☰ Menu eFinancialCareers

GASTKOMMENTAR: Inkompetente Vorgesetzte oder wie Banken mit Griechenbonds gekonnt jonglieren

Ich arbeite seit Jahren im Treasury einer mittelgroßen Bank mit einer Bilanzsumme von über einer 1 Mrd. Euro. Doch was sagt diese Zahl schon über die Qualität der Führungskräfte aus? Reichlich wenig.

Meine Hauptbeschäftigung besteht in der Anlage der Bankgelder, die nicht als Kredit ausgegeben werden können, dem entsprechenden Liquiditätsmanagement und der Aussteuerung von Zinsrisiken im Kundengeschäft.

Außerdem betreue ich noch im kleinen Stil einige Privatkunden, was für die praktische Arbeit an den Märkten eine sehr gute Ergänzung darstellt. Zur Arbeit im Treasury gehört es, Chancen (im gesetzlichen Rahmen) zu nutzen und Risiken für die Bank frühzeitig zu erkennen und den Vorgesetzten, z.B. den Handelsvorstand oder auch die zweite Führungsebene, zu informieren.

Hier beginnen schon die Probleme: Um gut informiert zu sein, ist es erforderlich, täglich Finanzzeitungen, am besten gleich zwei oder drei, gründlich zu lesen. Natürlich muss man auch das Internet im Auge behalten – und zwar nicht nur die Standard-Finanzseiten. Dies sehen jedoch zumindest meine Vorgesetzten überhaupt nicht gerne. Das führt soweit, dass ich von meinem Arbeitsplatz aus nicht alles im Internet aufrufen kann.

Werden Mitarbeiter für dumm gehalten?

Manchmal frage ich mich, ob die Mitarbeiter bewusst dumm gehalten werden, damit die Vorgesetzten “allwissend” erscheinen (oder glauben, dies zu sein). Doch bei falscher Markteinschätzung greifen viele Vorgesetzten dann zur Trickkiste. Obgleich die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden, ist dies weder sinnvoll noch lässt sich auf diese Weise ein Verlust dauerhaft vertuschen.

Hier ein kurzer Erfahrungsbericht: Schon recht früh habe ich erkannt, dass sämtliche südeuropäische Staatsanleihen mit großer Vorsicht zu behandeln sind. Damit möchte ich mich nicht selbst loben und ich habe auch nicht alle schlechten Wertpapiere im Volumen von mehreren Mio. Euro im ersten Teil der Finanzkrise (vor 2008) mit Gewinn für die Bank verkauft.

Doch was passiert jetzt im zweiten Teil der Finanzkrise seit 2010? Vor Griechenland etc. wurde meinerseits mehrmals gewarnt und zum Verkauf aller betroffenen Bestände geraten. Meine Vorgesetzten lehnten dies rundheraus an: “Nein! Ein europäischer Staat wird nicht fallen gelassen. Es wird keine Abschreibungen bei Endfälligkeit geben. Sie haben ja keine Ahnung!”, hieß es weiter.

Umbuchungen um Verluste zu vermeiden

Während die Wertpapiere auf Tauchstation gingen, stieg der Handlungsbedarf. Der erste Trick bestand in der Umbuchung der Wertpapiere aus der Liquiditätsreserve in den Anlagebestand, wo die Bestände nicht auf den niedrigen Marktwert abgeschrieben werden müssen. Als sich die Lage weiter verschlechterte, folgte Trick zwei: Die Umbuchung der Wertpapiere aus dem Anlagebestand in einen Eigenfonds. Hier schlummern die Griechenlandbestände jetzt mit einem Buchwert von noch rund 100 Prozent, obwohl die gleichen Papiere an der Börse mit einem Abschlag von über 50 Prozent gehandelt werden. Es wird mittlerweile im Falle Griechenlands sogar öffentlich über einen Schuldenschnitt von 40-60 Prozent nachgedacht.

Die Vorgesetzten sind selbst bei einem wirklichen Verlust fein raus. Denn die Einbußen in den Griechenlandbonds gehen in den diversen Beständen des Eigenfonds einfach unter. Diskutiert wird der Bestand heute nicht mehr. Herzlichen Glückwunsch zu dieser “tollen” Leistung.

Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier