Von A bis Z: Die aktuellen Brexit-Pläne der Banken für Frankfurt

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Von A bis Z: Die aktuellen Brexit-Pläne der Banken für Frankfurt

Foto: Getty Images

Der Countdown läuft. Obgleich der englische Premier Boris Johnson auf jeden Fall in zwei Wochen aus der EU aussteigen will, gibt es immer noch kein Abkommen. Doch sobald der Austritt erst einmal erfolgt sein wird, dann dürfte in den Banker-Exodus von London nach Frankfurt noch einmal richtig Bewegung kommen.

Denn bislang haben die Banken nur die regulatorischen Anforderungen erfüllt, die für den Erhalt einer Banklizenz und den reibungslosen Ablauf am Tag 1 des Brexits erforderlich sind, das sogenannte „Day 1-Szenario”. Dagegen hat sich bei den Front Office-Jobs bislang wenig getan, denn diese Aufgaben müssen erst in der restlichen EU angesiedelt werden, wenn das Geschäftsvolumen hierzulande tatsächlich steigt, das sogenannte „Day 2-Szenario”.

Falls Großbritannien doch noch zum 1. November aus der EU austreten sollte, könnte der Tag 2 schneller eintreten als bislang befürchtet. Wir haben zusammengestellt, wie weit die Auslandsbanken bei ihren Brexit-Vorbereitungen sind. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Frankfurt.

Wie weit ist die Bank of America mit ihren Brexit-Vorbereitungen?

Anders als die vier übrigen großen US-Investmentbanken hat sich die Bank of America nicht für Frankfurt, sondern Paris als ihren neuen EU-Hub entschieden. Dennoch profitiert offenbar auch der deutsche Standort von den Brexit-Vorbereitungen. Laut einem Insider wurde die Beschäftigung jedenfalls von 80 auf 150 Mitarbeiter fast verdoppelt.

Wie weit ist Barclays mit ihren Brexit-Vorbereitungen?

Eigentlich wollte sich Barclays nicht am Auszug der Londoner Banker nach Frankfurt beteiligen. Wenn schon neue Jobs geschaffen werden müssten, dann in Irland, wo die britische Großbank anders als in Frankfurt eine Banklizenz besitzt. Dennoch sind auch hierzulande in der jüngsten Vergangenheit einige Front Office-Jobs hinzugekommen.

WIe weit ist Citi(group) mit ihren Brexit-Vorbereitungen?

Vor rund zwei Jahren hat Citi angekündigt, im Zuge des Brexits 150 bis 250 Stellen in Frankfurt zu schaffen, wovon der Hauptteil auf Sales and Trading von Aktien und Aktienderivaten entfallen soll. Platz ist vorhanden, denn laut Insidern besitzt die US-Bank an der Frankfurter Welle bereits einen Handelssaal, der in der Vergangenheit nur zu einem Drittel belegt war.

Unterdessen haben die Amerikaner ihre Konzernstruktur umgebaut. In der Citigroup Global Markets Europe AG wird das Sales and Trading-Geschäft in Europa gebündelt. Dagegen wird das übrige Corporate Banking in einer Tochtergesellschaft in Irland angesiedelt, wo der Konzern ebenfalls eine Banklizenz besitzt. Beides bedeutet jedoch nicht, dass die von der Umstrukturierung betroffenen Mitarbeiter umziehen müssen.

Wie weit ist die Credit Suisse mit ihren Brexit-Vorbereitungen?

Die Schweizer Großbank hält sich mit ihren Brexitplänen bedeckt. Laut Medienberichten will die Credit Suisse aber in einem ersten Schritt bis zu 250 ihrer Stellen in der britischen Hauptstadt nach Kontinentaleuropa verlagern – vor allem nach Madrid und Frankfurt.

Wie weit ist Daiwa mit ihren Brexit-Vorbereitungen?

Wie die meisten anderen japanischen Banken hat sich Daiwa bereits vor zwei Jahren für Frankfurt als ihren neuen EU-Sitz entschieden. „Dieses Arrangement wird sicherstellen, dass Daiwa seine Dienstleistungen auch weiterhin in der EU bereitstellen kann, wenn Großbritannien die EU verlässt“, hieß es seinerzeit von Daiwa. Im August 2018 hat die Daiwa Capital Markets Deutschland GmbH eine Banklizenz erhalten. Daneben betreiben die Japaner hierzulande lediglich die Daiwa Advisory GmbH mit gut 30 Mitarbeitern. Künftig dürfte auch das Euro-Clearing nach Frankfurt kommen.

Wie weit ist Goldman Sachs mit ihren Brexit-Vorbereitungen?

Beim Brexit gilt Goldman Sachs als Vorreiter. So haben die Amerikaner mit der „Goldman Sachs Europe SE“ eine neue Konzerngesellschaft in Frankfurt gegründet, in der künftig das Sales and Trading in Kontinentaleuropa gebündelt werden soll. Das Geschäft und die Banklizenz der alten Goldman Sachs AG wurde auf diese Gesellschaft übertragen. Auch der Umzug vom Messeturm in ihr neues Domizil in den oberen Etagen des Marienturms ist mittlerweile abgeschlossen. Dort hat Goldman Sachs immerhin 10.000 Quadratmeter angemietet.

Die Zahl der Mitarbeiter wurde auf 300 aufgestockt, wobei nach eigenen Angaben noch „Platz für die doppelte Anzahl von Mitarbeitern” bestehe. Zur Vorbereitung des Brexits seien vor allem Jobs in Legal, Compliance, Risikomanagement und Operations hinzugekommen. „Darüber hinaus sind Kollegen umgezogen, die sich aus London vornehmlich um deutsche Kunden gekümmert haben”, hieß es von Goldman Sachs.

Wie weit ist Jefferies mit ihren Brexit-Vorbereitungen?

Die kleinere US-Investmentbank hat mittlerweile eine Tochtergesellschaft in Frankfurt gegründet und sich im Januar eine deutsche Wertpapierhandelslizenz zugelegt.

Wie weit ist JP Morgan mit ihren Brexit-Vorbereitungen?

Bereits vor einem Jahr hat JP Morgan-Europachef Daniel Pinto angekündigt, infolge des Brexits einige hundert Jobs von London in die Eurozone zu verlagern. „Wir nutzen drei Banken, die wir bereits in Kontinentaleuropa besitzen als Anker für unsere Tätigkeiten“, sagte Pinto. „Wir müssen kurzfristig hunderte von Jobs verlagern, um vom ersten Tag an einsatzbereit zu sein, wenn die Verhandlungen abgeschlossen sein werden und dann schauen wir uns die langfristige Personalplanung an.“

Da JP Morgan wie die meisten US-Banken in Frankfurt eine Banklizenz besitzt, sahen viele Beobachter die Stadt lange in der Poleposition. 2018 wurde allerdings bekannt, dass die Bank rund 200 Jobs nach Paris verlagern möchte.

Wie weit ist Nomura mit ihren Brexit-Vorbereitungen?

Als eine der ersten Brexitbanken hat Nomura im Juni 2018 eine Trading-Lizenz von der deutschen Finanzaufsicht erhalten. Damit wird der Standort Frankfurt zur Wertpapierhandelsplattform in Kontinentaleuropa ausgebaut. „Wir gehen davon aus, dass ein kleiner Teil der Angestellten – weniger als 100 – von London nach Frankfurt ziehen“, sagte eine Nomura-Sprecherin im vergangenen Jahr. Ein Teil der Stellen werde vor Ort besetzt, hieß es damals.

Wie weit ist Mizuho mit ihren Brexit-Vorbereitungen?

Die japanische Großbank Mizuho hat sich ebenfalls für Frankfurt entschieden. Ihre Tochtergesellschaft Mizuho Securities Europe GmbH hat Ende vergangenen Jahres eine Banklizenz erhalten. Ende März 2018 beschäftigte Mizuho in Deutschland 103 Mitarbeiter – neuere Zahlen liegen leider noch nicht vor.

Wie weit ist Morgan Stanley mit ihren Brexit-Vorbereitungen?

Ähnlich wie Goldman Sachs hat sich auch Morgan Stanley für Frankfurt entschieden und will hierzulande ihre Beschäftigung auf 400 Mitarbeiter verdoppeln. Nach dem Brexit soll von hier aus Sales and Trading für die Eurozone erfolgen. Die US-Investmentbank hat bereits Einstellungen im Bereich Middle und Back Office vorgenommen. Die Morgan Stanley AG verfügt wie Goldman Sachs, JP Morgan und Citi über eine Banklizenz in Deutschland.

Wie weit ist Standard Chartered mit ihren Brexit-Vorbereitungen?

Die britische Großbank Standard Chartered hat mittlerweile eine neue Tochtergesellschaft in Frankfurt gegründet und eine deutsche Banklizenz erhalten. Nach dem ersten Geschäftsbericht für 2018 will Standard Chartered in der Gesellschaft 260 Mitarbeiter beschäftigen.

„Wir sind mit den Brexit-Vorbereitungen durch. Derzeit beschäftigen wir rund 230 Mitarbeiter“, erzählt Standard Chartered (Europa)-Chef Heinz Hilger. In Frankfurt sei die Beschäftigung von 100 auf 200 Mitarbeiter verdoppelt worden. Hinzu kämen noch ca. 35 Mitarbeiter in Paris und Skandinavien. „Das stellt aber auch etwa eine Verdoppelung dar“, ergänzt Hilger. 

Wie weit ist Sumitomo mit ihren Brexit-Vorbereitungen?

Die japanische Bank SMBC hat sich ebenfalls für Frankfurt entschieden und kommt mit dem Aufbau ihres EU-Hubs gut voran. Ende März beschäftigte Sumitomo bereits 24 Mitarbeiter in Frankfurt und 12 in Mailand. Auch die Konzernniederlassungen in Amsterdam, Prag, Madrid und Dublin wurden in die Frankfurter Gesellschaft integriert. Zwischenzeitlich sind bei SMBC Anlaufverluste von fast 20 Mio. Euro entstanden.

Wie weit ist die UBS mit ihren Brexit-Vorbereitungen?

Die UBS will bis zu 200 Jobs von London nach Frankfurt verlagern. Die Mehrheit davon dürfte allerdings auf Middle und Back Office-Jobs für die erforderliche Infrastruktur entfallen. Denn die Bank will die Front Office-Positionen über verschieden EU-Standorte verteilen. Von den fast 1900 Mitarbeitern der UBS Europe SE waren allerdings Ende 2018 lediglich 43 im Investment Banking beschäftigt und 1066 im Wealth Management. Obgleich der Ausbau des Middle und Back Office mittlerweile erfolgt ist, scheint sich im Front Office bislang wenig getan zu haben.

Wie weit ist VTB mit ihren Brexit-Vorbereitungen?

Die russische Bank hat ihr Europageschäft in Frankfurt gebündelt. Obgleich die VTB nicht aus London, sondern aus Wien kommt, hat der Brexit bei der Entscheidung zugunsten von Mainhattan eine Rolle gespielt. Die VTB hat schon vor einiger Zeit Trader angeheuert und beschäftigt mittlerweile an den Standorten Frankfurt und Wien 214 Mitarbeiter, die übrigens durchschnittlich etwa 151.500 Euro verdienen, wie aus dem Geschäftsbericht für 2018 hervorgeht. Eine deutsche Banklizenz ist ebenfalls vorhanden. 

Wie weit ist Woori mit ihren Brexit-Vorbereitungen?

Auch die südkoreanische Großbank Woori hat sich für Frankfurt als Europasitz entschieden und im vergangenen Jahr eine deutsche Banklizenz erworben. Laut dem Geschäftsbericht beschäftigte Woori Ende 2018 bereits 14 Mitarbeiter.

Falls Sie eine vertrauliche Nachricht, einen Aufreger oder einen Kommentar loswerden wollen, zögern Sie nicht! Schreiben Sie einfach an Florian Hamann. fhamann@efinancialcareers.com.

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