Wieso die Bonusträume bei der Deutschen Bank platzen werden

eFC logo
Bonustraueme-GettyImages-157418142.jpg

Es passiert wieder. Wer an die Bonuszusicherungen von Deutsche Bank-Chef Christian Sewing und Finanzvorstand James von Moltke geglaubt hat, muss sich jetzt als unverbesserlicher Optimist vorkommen. Von Insidern will die Financial Times erfahren haben, dass die Boni für 2018 „signifikant niedriger“ als 2017 ausfallen werden. In einigen Sektoren würden sie um 15 bis 20 Prozent fallen.

Für Branchenbeobachter stellt dies keine große Überraschung dar. Denn auch ohne die Ergebnisse des vierten Quartals zu kennen, waren Probleme absehbar, wie die untenstehenden Charts belegen.

Denn Sewing und von Moltke müssen das Kostenziel von 23 Mrd. Euro für 2018 auf jeden Fall einhalten. Schließlich hatte der vorherige Konzernchef John Cryan seinen Posten räumen müssen, weil er die Kostenziele für 2017 verfehlt hatte.

Wie der erste Chart zeigt, sind die Aufwendungen in den ersten drei Quartalen sogar von 17,7 auf 17,8 Mrd. Euro gestiegen. Dies bedeutet, dass die Deutsche Bank im Schlussquartal lediglich 5,2 Mrd. Euro ausgeben kann. 2017 hatte die Bank indes fast 7 Mrd. Euro auf dem Tisch geblättert.

In den letzten drei Monaten 2018 müssen Sewing und Moltke also die Kosten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund ein Viertel senken.

Dies dürfte vor allem im bonusverwöhnten Corporate & Investment Banking für Unmut sorgen. Denn in den zurückliegenden Jahren wurden große Teile der Boni bei der Deutschen Bank erst im vierten Quartal verbucht.

So hatte das Corporate & Investment Banking seine Personalkosten im vierten Quartal 2016 um fast 40 Prozent auf 1,3 Mrd. Euro gegenüber 2016 gesteigert, als der Konzern die Boni zusammengestrichen hatte. Von den Zusatzausgaben von 366 Mio. Euro dürften somit ein Großteil in die 2017 wieder aufgenommenen Bonuszahlungen geflossen seien.

Wenn Sewing und von Moltke die Kosten im vierten Quartal um rund ein Viertel senken müssen, dürfte daher um den Bonuspool des Corporate & Investment Bankings kein Weg vorbeiführen. Wer vor diesem Hintergrund erwartet, die Deutsche Bank werde ähnlich großzügige Boni wie für 2017 gewähren, ist schon ein wenig weltfremd.

Doch es gibt auch gute Neuigkeiten. Da die Zahl der Beschäftigten im Front Office Ende September um etwa 5 Prozent niedriger als im Vorjahr lag, kann der verbleibende Bonuspool auf weniger Mitarbeiter verteilt werden. Außerdem haben Sewing und von Moltke versichert, Teile der Bonuszahlungen bereits in den ersten drei Quartalen verbucht zu haben. Um welche Summen es sich dabei handelt, dürfte bei der Bekanntgabe der Geschäftszahlen am 1. Februar deutlicher werden.

Allerdings fiel die Gesamtzahl der Mitarbeiter im Corporate & Investment Banking Ende September nur wenig geringer als im Vorjahr aus. Wenn Sewing und von Moltke die Kosten der Sparte um wenigstens 5 Prozent auf 4,1 Mrd. Euro senken würden, dürfte sich die Bonusbonanza aus dem vergangenen Jahr kaum wiederholen. Damit dürften vielen Mitarbeitern ähnlich schlechte Nachrichten wie 2016 bevorstehen.

Ähnliche Artikel

Close