☰ Menu eFinancialCareers

Von Heuschrecken bis zum Stechschritt: Was Anshu Jain noch über Deutschland lernen muss

Der Investmentbanker Anshu Jain steht zum Sprung an die Spitze der Deutschen Bank bereit. Obgleich der 47jährige erstklassige Qualifikationen für die Nachfolge des derzeitigen DB-Chefs Josef Ackermann mitbringt, weist er doch einen entscheidenen Mangel auf: Er spricht kein Deutsch. Anshu Jain sei “Lost in Translation”, schreibt Bloomberg.

Was Jain mitbringt

Die Fakten sind einschlägig bekannt: Die von Anshu Jain geleitete Investmentbank des deutschen Branchenprimus war zuletzt für 80 Prozent des Gewinns verantwortlich. Überdies steuerte der gebürtige Inder seine Sparte derart gekonnt durch die Finanzkrise, dass das Haus auf staatliche Unterstützung verzichten konnte. All das spricht für Jain.

Doch es gibt auch Hinderungsgründe: Jain leitet das Investmentbanking von der Londoner City aus und spricht kein Deutsch – was ein beträchtliches Manko darstellt, zumal die “Deutsche” Bank ihre Herkunft im Titel führt, worauf Bloomberg hellsichtig hinweist. Dies bedeutet jedoch auch, dass er mit der deutschen Mentalität, Kultur und Politik unzureichend vertraut sein dürfte. Da es sich bei dem DB-Chefsessel um einen der politisch exponiertesten Managerposten der Republik handelt, ist dies ein geradezu unüberwindliches Hindernis.

Was Jain noch über Deutschland lernen muss

Doch dem Mann kann geholfen werden. eFinancialCareers.de hat einen kleinen Spickzettel über diejenigen teutonischen Eigenarten zusammengestellt, die für den Karrieresprung an die Spitze der Deutschen Bank unerlässlich sind.

1. Das Steuerrecht

Das beste zuerst: Kürzlich wurde der Spitzensteuersatz in Großbritannien für Gehälter über 150.000 Pfund (gut 180.000 Euro) auf 50 Prozent erhöht. Dagegen liegt in Deutschland die “Reichensteuer” bei lediglich 45 Prozent, was schon einiges ausmacht, wenn man wie Jain mindestens 7,8 Mio. Euro im Jahr nach Hause trägt. Allerdings entfällt hierauf noch der Solidarzuschlag von 5,5 Prozent auf die Einkommensteuer – für die armen Brüder und Schwestern im Osten.

Falls Jain versuchen sollte, das deutsche Steuerrecht zu verstehen – dann ist dem guten Mann leider nicht zu helfen. Denn das ist noch niemanden gelungen, womit es der christlichen Lehre von der Menschwerdung Gottes ähnelt, die ebenfalls der menschlichen Vernunft unzugänglich ist. Allerdings ist das deutsche Steuerrecht garantiert nicht göttlichen Ursprungs.

2. Die Deutsche Politik

Hedgefonds gelten in der deutschen Politik und Öffentlichkeit als wahres Teufelszeug. Denn diese Anlagevehikel kaufen mit geringem Eigenkapital und großem Hebel wohlanständige deutsche Unternehmen, zerstückeln sie und verkaufen sie mit großem Gewinn weiter, wie beispielsweise Ex-Bundeswirtschaftsminister Peer Steinbrück und EX-CDU-Generalsekretär Heiner Geißler einmütig meinen.

Jain mag darauf einwenden, dass diese Beschreibung eher auf Private Equity-Fonds als auf Hedgefonds zutrifft. Sobald der 47jährige versteht, dass keinen deutschen Politiker derartige Feinheiten auch nur interessieren, dann ist er auf dem Weg zum Chefsessel der Deutschen Bank einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Denn es geht allein darum, den unter den Wählern grassierenden Sozialneid zu bedienen.

3. Das Auftreten in der Öffentlichkeit

Wenn man in Deutschland nach einer Anklage wegen Untreue die Finger zu Victory-Zeichen spreizt, dann kommt das in der Öffentlichkeit nicht gut an, wie schon Ackermann feststellen musste. Auch Millionenverluste als “Peanuts” zu bezeichnen wie der damalige DB-Chef Hilmar Kopper, gilt im Lande der Dichter und Denker als PR-Desaster. Falls Jain dagegen Private Equity-Fonds als “Heuschrecken” und damit als Ungeziefer bezeichnen sollte wie EX-SPD-Chef Franz Müntefering – dann ist ihm umfassender Beifall sicher.

4. Der deutsche Militarismus

In Großbritannien ist die Erinnerung an die Weltkriege zumindest in der Boulevardpresse noch allgegenwärtig. Wenn die deutsche Nationalmannschaft gegen die Engländer antritt, wie zuletzt in Südafrika, verfallen “Sun” und “Daily Mirror” in die schneidige Sprache längst vergangener Zeiten. So ist der Stechschritt (englisch “goose-step”) auch jedem Briten aus dem Vorabendprogramm geläufig. Doch Jain braucht derartige Gebräuche nicht heimlich im Wohnzimmer zu üben. Denn eigentlich sind die heutigen Deutschen alles andere als kriegslüstern.

Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier