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XENIA TCHOUMITCHEVA: Wieso ich entschieden habe, dass eine Karriere in den Finanzdienstleistungen nichts für mich ist

Zuerst möchte ich sagen, dass mir vollauf bewusst ist, welche Kontroversen und Diskussionen ein solcher Artikel hervorrufen kann (zugegeben, bin ich jung und meine Erfahrungen sind begrenzt) und ich bin kein grosser Fan von ichbezogenen Artikeln (ich habe schon genügend Fotos von mir selbst, so dass ich lieber über etwas anderes schreibe). Doch ich bin unzählige Male gefragt worden, wieso ich mich gegen eine Karriere im Investmentbanking entschieden habe und der einzige Weg, diese Frage zu beantworten, besteht darin, meine eigenen Erfahrungen zu diskutieren.

Die sehr kurze Zeit, die ich in der Finanzbranche verbracht habe, stellte für eine grossartige Schule dar. Dies betrifft nicht nur das Verständnis der Produkte und des Banksystems als Ganzes, sondern auch meine persönliche Sichtweise. Ich schätze zutiefst die Menge an Loyalität und Einsatz, die jeder Angestellte in den Finanzdienstleistungen für seine tägliche Arbeit aufbringt, und welchen Mut diese trotz harter Zeiten wie Abschwünge und Rezessionen aufbringen, um vorwärts zu schauen und zu Leistungsträgern zu werden.

Ich bewundere auch, wie das gesamte hierarchische System funktioniert: der selbstverständliche Respekt für die Vorgesetzten und die Selbstdisziplin, die hieraus folgt, was für grosse Organisationen eine absolute Notwendigkeit darstellt. Die Breite der Informations- und Wissensplattform, die mir während meiner Arbeit im Banking geboten wurde, war einzigartig. Ich konnte tatsächlich auf eine unglaublich strukturierte Datenbank von Informationen zugreifen und erhielt jede noch so schwierig aufzufindende Nachricht und Spezialinformation.

Auf der anderen Seite erlangte ich den persönlichen Eindruck, dass die Lernkurve in einem Spezialgebiet rasant abflacht und sich in eine bloss ausführende Tätigkeit verwandelt. Damit besteht das Risiko steckenzubleiben, anstatt grössere Verantwortlichkeiten zu erhalten.

Nachdem ich dies erzählt habe, möchte ich betonen, wie wichtig es ist herauszubekommen, ob Ihre Persönlichkeit fürs Banking massgeschneidert ist. Es kann schwer fallen, zu sich selbst ehrlich zu sein, wenn Sie die Sicherheit eines hohen Jahresgehalts geniessen und für ein angesehenes Unternehmen arbeiten. In vielerlei Hinsicht handelt es sich bei den Finanzdienstleistungen um eine Karriere für risikoaverse Leute: Obgleich Sie eine vergleichsweise grosse Entscheidungsgewalt über beträchtliche Geldsummen verfügen, ist die Verantwortlichkeit – meiner Meinung nach – nicht immer angemessen. Denn das grösste Risiko besteht darin, seinen Job zu verlieren.

Umgekehrt bin ich kreativ, nicht risikoscheu und liebe es, die volle Verantwortung für meine Taten zu übernehmen. Dies war Teil der Erziehung, die ich von meinen Eltern erfahren habe und das bedeutet, dass ich von Natur aus eher für eine unternehmerische Karriere geeignet bin. Obgleich ich immer glücklich bin, eine Karriere von ganz unten zu starten und von Null anzufangen, bin ich nicht der Angestelltentyp. Ich bin zu einer sehr unabhängigen und selbstverantwortlichen jungen Frau erzogen worden und indem ich mein Image, meine Jobs und mein Geschäft seit einigen Jahre selbst manage, bin ich gewohnt, mein eigener Chef zu sein.

Ich denke, dass alles, was ich bislang erreicht habe, auf eine Mischung von Glück und harter Arbeit beruht: Sie müssen die Chancen nutzen, die sich Ihnen bieten, doch darüber hinaus hängt alles von Ihrer eigenen Anstrengung ab. Das Banking hat mir dazu besseres Handwerkszeug und mehr Selbstdisziplin mitgegeben. Dies kann ich jetzt nutzen, um mein eigenes Geschäft voranzubringen, was mein Traumberuf ist und immer schon war. Ich werde meine Erfahrungen in den Finanzdienstleistungen stets schätzen und werde dessen hoch akademische, intellektuell stimulierende Umgebung vermissen. Doch auf lange Sicht ist Investmentbanking nichts für mich.

Das Schweizer Topmodel Xenia Tchoumitcheva war Praktikantin bei JPMorgan, Merrill Lynch und dem Hedgefonds Duet Group. Obgleich Tchoumitcheva Anstellungsangebote erhielt, verfolgt sie ihre eigenen Geschäftsinteressen. Der Gastbeitrag wurde von unserer englischen Seite übersetzt.

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