Die brutalsten Jobs im Banking: Die Ergebnisse unserer Umfrage

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How long do bankers sleep

Wer in den Finanzdienstleistungen arbeitet und gut erholt bleiben möchte, sollte um die Sell-Side (das Investment Banking) eine Kurve machen. Besonders lang fallen die Arbeitszeiten in M&A, Equity Capital Markets und Debt Capital Markets aus. Auch um Singapur und Goldman Sachs sollten Sie einen Bogen machen. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls unsere globale Umfrage zu den Schlafgewohnheiten in der Finanzbranche mit etwa 2200 Teilnehmern. Mit rund 60 Prozent gaben die meisten an, recht erschöpft zu sein. Konkret:

Die erschöpftesten Finanzprofis arbeiten in der Investment Banking Division, die erholtesten in der IT

Die Investment Banking Division ist für ihre Endlosarbeitszeiten berüchtigt. 80 bis 100 Stunden die Woche sind hier oft die Regel. Dies gilt von Frankfurt über London und New York bis Australien. Betroffene klagen über „Sweatshops“, falsche Karriereentscheidungen und wie sie ihr Leben „ruiniert“ hätten. Ein Mitzwanziger berichtet, er schlafe wochentags nur vier Stunden und versuche seine Schlafdefizite am Wochenende aufzuholen. Laut einem New Yorker Investmentbanker sind gar nicht die langen Arbeitszeiten das Problem, sondern die Arbeitsintensität und die mangelnde Vorhersehbarkeit. „Jahrein, jahraus, von Woche zu Woche … die nächste plötzliche Nachtschicht ist immer nur eine E-Mail oder Pressemitteilung entfernt.“

22 Prozent der Teilnehmer aus der Investment Banking Division gaben an, weniger als fünf Stunden Schlaf pro Nacht zu bekommen. Darin lag sicher auch der Grund, wieso jeder Fünfte angab, sich ausgelaugt und erschöpft zu fühlen. Weitere 47 Prozent gaben an, müde zu sein. Zum Vergleich: Nur 5 Prozent der IT-Profis gaben an, weniger als fünf Stunden Schlaf pro Nacht zu bekommen und nur 11 Prozent sahen sich am Rande des Zusammenbruchs.

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass die Anstrengungen der Investmentbanken, die Arbeitsbelastung ihrer Mitarbeiter zu reduzieren, nicht wirklich erfolgreich gewesen sind. Viele Investmentbanken versuchen ihren Mitarbeitern Ruhezeiten am Wochenende vorzuschreiben, wovon allerdings die jüngeren Mitarbeiter nur bedingt profitieren. So würden die freien Wochenenden oftmals nicht wirklich durchgesetzt oder ein freier Samstag führe lediglich zu längeren Arbeitszeiten an Donners-, Frei- und Sonntagen.

Umgekehrt haben es IT-Profis in der Finanzbranche auch nicht leicht. Immerhin 55 Prozent der IT-Profis gaben ebenfalls an, müde oder erschöpft zu sein, obwohl niemand angab, kurz vor einem Zusammenbruch zu stehen. Ein IT-Mitarbeiter der Bank of America Merrill Lynch sieht in den nächtlichen Telefonkonferenzen mit anderen Zeitzonen das Hauptproblem.

Die eigentliche Überraschung unserer Umfrage stellen die kombinierten Ergebnisse aus den Bereichen Risikomanagement, Compliance und Finance dar, den sogenannten „Kontrollfunktionen“. Dort gaben 18 Prozent der Teilnehmer an, weniger als fünf Stunden Schlaf in der Nacht zu erhalten und ähnlich viele fühlen sich ausgelaugt oder erschöpft. Einige klagen über Stress, andere über die geringe Bezahlung. Da in den Kontrollfunktionen deutlich weniger als im Investment Banking verdient wird, müssen die Betroffenen weiter entfernt von ihrem Arbeitsplatz wohnen, was längere Wege zur Arbeit und weniger Zeit im Bett bedeutet.

Dagegen scheinen Jobs in Sales and Trading einen guten Kompromiss zwischen Arbeitszeiten und Bezahlung darzustellen. Doch auch hier gibt es Probleme: Mitarbeiter aus Sales and Trading gehen früh zu Bett (die Hälfte vor 22 Uhr) und stehen früh auf (die Hälfte vor 6 Uhr). Obgleich laut einem Betroffenen die Arbeitszeiten in Sales and Trading „humaner“ ausfallen, hat ein anderer Betroffener von Goldman Sachs das Problem, „an- und abzuschalten“. „Wenn man von 7 bis 20 oder 21 Uhr in Sales and Trading arbeitet“ und über die nächtlichen Nachrichten auf dem Laufenden bleiben müsse, dann befände man sich über mindestens 14 bis 15 Stunden am Tag in einem „ständigen Arbeitsrhythmus“, ohne dass darin Frühstück oder Mittagessen enthalten wären.

Laut einem Trader Ende 20 hätten es junge Mitarbeiter im Geschäft mit strukturierten und exotischen Wertpapieren am schwersten. Sie müssten früh anfangen und lange bleiben, um die Risiken zu prüfen. „Von Ihnen wird erwartet, sämtliche relevante Analysen zu lesen, um immer auf dem Laufenden zu sein. Das ist schon eine anstrengende Position“, erzählt er.

Ein anderer Trader der Bank of America bezweifelt, dass die Mitarbeiter der Investment Banking Division am härtesten arbeiten und den wenigsten Schlaf erhalten. „In ‚Markets‘ arbeite ich 13 Stunden am Tag“, sagt er. „Auch wenn einige glauben, dass meine Kollegen im Investment Banking mehr arbeiten, bin ich nicht der Meinung. Ich arbeite den gesamten Tag intensiv; ich verlasse meinen Arbeitsplatz kaum zum Mittagessen. Unterdessen sehe ich, wie meine Kollegen aus dem Investment Banking um 10 Uhr eintrudeln, nur um den Tag mit dem Besuch des Fitnessstudios zu beginnen. Rund zwei Stunden später sehe ich, wie sie mit ihren Kollegen für eine Stunde zum Mittagessen gehen.“

Der gleiche Trader wirft seinen Investment Banking-Kollegen Hedonismus vor. „Am Wochenende schlafe ich, betreibe Sport und achte auf mich, während diese Investment Banking-Kids in schicke Clubs gehen und viel zu viel Alkohol trinken. Wenn ich das machen würde, dann würde ich am Montagmorgen an meinem Arbeitsplatz einschlafen. ‚Markets‘ ist voller intelligenter Leute, die ihren Job lieben und nur weil wir nicht darüber reden, heißt das noch lange nicht, wir würden nicht hart arbeiten. Wir sind die wahren Kämpfer. Darüber sollten Sie einmal nachdenken.“

Hedgefonds-Mitarbeiter bekommen kaum Schlaf, kommen damit aber zurecht

Keine Frage, Erschöpfung hängt nicht allein von der Zeit ab, die man im Bett verbringt, sondern auch von der Durchhaltekraft. In dieser Disziplin scheinen Hedgefondsprofis die Oberhand zu behalten. Obgleich jeder Dritte von ihnen angab, weniger als fünf Stunden Schlaf zu erhalten, meinten nur 11 Prozent, sie seien erschöpft oder ausgelaugt. Zum Vergleich: 15 Prozent der Private Equity-Mitarbeiter gaben an, weniger als fünf Stunden Schlaf zu bekommen, aber jeder Zehnte hält sich für erschöpft oder ausgelaugt. Ist Private Equity etwas für Warmduscher, während die wirklich harten Kerle bei Hedgefonds arbeiten?

Wer mit 20 jammert, sollte sich vor seinem 30. Und 40. Geburtstags fürchten

Viele glauben, eine Karriere in den Finanzdienstleistungen werde im Verlauf der Jahre weniger stressig. Doch dem widersprechen die Ergebnisse unserer Erhebung. Denn Banker über 40 haben ein ähnlich hohes Risiko weniger als fünf oder sechs Stunden Schlaf zu bekommen wie Banker Mitte 20. Die Erschöpfung scheint zwischen dem 30. und 35. Geburtstag sowie jenseits des 40. ihren Höhepunkt zu erreichen. Dies scheint u.a. mit der Gründung der eigenen Familie zusammenzuhängen. „Ich musste kürzlich feststellen, dass Elternschaft noch erschöpfender ist als Banking“, erzählt ein Teilnehmer.

Im Grund scheinen vor allem Vice Presidents und Managing Directors müde zu sein. Ein ehemaliger Banker klagte über die hohe Arbeitsbelastung, absurde Erwartungen und dysfunktionales Geschäftsmodell, „was nicht besser wird, wenn Sie die Karriereleiter emporklettern.“

Den Europäern geht es besser als den Asiaten

Dennoch gibt es eine gute Nachricht. Von den kontinentaleuropäischen Umfrageteilnehmern bezeichneten sich lediglich 14,4 Prozent als erschöpft und ausgelaugt. Nur noch in New York wird ein ähnlich guter Wert erreicht. Dagegen liegt dieser Wert in Singapur bei 19,7 Prozent. Während sich in Europa jeder zweite erholt fühlt, sind es in Hongkong es lediglich 37 Prozent.

Die erschöpftesten und ausgelaugtesten Mitarbeiter hat Goldman Sachs, die entspanntesten die UBS

Schließlich förderte die Umfrage interessante Unterschiede zwischen den einzelnen Banken zutage. Demnach sind viele Goldmänner sehr müde. Bei JP Morgan und der UBS sind es weniger.

Dennoch gaben 39 Prozent der Teilnehmer von Goldman Sachs an, angemessen oder gut erholt zu sein. Manche Goldmänner legten sogar wert darauf, dass die Arbeit bei der US-Investmentbank gar nicht so schlecht sei. Einer hält die Erzählungen von den langen Arbeitszeiten für übertrieben. Ein anderer sagte, es lohne sich. „Die harte Arbeit ist schon anstrengend, aber die Vorteile überwiegen. Ihr Arbeitsalltag ist wie eine Schuld, die Sie abbezahlen müssen und Ihr Feierabend und die Wochenenden sind Ihr Kapital. Wer erfolgreich sein will, muss das meiste aus seinen Investmentchancen herausholen.“

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