Boni, Beschäftigung und Sparprogramm: Was die Credit Suisse-Ergebnisse für die Mitarbeiter bedeuten

eFC logo
Logo of Credit Suisse at Paradeplatz, Zurich

Im Jahre drei von Konzernchef Tidjane Thiam muss die Credit Suisse abermals einen Reinverlust von beinahe 1 Mrd. Franken verkraften. Damit schneiden die Schweizer sogar noch schlechter als die Deutsche Bank mit einem Minus von 500 Mio. Euro. (577 Mio. Franken) ab. Das Schlittern in die roten Zahlen ging maßgeblich auf die Abschreibung von latenten Steuergutschriften von mehr als 2,7 Mrd. Franken infolge der US-Steuerreform zurück. Vor Steuern verdiente die Credit Suisse rund 1,8 Mrd. Franken, während sie im Vorjahr noch einen Vorsteuerverlust von 2,3 Mrd. Franken wegstecken musste. Es sieht aber nicht überall düster aus. Hier die Ergebnisse im Detail:

Turnaround im Aktiengeschäft?

Im Equity Sales and Trading ging es im vergangenen Jahr rasant bergab. Die Erträge purzelten um 19 Prozent auf weniger als 1,8 Mrd. Franken. Doch dank der aktuellen Achterbahnfahrt an den Märkten hoffen Thiam und Finanzchef David Mathers auf einen Turnaround. In den ersten sechs Wochen des Jahres hätten die Erträge gegenüber dem Vorjahr um 10 Prozent zugelegt. Vor allem das Geschäft mit Aktienderivaten werde von einer höhere Volatilität profitieren. Thiam gab sich zuversichtlich, dass sich die Investitionen in die Aktienderivate-Sparte auszahlen würden.

Positive Entwicklung im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren

In den übrigen Bereichen von Global Markets lief es dagegen besser. Im Fixed Income Sales and Trading kletterten die Erträge um 12 Prozent auf gut 2,9 Mrd. Franken. Im Schlussquartal gingen die Erträge allerdings um 3 Prozent auf 547 Mio. Franken zurück. Noch besser entwickelte sich das Underwriting, wo die Erträge um 17 Prozent auf gut 1,1 Mrd. Franken zulegten.

Global Markets: Bank verdient mehr, Mitarbeiter weniger

Vor Steuern verdiente die Credit Suisse in Global Markets 450 Mio. Franken. Das ist zwar nicht viel, aber nahezu  eine Verzehnfachung gegenüber den traurigen Vorjahreszahlen. Der Erfolg geht allerdings auf ein beherztes Sparprogramm zurück. Die Bank fuhr die Personal- und sonstigen Kosten um jeweils 7 Prozent auf jeweils gut 2,5 Mrd. Franken zurück. Erstaunlicherweise stieg gleichzeitig die Beschäftigung um 2 Prozent oder 190 Stellen auf 11.740 Mitarbeiter an. Dies kann nur eines bedeuten: Die Boni in Global Markets werden traurig ausfallen.

Durchwachsenes Ergebnis in der Investment Banking Division

Ähnlich durchwachsen fielen die Ergebnisse des Geschäftsbereichs Investment Banking & Capital Markets aus. Während die Gebühreneinnahmen im M&A-Advisory um 9 Prozent auf 770 Mio. Franken sanken, ging es im Underwriting aufwärts. So kletterten die Erträge mit Anleiheemissionen (Debt underwriting) um 10 Prozent auf gut 1 Mrd. und mit Aktienemissionen um ein Viertel auf 386 Mio. Franken an. Falls indes die Volatilität an die Aktienmärkte zurückkehren sollte, dürfte diese Geldquelle rasch versiegen. Wer plant schon einen Börsengang, wenn die Kurse fallen?

Insgesamt legten die Erträge im Investment Banking & Capital Markets um 8 Prozent auf gut 2,1 Mrd. und der Vorsteuergewinn um 41 Prozent auf 369 Mio. Franken zu. Anders als die Kollegen in Global Markets dürften die Boni hier stagnieren. Denn Personalaufwand und Beschäftigung stiegen jeweils um 3 Prozent. Derzeit arbeiten in der Sparte 3190 Mitarbeiter.

Lachende Gesichter im Asset Management

Dank den Rekordpreisen in den meisten Anlageklassen hat das Asset Management ein sehr gutes Jahr hinter sich - auch bei der Credit Suisse. Die Erträge stiegen um 14 Prozent auf 1,5 Mrd. und das Vorsteuerergebnis um 17 Prozent auf 327 Mio. Franken an. Von dem Geldsegen scheinen auch die Mitarbeiter etwas abzubekommen. Denn der Personalaufwand erhöhte sich um 11 Prozent auf 726 Mio. Euro. Die Boni dürften also steigen.

Satte Gewinne im Private Banking

Das Private Banking außerhalb der Schweiz und Asiens glänzte ebenfalls. Während die Erträge um 7 Prozent auf 3,6 Mrd. Franken zulegten, sprang der Vorsteuergewinn um 22 Prozent auf gut 1 Mrd. Franken. Da der Personalaufwand aber gerade einmal um 2 Prozent zulegte, sollten die Mitarbeiter keine allzu hohen Boni erwarten.

Schwieriges Schweizer Geschäft

Mit einem Vorsteuergewinn von fast 1,8 Mrd. Franken stellt die Suisse Universal Bank auch weiterhin eine Perle im Konzern dar. Allerdings waren dies 13 Prozent weniger als 2016. Auch die Erträge verminderten sich um 6 Prozent auf etwa 5,4 Mrd. Franken. Dies lag vor allem an einem Rückgang um 11 Prozent auf ca. 2,9 Mrd. Franken im Privatkundengeschäft. Dagegen lag das Firmenkundengeschäft mit 2,5 Mrd. Franken auf Vorjahresniveau.

Anders als im Investment Banking mussten die Mitarbeiter der Swiss Universal Bank Federn lassen. Allein in der Schweiz fielen 540 Stellen weg, darunter 130 Client Relationship Manager. Entsprechend gab die Bank mit gut 1,8 Mrd. Franken 5 Prozent weniger fürs Personal aus. Dies spricht für stagnierende Boni. Die Aufwands-Ertragsquote verschlechterte sich um 2,4 Prozentpunkte auf 65,9 Prozent. Damit fällt sie jedoch immer noch deutlich besser als in den anderen Sparten des Konzerns aus.

Sparmaßnahmen gehen auch nach 2018 weiter

Bis 2018 will die Credit Suisse ihre jährlichen Kosten auf unter 17 Mrd. Franken drücken. Da Ende 2017 bereits 17,7 Mrd. Franken erreicht waren, fehlen nur noch 700 Mio. Franken. Allerdings kündigte Mathers beim Analystencall an, dass auch in den Jahren 2019 und 2020 mit weiteren Kostensenkungen zu rechnen sei. Er bezifferte sie jedoch nicht.

Ähnliche Artikel

Close