wohl kaum auch nur daran denken CorpFin zum Investmentbanking zu zählen.

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