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Verhältnisse wie auf der Titanic: Wo WestLB-Mitarbeiter rettende Jobchancen finden

Bei der WestLB geht es zu wie auf der Titanic. Alle versuchen das sinkende Schiff zu verlassen – nur die Zahl der Rettungsbote reicht nicht aus. Von den 4700 Beschäftigten des strauchelnden Konzerns haben nur 400 in der Verbundbank eine Zukunft.

Erhöhe Anfragebereitschaft der Mitarbeiter

Folglich suchen viele Mitarbeiter händeringend nach einer rettenden beruflichen Zukunft, weshalb einschlägige Heahunter wie Andreas Krischke von Indigo in Frankfurt vermehrt Anrufe mit Düsseldorfer Vorwahl erhalten. Eine “erhöhte Anfragebereitschaft” bestätigt auch ein anderer Personalberater, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Laut Krischke müssen bei der WestLB zwei Gruppen unterschieden werden. Dort gebe es zum einen die altgedienten Mitarbeiter mit hohen Versorgungsansprüchen, die an ihrer Position festhalten. Demgegenüber stehen die jüngeren Banker, die ihre berufliche Zukunft von der WestLB-Zerschlagung bedroht sehen. “Die jungen Leute wollen die Entscheidung nicht abwarten und verlassen das sinkende Schiff”, beobachtet Krischke.

Informationen zu neuen Job-Chancen verbreiten sich wie ein Lauffeuer

“Wenn Sie einen WestLB-Banker ansprechen, der schon einen neuen Job hat, dann gibt er die Information weiter und wir erhalten einen Anruf”, sagt der ungenannte Branchenexperte.

Bei der WestLB herrsche derzeit eine “gläserne Architektur in der Kommunikation” stellt der Experte verwundert fest. Denn traditionell wird ein Stellenwechsel auch im Kollegenkreis diskret behandelt. Nicht so bei der WestLB: “Die interne Kommunikation scheint ganz gut zu klappen.”

Unruhe bei den anderen Landesbanken

Die Vorgänge bei der WestLB werden auch bei den Beschäftigten anderer Landesbanken mit Argusaugen verfolgt. “Die LBBW ist unruhig und die BayernLB auch”, ergänzt der Branchenexperte. Eine Ausnahme scheinen indes die Hannoveraner darzustellen.

“Bei der NordLB scheint es gut zu laufen”, ergänzt der Experte. Neben der Helaba ist die NordLB als einzige Landesbank ohne Staatshilfe durch die Krise gekommen und stellt auch weiterhin offiziell ein. Die kriselnden Landesbanken haben zuletzt – wenn überhaupt – nur inoffiziell angeheuert.

In der ersten Liga haben WestLB-Mitarbeiter kaum Chancen…

In den Geschäftsbereichen Mergers & Acquistion sowie Leveraged Finance wird auf dem deutschen Markt händeringend nach Associates mit einigen Jahren Berufserfahrung gesucht. Dennoch zeigen die Top-Adressen im Investmentbanking wenig Interesse an Noch-WestLB-Mitarbeitern. “Sie sind nur so gut, wie die Deals, die sie gemacht haben”, erläutert der Branchenexperte.

Betroffene hätten bei den großen Adressen nur eine Chance, wenn sie vor ihrer Zeit bei der WestLB bei einem “großen Player” wie etwa der Dresdner Bank gearbeitet haben. Gesucht seien Leute, die ein klassisches Analystenprogramm bei einer “Bulge Bracket-Bank” absolviert hätten.

…in der zweiten Liga hingegen schon

Dagegen sieht der Experte durchaus Chancen bei aufstrebenden kleineren Investmentbanken oder Boutiquen wie beispielsweise Leonardo oder Jefferies.

Die prekäre Situation bei der WestLB ist indes den Mitbewerbern nicht verborgen geblieben. “Die Gehaltsaufschläge bei einem Wechsel sind nicht so groß”, betont Krischke.

Die Hoffnung auf HSBC Trinkaus

Zumindest einem Teil der WestLB-Mitarbeiter verbleibt die Hoffnung auf Übernahme des Firmenkundengeschäfts durch HSBC Trinkaus, die praktischerweise ebenfalls in Düsseldorf angesiedelt ist. Nach Branchenbeobachtern dürfte die Übernahme sehr wahrscheinlich sein – zumal HSBC Trinkaus in Deutschland explizit eine Wachstumsstrategie verfolgt.

Dabei könnte alles ganz schnell gehen. Denn Mitarbeiter-Flucht und Kunden-Exodus mindern die Attraktivität der einschlägigen WestLB-Geschäftsbereiche für potenzielle Käufer. “Das muss schnell über die Bühne gehen. Mit jedem Tag sinkt der Kaufpreis”, ergänzt Krischke.

Kommentare (4)

Comments
  1. Naja. Seit fast drei Jahren ist die Entwicklung der WestLB doch klar. Es ist schon ein Wunder, dass der Laden noch so lange durchgehalten hat / künstlich am Leben gehalten wurde. Die ganz Schlauen haben sich schon in Ruhe einen neuen Job besorgt. Andere ( Schlaue) werden durchhalten und sich dicke Abfindungen sichern. Nur wer die Nerven verliert, zahlt drauf. Im Übrigen hatte die WestLB in den letzten Jahren immer noch gut und gerne ständig 40-50 Stellen inseriert. Selbst aktuell wird noch gesucht. Wer in dieser Zeit zur WestLB gegangen ist, wusste doch, was ihm blüht, hat sich dies aber schön versüßen lassen.

  2. @Exx

    Das ist kein Wunder, sondern die segensreiche Wirkung von 21 Mrd. Euro an Geld und Garantien, die die WestLB vom Steuerzahler erhalten hat. Das macht gut 4,4 Mio. Euro pro Arbeitsplatz. Damit ist die WestLB noch höher subventioniert als die Kohleindustrie. Da macht jeder Gang zur Wahlurne richtig Spaß.

  3. Nur wen interessieren schon ernsthaft WestLB-Mitarbeiter?

  4. Die WestLB Mitarbeiter sind doch nur die “armen Schweine”, die die grandiose Inkompetenz der Gesellschafter ausbaden dürfen. WestLB Kunden haben trotz des medialen Trommelfeuers der letzten 3 Jahre und des katastrophen Managements der Bank nur deshalb noch Geschäft mit der WestLB gemacht, weil dort qualifizierte und engagierte Mitarbeiter waren. Nur deshalb hat die Bank überhaupt so lange durchgehalten…..

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