☰ Menu eFinancialCareers

GASTKOMMENTAR: Nie wieder CFA

Können Sie sich an die Szene aus dem Film “I-Robot” erinnern, in der Will Smith “Sonny, den Killer-Roboter” jagt und dieser in einem Lagerhaus mit 1000 vollkommen gleich aussehenden Robotern untertaucht?

Dann verstehen Sie auch, wie es an einem Examenstag bei den CFA-Prüfungen zugeht.

Um bei der Metapher zu bleiben: Vielleicht erinnern Sie sich, dass es sich bei den 1000 ordinären Robotern um hirnlose Maschinen handelte, die nur über ein einfaches Betriebssystem verfügten und nur einfache Fragen beantworten konnten?

Dann haben Sie schon verstanden, wie es sich anfühlt, ein einfacher CFA-Kandidat zu sein.

Auch wenn ich dabei den Vergleich ein wenig überdehnen sollte: Sie können die Kommandos von Will Smith an die Roboter mit der Aggression der CFA-Aufsicht vergleichen, die Ihnen mit Verbannung droht, falls Sie etwas wagen sollten, was nicht angeordnet war.

Jetzt verfügen Sie über das gesamte Bild. Sicherlich bin ich mir bewusst, dass es sich um eine Prüfung handelt und dass es Regeln gibt, die befolgt werden müssen – aber ich bin weder ein Trottel noch ein Kind.

Meiner Meinung nach stellt das ganze CFA-Prozedere eine Tragödie “geistiger Leere” dar, die die langjährigen Mitarbeitern den Einsteigern zufügen, seitdem sie keine Telefone mehr nach Uniabsolventen werfen dürfen…

Lassen Sie mich erklären, was ich unter “geistiger Leere” verstehe, bevor die Pedanten in den Kommentaren laut widersprechen.

Der CFA ist schwierig. Ich habe mich daran beteiligt und ich habe den Level 1 mit einem komfortablen Sicherheitsabstand bestanden, soweit ich das aus dem recht lapidaren Punkte-Feedback ablesen konnte. Allerdings habe ich dadurch keinerlei intellektuelle Stimulierung erfahren. Vielmehr handelte es sich für mich um ein sechsmonatiges stures Pauken von scheinheiligsten Banalitäten, die ich in meinem ganzen Leben zu lernen versucht habe.

Die Konzentration auf die Ober-Regularien der ethischen Standards und die korrekte Verwendung von Bezeichnungen und Markenzeichen ist unfassbar. Für weite Teile des Lehrstoffs gibt es so gut wie keinen Bezug zur realen Welt. Dies müssen Sie jedoch lächerlich genau lernen, um den Abschluss zu erwerben.

Wenn ich ein junger Uniabsolvent in einer Research-Abteilung wäre, dann würde ich lieber während eines ganzen Jahres Kaffee holen, um das Geschäft zu lernen als einem CFA Level 1 unterworfen zu sein. Falls es soweit kommen sollte, würde ich lieber Handys verkaufen.

Mein Nachbar bei der zurückliegenden Prüfung im Juni verhielt sich wie eine verängstigte Laborratte und zitterte tatsächlich. Denn sein Vorgesetzter hatte ihm mit der Kündigung gedroht, falls er den Level 1 nicht beim ersten Durchlauf bestehen sollte (dabei sollten Sie bedenken, dass die meisten nicht bestehen)

Beim CFA-Programm handelt es sich für die meisten Leute um eine Zeitverschwendung. Falls Sie einen Analyst bitten, Unternehmen für Sie unter die Lupe zu nehmen, dann sollten Sie ihn zu einem Kurs schicken, der ihm das beibringt. Falls Sie von einem Neueingestellten im Private Banking verlangen, über ein breites Produktwissen zu verfügen, dann sollte Sie ihn ebenfalls in ein Seminar schicken, in dem er dies lernt.

In die Mühlen des CFA zu geraten, scheint mittlerweile eine Voraussetzung für jeden Einsteiger in den Finanzdienstleistungen zu sein. Tatsächlich handelt es sich aber um sado-intellektuellen Unsinn, den sich Leute aus den Finanzdienstleistungen ausheckt haben, um ihre Neueinsteiger zu quälen.

Die Chancen stehen gut, dass wenn ein Uniabsolvent gut genug ist, einen Job zu erlangen, er dann wahrscheinlich auch hell genug ist, das CFA-Examen zu bestehen. Doch wieso sollten diese drei Jahre damit vergeuden, um Ihr Urteil zu bestätigen, dass sie für den Job geeignet sind? Sicher könnten sie die Zeit sinnvoller nutzen.

Doch wieso habe ich mich daran beteiligt? Alles was ich dazu sagen kann ist: Wetten Sie nie mit einem CFA-Charterholder, wenn Sie betrunken sind und der leiseste Verdacht besteht, dass dieser sich am kommenden Morgen an Ihre Prahlereien erinnern kann…

Der Autor arbeitet in der Londoner City und prahlt nie wieder über seine intellektuellen Kompetenzen, wenn er in den Pub geht.

Kommentare (5)

Comments
  1. Ehrlich gesagt ist es fraglich ob sich efinancialcareers mit der Publikation von obigem Schwachsinn einen Gefallen tut. Unreflektierter und schlecht übersetzter Kommentar der einfach überflüssig ist.

  2. Ich kann dem Herrn in seinem Artikel nur zustimmen. Die Frage ist doch letztendlich immer, wieviel Geld (Umsatz/Gewinn) kann jemand machen. Ich als privater Trader kann nur über diese schwachsinnigen MBA, CFA Absolventen lachen und nicht weniger über die ganzen Doktoren und Professoren, die meinen, sie könnten durch Ihre Titel an den Finanzmärkten Geld machen. CNBC ist voll von solchen Nichtsnutzen, die auf wichtig machen und noch nie im Leben eine Performance erstellt haben. Alle wissen sie immer bescheid und glauben alles vorhersagen zu können. Fragt man sie aber, ob sie mit ihrer Schlauheit überhaupt mal nennenswertes Geld verdient haben, kommt als Antwort nur Müll. Und wir kennen doch alle den Spruch:”Die, die reden, wissen nichts. Und die. die wissen, reden nicht” ! Das schlimme ist nur, dass der normale und unbedarfte Anleger auf diese Maulhelden hereinfällt und am Ende Verluste erleidet, weil er glaubt, wenn dort ein MBA oder Professor spricht, dieser auch richtig liegen muss. Ich rate nur jedem: selbst den Kopf einschalten und seiner Intuition auch freien Lauf lassen. Wenn man gewinnt oder verliert, kann man sich selbst loben oder verurteilen, aber nicht über andere ärgern

  3. Der Sinn des hier veröffentlichten Artikels bleibt mir unerschlossen. Aus meiner Sicht ist es eine Ansammlung sinnloser Übertreibungen gegen das CFA Programm. Meine Bitte an die Redaktion: Bitte prüfen Sie vorher einmal den Artikel auf Inhalt und Mehrwert.
    Nun zum Autor: Offensichtlich wägt sich der Autor nach dem Absolvieren des ersten und einfachsten Levels dem Programm klar überlegen. Leider verstößt er bereits schon gegen die Benutzung der “CFA” Abkürzung, welche niemals als Nomen benutzt werden darf – würde er sich mit dem Programm auseinandersetzen, wüsste er das. Das CFA Programm ist ein einspruchsvolles und disziplinübergreifendes Selbststudium, dessen Erfolg und Mehrwert sich danach richtet, was man daraus macht. Das Lehrangebot ist breit und die Prüfungen rigoros. Selbstverständlich benötigt man in seinem Job nie alle vermittelten Inhalte, allerdings ist das wohl bei kaum einem akademischen Programm der Fall. Urteilen Sie nicht über das CFA Programm solange Sie nicht alle 3 Level absolviert haben, Sie lassen sich ja auch nicht von einem Einsteiger ihren Job erklären.

  4. Also so einen undifferenzierten Artikel habe ich schon lange nicht mehr gelesen.

    Ich nehme selber am CFA-Programm teil und kann nur sagen, dass ich mehr als zufrieden bin. Das Programm vermittelt ein breit gefächertes Wissensspektrum im Bereich Finance, wie man es meiner Meinung nach nicht besser aufbereitet finden kann. Die Unterlagen sind extrem gut gemacht und strukturiert, mit vielen praxisnahen Beispielen und Fallstudien.

    Das Programm legt den Fokus auch mehr darauf, dass man ein Verständnis für Zusammenhänge etc. entwickelt und nicht auf “stures Pauken von scheinheiligsten Banalitäten” (was für ein Blödsinn).

    Über die “amerikanische Art und Weise” des Programms kann man ja unterschiedlicher Meinung sein. Ich find es jedenfalls top – klare Ansagen und gleiche Chancen für alle.

    Aber jedem das Seine …

  5. Ich stimme Christian voll zu!!!

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier