Mission Impossible: Besetzung vieler Brexitjobs in Frankfurt dürfte sich als illusorisch erweisen

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Brexit

Bei vielen Profilen müssen Frankfurter Headhunter schon heute passen.

Die Frankfurt-Lobbyisten reiben sich vergnügt die Hände. Etwa 10.000 neue Stellen soll der Brexit bringen. Wo allerdings die Leute für diese Stellen herkommen sollen, ist so manchem Frankfurter Personalberater ein Rätsel. Denn ein Großteil der Stellen dürfte auf Risikomanagement- und Compliance-Profile entfallen, bei denen schon seit Jahren eine hartnäckige Dürre herrscht.

Experten für operationelle Risiken sind schon heute kaum noch zu bekommen

„Derzeit werden besonders Profile für Operational Risk nachgefragt“, erzählt Headhunter Patrick Riske von Fricke Finance & Legal in Frankfurt. Für die Aufstellungen neuer Teams in Frankfurt müssten die Brexitbanken sicherstellen, dass z.B. IT-Infrastruktur, Reportingsysteme und Prozessabläufe die zusätzlichen Tätigkeiten unterstützen. Dazu benötigen sie Spezialisten für Operationelle Risiken. „Das Thema Operationelle Risiken ist ein noch jüngerer Bereich als die Compliance“, erzählt Riske. Daher gebe es hier besonders wenige Kandidaten, die bereits Erfahrungen aus einer Bank mitbringen. Zwar gehe es um eher geringe Mitarbeiterzahlen, zwischen Angebot und Nachfrage klaffe allerdings eine umso größere Lücke als bei den anderen Risikogattungen oder in der Compliance.

Problem bei Market Risk-Experten noch nicht virulent

Vergleichsweise gering sei noch die Nachfrage nach Market Risk-Experten. Da namentlich die Auslandsbanken ihr Trading zumeist in London angesiedelt haben, ist dort auch ein Großteil der Experten für Marktrisiken beheimatet. Wenn Banken wie Goldman Sachs, Morgan Stanley und Citi Teile ihres Tradings tatsächlich an den Main verlegen, dürfte die Lücke allerdings auseinandergehen. „Doch so weit sind wir noch nicht. Spezialisten für Market Risk werden erst vermehrt eingestellt, wenn endlich Tradings Desks verlegt werden. Das sehen wir bisher noch nicht“, sagt Riske.

Experten für Credit Risk mit guten Englischkenntnissen kaum verfügbar

Auch Headhunterin Sabrina Tamm von Financial Talents in Frankfurt registriert wegen des Brexits eine wachsende Nachfrage nach Risikomanagement- und Compliance-Profilen. Der Brexit verschärfe vor allem den Nachfrageüberhang nach Experten für Kreditrisiken mit guten Englischkenntnissen. Das Problem: Experten für Kreditrisiken müssten bei Auslandsbanken meist Reportings und andere Dokumente auf Englisch verfassen. „Da genügt selbst sehr gutes Schulenglisch nicht. Die Banken wollen Leute haben, die bereits auf Englisch arbeiten und sofort loslegen können“, berichtet Tamm. Doch solche Profile sind in Frankfurt rar, denn bei vielen deutschen Banken würden die Reportings lediglich auf Deutsch verfasst.

Wechsel- und Umzugswille der Kandidaten kaum vorhanden

Überdies seien Risikomanager seltener als z.B. Investmentbanker bereit, den Arbeitgeber zu wechseln, was die Besetzung vakanter Positionen weiter erschwere, meint Tamm.

Die Lösung, den Angebotsmangel im Risikomanagement durch ausländische Profile z.B. aus London zu decken, hält Riske für wenig aussichtsreich. „Wir stellen immer wieder fest, dass die Umzugsbereitschaft äußerst gering ist. Daher konzentrieren wir uns bei unseren Suchen immer zuerst auf Frankfurt.“

Gehälter steigen und Arbeitgeber werden flexibler

Der Nachfrageüberhang treibt bereits die Preise in die Höhe. „Erst vor kurzem hat mir ein Bankmanager sein Leid geklagt: Er müsse für eine Position, für die er 40.000 Euro ansetzt, mittlerweile 80.000 Euro zahlen“, erzählt sie. Allerdings dürfte das Gehaltsniveau für solche Profile ohnehin eher gen 80.000 Euro tendieren.

Doch es gibt auch positive Anzeichen: Obgleich der Brexit noch lange nicht richtig in Frankfurt angekommen ist, würden die Auslandsbanken langsam flexibler agieren, meint Tamm: „Das Sucherverhalten ändert sich. Sie sind heute sogar bereit, Stellen in Frankfurt zu besetzen, die sie früher ausschließlich in London besetzt haben.“

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