GASTBEITRAG: Warten Sie nicht auf die Zeit nach dem Banking um zu leben

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In diesem Jahr habe ich mich von meiner Karriere im Banking verabschiedet. Nach 22 Jahren in den Finanzdienstleistungen gönne ich mir eine Auszeit, mache Inventur und arbeite an meinen persönlichen Projekten.

Obgleich ich nicht mehr in den Finanzdienstleistungen beschäftigt bin, arbeite ich härter denn je. In den vergangenen fünf Monaten habe ich zwei Gemälde beendet und Ausstellungen in Europa und den Vereinigten Staaten durchgeführt. Das war phänomenal. Ich bin für meinen nächsten Lebensabschnitt gerüstet. Weiter bin ich bereit, ins Private Equity zu gehen, sobald sich eine Chance bietet.

Ich denke, ich habe Glück gehabt. Viel zu viele Leute verabschieden sich von den Finanzdienstleistungen, ohne eine Vorstellung zu haben, was danach kommt. Finance kann schon eine sehr lukrative, aber auch eine alles einnehmende Karriere darstellen. Wenn Sie erst einmal draußen sind, entdecken Sie, was Sie wirklich machen wollen.

Was mich betrifft: Mein Finanzjob – in M&A – stellte niemals meine Leidenschaft dar. Vielmehr wollte ich immer in Private Equity oder vielleicht bei einem Hedgefonds arbeiten.

Doch ein Finanzjob bringt nun einmal die Arbeit in Silos mit sich - besonders in London. Je länger Sie in einer bestimmten Rolle arbeiten und je besser Sie darin sind, desto schwerer fällt es Ihnen weiterzukommen. Als Analyst oder Associate habe ich das M&A-Geschäft nicht verlassen; vielmehr habe ich mich weiter als Berater nach oben gearbeitet. In meinem Sektor war ich sehr bekannt, was meine Karriere bestimmt hat.

Doch während meiner Arbeit in M&A habe ich niemals das Malen aufgegeben. Ich bin eine kreative Persönlichkeit. Obwohl ich in Finance gearbeitet habe, habe ich all meine Hobbies so weitergeführt, dass sie sich schnell in eine Vollzeitbeschäftigung verwandeln lassen. Beispielsweise habe ich nach meiner Arbeit am Abend eine Stunde gemalt, anstatt mich vors Fernsehen zu setzen oder mich irgendwie anders zu entspannen.

Ich war wild entschlossen. Jeder kann irgendetwas beginnen, aber nicht jeder kann es auch abschließen. Meine Gemälde sind großformatig und erfordern viel Arbeit. Für das erste benötigte ich drei Jahre. Wenn man in Finance arbeitet, vernachlässigt man rasch solche Dinge. Mein Ansatz blieb aber immer: So sieht jetzt mein Leben aus, aber jenes sind die Dinge, die ich gerne machen würde. Wenn Sie eine Chance bekommen wollen kreativ zu sein, dann müssen Sie sich selbst dazu durchringen.

Aus diesem Grund habe ich auch das Potenzial, mit meinen Hobbies Geld zu verdienen. Mittlerweile interessieren sich sogar die Kunsthändler für mich. Wenn ich erfolgreich bin, dann kann ich weitaus mehr verdienen als es mir jemals im Banking möglich war.

Ich betreibe dies offenen Auges. Mir ist bewusst, dass es einem Lottogewinn gleicht, ein erfolgreicher Künstler zu werden und dass dies sowohl harte Arbeit als auch Glück verlangt. Im Notfall würde ich auch wieder in Finance arbeiten – allerdings nur auf der Buy-Side. In jedem Fall bin ich mit dem M&A-Geschäft durch. Da ich während meiner Arbeit in M&A meine übrigen Interessen nicht vernachlässig habe, stehen mir jetzt verschiedene Wege offen. Achten Sie darauf, dass Ihre abgeschottete Finanzkarriere nicht Ihr Leben übernimmt.

Bei David Falkenberg handelt es sich um das Pseudonym eines Senior Bankers, der sich eine Auszeit gönnt.

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