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GASTKOMMENTAR: Über der unsäglichen Schrecken bei der Rückkehr zur Arbeit

Als ich in der Londoner City arbeitete, gab es nichts entsetzlicheres als der unsägliche Schrecken, den ich am letzten Tag meines Sommerurlaubs empfand.

Ich lag am Pool einer Finca auf Ibiza und starrte vor mich hin, unfähig die grässliche Realität zu verstehen, die mir bevorstand. Meine Sangria wurde allmählich von der Nachmittagssonne aufgewärmt und meine Urlaubslektüre blieb ungelesen. Ein Gespräch war nahezu unmöglich und meine Freundin wusste, dass mich nichts auf dieser schönen Welt von meinen scheußlichen Depressionen abbringen würde.

Wenn ein Urlaub zu etwas gut ist – und normalerweise ist er es – dann ist es die scharfe Erinnerung daran, was im Leben wirklich zählt. Ich war mit nacktem Oberkörper auf einem Motorrad über staubige Wege gefahren und habe Langusten zu dem lieblichen Geräusch der Wellen entlang der Küste gegessen. Ich habe im Mondlicht getanzt und im warmen azurblauen Wasser geschwommen. Alles schmeckte besser, roch besser und fühlte sich besser an.

Am letzten Tag meines Urlaubs wusste ich, dass all der Spaß bald vorbei sein würde. Vielmehr wusste ich, dass mir Monate der grauen Schinderei, in einem grauen Land mit grauen Leuten bevorstehen würde. Statt auszuschlafen, Liebe zu machen und in der Sonne herumzuliegen, würde ich nahezu nichts machen, was ich wirklich mag. Ich müsste zwei Stunden früher aufstehen, als mein Körper es für richtig hält. Ich müsste zu einem seelenlosen Ort pendeln, wo ich von anderen deprimierten Leuten umgeben sein würde. Ich müsste arroganten, humorlosen Kunden in den Hintern kriechen und ich würde Machosprüche mit aggressiven Tradern austauschen. Die Tatsache, dass meine Wertpapierhändler-Kollegen ihren Beruf zu mögen scheinen, streute Salz in meine allzu frischen Wunden.

Das einzige, was mir etwas Trost verschaffte, war der Gedanke an die nächste Flucht aus diesem widerwärtigen Mist. Falls ich dummerweise meinen gesamten Urlaub für den September bereits genommen hätte, dann wäre die Depression nur noch deutlicher ausgeprägt. Ich wusste, dass mir viele Monate des erbarmungslosen Winterregens, des magenverknotenden Stresses und der Schlafstörungen bevorstehen würden.

Bod Dylan hat einmal Erfolg definiert als von Morgens bis Abends das zu tun, was man wirklich will. Die meisten Leute in der Londoner City halten sich für erfolgreich, doch wenn Du zwölf Stunden am Tag über 47 Wochen des Jahres arbeitest, dann machst Du wohl kaum das, was Du wirklich willst.

Obgleich die Leute in der Londoner City in ihrem Job eigentlich nur für vielleicht zehn Jahre arbeiten wollen, um anschließend mit ihrem wirklichen Leben als entspannte Urlauber am Strand beginnen zu können, erreichen dies doch nur wenige. Sie vergeuden lediglich die besten Jahre ihres Lebens, gefangen in einen sinnlosen Job, in dem Sie in Richtung Tod schlafwandeln.

Das System hat sie betrogen und am letzten Tag ihres Urlaubs wird eine Träne aus ihrem Auge hervorquellen, wenn sich diese erschreckende Erkenntnis einstellt.

Geraint Aderson (37, hat sich seit zwei Jahren aus dem Job zurückgezogen)

Geraint Anderson in der Autor von “Cityboy – Geld, Sex und Drogen im Londoner Finanzdistrikt”. Seine Website finden Sie hier.

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