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Warum ein Beamten-BWL-Studium für einen Job bei der Bundesbank attraktiv ist!

Inflation bekämpfen und verhindern – so müssten Erich Keller, der Leiter der Fachhochschule der Bundesbank, und seine elf Kollegen ihren Job verstehen. Derzeit machen sie rund 300 Studenten fit für den Dienst bei der Bundesbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). “Seriosität, Verlässlichkeit und Teamfähigkeit sind uns wichtiger. Deshalb bilden wir hier auch keine Experten im Ego-Marketing aus”, sagt Keller in einem Zeitungsinterview.

Zwar auch die kleine im Westerwald gelegene Hochschule bald auf das Bachelor-Programm umgestellt, aber sonst wird in Hachenburg Betriebswirtschaftslehre anders studiert als an den anderen Kaderschmieden.

Drei Vorlesungen am Vormittag sind die Regel, die erste beginnt hochschuluntypisch schon um 7.30 Uhr. Dafür dauert das duale BWL-Studium nur 18 Monate, dazwischen stehen Praxisperioden in den Niederlassungen und in der Zentrale der Bundesbank in Frankfurt.

Die Hochschule ist seit 1980 in einem schmucken Barockschloss untergebracht, das über Hachenburg thront und genug Platz für ein Internat bietet. Rund 350 Euro kosten Vollverpflegung und Miete im Monat, das lässt sich angesichts überschaubarer Ausgaben für Nacht- und Freizeitleben in Hachenburg und dank eines Monatseinkommens von 800 Euro verkraften. Denn die Bundesbank-/Bafin-Studenten sind vom ersten Tag Beamte – zunächst natürlich nur auf Widerruf.

Thomas Fehrmann, einer der Hachenburger Dozenten, bringt diese Besonderheit in seiner volkswirtschaftlichen Vorlesung über Geldmengentheorien und Liquiditätspräferenzen prägnant auf den Punkt. “Wie Sie hier sitzen”, sagt er den 27 Studenten, die sich früh am Morgen versammelt haben, “sind Sie allesamt so gut wie Millionäre.” Die Statistik gibt ihm recht: Nur rund fünf Prozent der Studenten brechen schon im Grundstudium ab, noch einmal knapp fünf Prozent scheitern an den Abschlussklausuren. Alle anderen haben beste Aussichten auf ein lebenslang sicheres Gehalt und eine stabile Pension.

Und eine solide Ausbildung natürlich. Von ihr hat sich Claudia Funke aus dem sächsichen Torgau nach Hachenburg locken lassen. Die 22 Jahre alte Studentin war zuvor bei einer privaten Hochschule in Dresden für internationale BWL eingeschrieben, traute dem Ruf der Bildungsstätte nach anderthalb Jahren aber nicht mehr recht über den Weg. Jetzt gehört sie zur Gruppe der Bafin-Anwärter in Hachenburg – und schwärmt vom Lerneffekt, den die Finanzkrise mit sich gebracht habe. “Ich hatte das Gefühl, wahnsinnig nah dran zu sein”, sagt sie. Dazu habe auch beigetragen, dass Praktiker aus den beiden Behörden bis hinauf zur Vorstandsebene regelmäßig zu Vorträgen oder Lehrveranstaltungen in den Westerwald kommen.

Bundesbank und Bafin garantieren den Absolventen zwar nicht mehr wie in früheren Tagen ihre Übernahme in den gehobenen Dienst. Aber Rektor Erich Keller, der 1982 selbst sein BWL-Diplom in Hachenburg gemacht hat, betont, dass sich in den vergangenen Jahren noch für jeden seiner Schützlinge eine Stelle gefunden hat. “Unsere Absolventen sind knapp, die einzelnen Abteilungen versuchen sie oft schon in den Praxisphasen zu binden”, sagt er.

Michaela Krayer aus Mainz hat diese Prognose die Entscheidung für Hachenburg leichter gemacht. Sie hatte schon eine Ausbildung in der Sparkasse und erste Berufsjahre hinter sich, als sie sich dazu entschloss, das Abitur nachzuholen und studieren zu wollen. Jetzt ist sie mit 30 Jahren eine der ältesten Studentinnen auf dem Schloss, da wirkt die Aussicht auf eine sichere Arbeitsstelle nach dem für März 2011 angepeilten Examen beruhigend. Besonders gut gefallen ihr nun die kleinen Gruppen und der enge Zusammenhalt, den das Internat befördert. “Hier sitzen alle in einem Boot und helfen einander”, sagt sie. “Als ich mir an der Uni Mainz eine VWL-Vorlesung angesehen habe, war der Hörsaal dagegen mit Hunderten Studenten überfüllt.”

In Hachenburg kommen zwar auf jeden Studienplatz rund 25 Bewerber, aber wer die Auswahlprozedur aus einem Englischtest, einer Prüfung des Allgemeinwissens und einem Assessmentcenter erfolgreich übersteht, hat danach auch nur höchstens 30 Kommilitonen gleichzeitig neben sich in der Vorlesung.

Tina Vollrath lernte noch auf dem Gymnasium, als sie auf einer Studienmesse in Leipzig von der Fachhochschule der Bundesbank erfuhr. “Ein Unistudium wäre mir zu lang und theorielastig”, begründet sie ihre Entscheidung. “Das dauert fünf Jahre, und man weiß nicht einmal, ob man danach überhaupt einen Job findet.” Auch sie klagt nicht etwa über die Kasernierung fernab der Großstadt, sondern lobt den Teamgeist, der sich aus dem Internatsleben entwickele. “Ich habe schon im Zug hierher meine ersten Kommilitonen kennengelernt, sie sind noch heute meine besten Freunde hier”, sagt die Neunzehnjährige.

Doch bei allem Lob der Studenten: Lohnt sich die eigene Fachhochschule für Bundesbank und Bafin überhaupt? Das aufwendig renovierte Schloss mit Kronleuchtern und Parkettböden, der durchgehende Kantinenbetrieb auch am Wochenende, Einzel- und Doppelzimmer mit 200 Betten, dazu das Ausbildungsgehalt für die studierenden Beamten – all das kostet viel Geld.

Erich Keller ist sich seiner Sache trotzdem sicher. Instand gehalten werden müsse das unter Denkmalschutz stehende Gebäude ohnehin, und für die beiden Behörden mit ihren zusammen fast 12.000 Beschäftigten sei diese Art der Nachwuchsgewinnung eine günstige Angelegenheit. Die Logik dahinter: Im Vergleich mit Privatbanken ist die Bezahlung im öffentlichen Dienst zwar sicher, aber niedrig – und wer erst einmal an spektakulären Boni geschnuppert hat, lässt sich nur noch schwer für die Beamtenkarriere gewinnen. Deshalb gilt es, Talente einzukaufen, solange sie preiswert zu haben sind.

Danach wirkt die Rückzahlungsverpflichtung: Wer den Behörden innerhalb der ersten fünf Jahre nach dem Examen den Rücken kehrt, muss bis zu 30.000 Euro Ausbildungskosten erstatten. Die Konsequenz: “80 Prozent unserer Absolventen sind auch zehn Jahre nach ihrem Examen noch bei der Bundesbank.”

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