Die Sommerpraktikanten stehen vor der Tür: „Ich erwarte, von 9 Uhr morgens bis 2 Uhr nachts zu arbeiten“

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Banking interns pay and working hours

Angeblich legt die sogenannten „Generation Z“ immensen Wert auf flexible Arbeitszeiten und Work-Life-Balance. Doch irgendjemand scheint vergessen zu haben, dies den neuen Sommerpraktikanten mittzuteilen. Diese erwarten harte Arbeit.

„Ich bin bereit, lange zu arbeiten“, erzählt ein angehender Summer Analyst, der in der Investment Banking Division von Morgan Stanley anfängt. „Es wird wahrscheinlich bis Mitternacht dauern, vielleicht sogar bis 1 oder 2 Uhr nachts.“ Ein anderer angehender Praktikant von Rothschild ist noch ehrgeiziger. „Ich erwarte, von 9 Uhr morgens bis 2 Uhr nachts zu arbeiten“, versichert er. „Es handelt sich nicht um durchgehende Arbeit und man bekommt etwas Auszeit. Mir wurde erzählt, dass die eigentliche Arbeit ohnehin erst in den späteren Stunden beginnt.“

Allen angehenden Praktikanten mussten wir Anonymität zusagen, damit sie sich offen äußern. Die Arbeitsverträge mit den Banken untersagen regelmäßig den Kontakt zu Medien. Seit Moritz Erhardt 2013 während seines Praktikums in der Investment Banking Division der Bank of America in London verstarb, sind die langen Arbeitszeiten der Praktikanten ein heißes Eisen. Der junge Deutsche hatte mehrere Nächte durchgearbeitet, erlitt einen Epilepsieanfall, bei dem er in seiner Dusche ertrank.

Seither versuchen viele, wenn auch nicht alle Banken, die Arbeitszeiten ihrer Praktikanten zu begrenzen. Goldman Sachs hat beispielsweise 2015 eine Vorschrift erlassen, wonach Praktikanten die Arbeit zwischen Mitternacht und 7 Uhr morgens untersagt wird. Diese gilt noch heute. Bei der Bank of America sollen Praktikanten sogar weder von Mitternacht bis 9 Uhr noch an den Wochenenden arbeiten.

Andere Banken verzichten auf derart explizite Vorschriften. JP Morgan verlangt von ihren Praktikanten beispielsweise, ebenso lang wie die übrigen Angestellten zu arbeiten, die allerdings jeden Monat zumindest ein volles Wochenende frei haben sollen. Darüber hinaus werden die Arbeitszeiten der Praktikanten von der Personalabteilung überwacht. Bei Morgan Stanley soll es sogar keinerlei Restriktionen geben, obgleich dort ebenfalls die Arbeitszeiten der Praktikanten überwacht werden.

Am längsten sind die Arbeitszeiten traditionell in der Investment Banking Division. Im Vergleich dazu sind die Praktikanten in den übrigen Bereichen weniger von sommerlichem Schlafentzug bedroht. So rechnet eine Praktikantin, die in Operations von Goldman Sachs anfängt, nur mit einer Arbeitszeit von 9 bis 19 Uhr. Ein anderer Praktikant im Trading geht von einer Norm von 6.30 bis 18 Uhr aus.

Keiner der angehenden Praktikanten, mit denen wir gesprochen haben, sieht sich zu 10- bis 17-Stundentagen gezwungen. Alle sind freiwillig dazu bereit. „Das ist einfach die Teamkultur“, meint der Rothschild-Praktikant. „Das gehört dazu.“ Ein Praktikant von JP Morgan berichtet sogar, er habe unterschreiben müssen, mehr als 48 Stunden arbeiten zu wollen (entsprechend der europäischen Arbeitszeitdirektive). Da im Investment Banking auf jede Praktikantenstelle rund 100 Bewerber kommen, führt kein Weg an der Unterzeichnung des Dokuments vorbei.

Für ihren Einsatz werden die Praktikanten allerdings auch fürstlich bezahlt. In diesem Jahr entspricht die Vergütung für die zehn- bis zwölfwöchigen Praktika in London etwa 50.000 Pfund (57.000 Euro) plus einem Antrittsbonus von 1000 Pfund (1140 Euro). Dies stellt ein Plus gegenüber dem Vorjahr dar, als es angeblich noch 48.000 Pfund (knapp 55.000 Euro) waren.

Dennoch sind Praktikanten gut beraten, auf ihre Gesundheit zu achten. 2016 musste Goldman Sachs in Frankfurt um 2.30 Uhr morgens einen Krankenwagen rufen, als ein junger Banker – aber kein Praktikant – kollabiert war. Obwohl er sich unwohl fühlte, kam er zur Arbeit, weil er an einem dringenden Deal arbeitete.

In diesem Sommer werden voraussichtlich nur wenige Praktikanten die Gelegenheit bekommen, an richtigen Deals mitzuarbeiten. Dennoch geht es bei den Praktika um viel. Denn gerade die Sommerpraktika dienen den Banken dazu, Berufseinsteiger für das Folgejahr zu finden, was besonders in London und bei angelsächsischen Banken der Fall ist. Entsprechend heiß fällt der Konkurrenzkampf aus. Die meisten deutschen Berufseinsteiger im Investmentbanking bringen jedoch drei, vier oder noch mehr Praktika mit, weshalb einzelne Praktika weniger entscheidend sind. Dennoch bekommen auch hier die Absolventen die besten Jobs, die neben einem tadellosen Studium die besten Praktika mitbringen.

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