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Dieses Jahr könnten Clawbacks zu einem Problem werden

Die UBS wird für 2011 wahrscheinlich keine Rückerstattung gewährter Boni, sogenannter Clawbacks, verlangen. Während der Skandaltrader Kweku Adoboli heute wieder vor Gericht erscheint, liess UBS-Chef Sergio Ermotti bereits gestern verlautbaren, dass die Schweizer Grossbank keine Clawbacks für 2010 von ihren Mitarbeitern verlangt, sondern nur weniger Boni für 2011 gewährt.

Die UBS behält sich Clawbacks vor, wenn eine Geschäftseinheit rote Zahlen schreibt. Doch in den ersten drei Quartalen verzeichnete das UBS-Investmentbanking einen Gewinn von 561 Mio. Franken, worin sich allerdings positive Bilanzierungseffekte niederschlagen. Ohne diese Effekte würde die Sparte einen Verlust von 1 Mrd. Franken schreiben.

Doch anderswo dürften Banker nicht so viel Glück haben. 2011 könnte als erstes Jahr in die Geschichte eingehen, in dem aufgeschobene Bonuszahlungen aus Vorjahren verschwinden.

So erfasst die Sorge um ihre Clawbacks bereits die Mitarbeiter des Corporate and Investment Banking (CIB) der BNP Paribas. Wie wir kürzlich geschrieben haben, sollen die Clawback-Regelungen bei der französischen Grossbank besonders streng ausfallen. Angeblich sollen die aufgeschobenen Boni in Anteilen von 33 Prozent gestrichen werden, sobald die Gesamtbank, die CIB oder die betreffenden Abteilungen rote Zahlen schreiben oder eine nicht näher bekannte Eigenkapitalrendite verfehlen.

Auch die Clawback-Regelungen der Deutschen Bank fallen vergleichsweise unerfreulich aus, dürften allerdings nicht wirklich eintreten. Der deutsche Branchenprimus erklärt, dass 100 Prozent der aufgeschobenen aktienbasierten Boni für 2010 vom Spitzenpersonal einbehalten wird, sobald das Vorsteuerergebnis des Konzerns oder der Sparte negativ ausfällt. Doch sofern ein Desaster im vierten Quartal ausgeschlossen wird, dürften die Clawback-Mechanismen kaum ausgelöst werden. Denn der Vorsteuergewinn der Corporate and Securities-Division belief sich in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres auf 3,2 Mrd. Euro.

Die negativsten Folgen für die Mitarbeiter dürften im laufenden Jahr diejenigen Clawback-Regelungen nach sich ziehen, die an die Eigenkapitalrendite (ROE) gebunden sind, die bei den meisten Banken enttäuschen ausgefallen ist. So gewährt Morgan Stanley ihren Führungskräften sogenannte “performance stock units”, die nur dann ausgezahlt werden, wenn bestimmte Eigenkapitalrenditen und Shareholder Value-Ziele erreicht werden. In den ersten neun Monaten des Jahres brach die Eigenkapitalrendite auf nur noch 11 Prozent gegenüber 23 Prozent im Vorjahreszeitraum ein.

Dennoch scheinen die Regelungen bei den US-Banken weniger streng als bei ihren europäischen Wettbewerbern auszufallen. Denn dort beschränken sie sich oftmals nur auf das Spitzenpersonal und auf individuelles Fehlverhalten. Der Geschäftsbericht von Goldman Sachs enthält keine Angaben zu den Clawback-Regelungen, dennoch berichten Headhunter, dass einmal gewährte Boni nur bei individuellem Fehlverhalten kassiert werden. Dabei belief sich die Eigenkapitalrendite von Goldman Sachs von Januar bis September auf gerade einmal auf 6 Prozent.

Die Mitarbeiter europäischer Banken werden 2011 wohl nicht zum letzten Mal von Clawbacks gehört haben. Vielmehr könnte das Problem auch in 2012 virulent bleiben. Was für gekündigte Banker besonders ärgerlich ist: Aufgeschobene aktienbasierte Vergütungen aus Vorjahren können sogar nach der Beendigung des Arbeitsverhätnisses gestrichen werden. Arbeitslose Banker müssen also hoffen, dass ihr ehemaliger Arbeitgeber auch bis 2013 und darüber hinaus schwarze Zahlen schreibt.

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