Wie Banker-Gattinnen die Brexitpläne der Banken torpedieren

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Brexit bankers wives

Einer der führenden Londoner Regulierungs-Anwälte steht vor einem ungeahnten Problem: Sein Kunde, eine europäische Großbank, schmiedet gerade Umzugspläne für einige ihrer Trader nach Kontinentaleuropa. Doch die Gattin einer ihrer Schlüsselpersonen will partout nicht umziehen. Und damit will es ihr Ehemann ebenfalls nicht. Da die Bank aber den Mitarbeiter nicht verlieren möchte, ist sie zum Umdenken gezwungen. „Das Paar will in London bleiben und die Bank will alles unternehmen, um sie zu halten“, erzählt der Anwalt.

Kein Einzelfall. Während Londoner Banker, die vom Kontinent stammen, oft gerne in ihre Heimat zurückkehren, klammern sich nichteuropäische Banker – besonders Amerikaner – an London. Goldman Sachs-Chef Lloyd Blankfein hat im November gesagt, die US-Bank betreibe Büros in Frankfurt UND Paris, weil amerikanische Banker die französische Hauptstadt der deutschen Finanzmetropole vorzögen. Für einige kommt aber nicht einmal Paris in Frage. „Meine Frau will London einfach nicht verlassen und besteht darauf, dass ich mir einen neuen Job suche, wenn wir dazu gezwungen werden“, sagte uns ein US-Banker bereits im vergangenen Jahr. Schon bevor die Deutsche Bank mitteilte, dass wohl nur einige hundert Mitarbeiter nach Deutschland verlagert würden, musste Konzernchef John Cryan zugeben, dass Banker, IT-Experten und Trader, die in London arbeiten, auch dort bleiben wollten.

Diese Widerspenstigkeit belegt einmal mehr, wie abhängig Banken von ihrem Spitzenpersonal sind. In einer Zeit, in der Banken nur noch als Werkzeuge gelten, hänge der Erfolg eher von der Qualität der Marke als von einzelnen Mitarbeitern ab, so heißt es. Diese Auffassung hat erst kürzlich die UBS bekräftigt. Allerdings hat dieselbe Bank ebenfalls klargestellt, dass wohl deutlich weniger Jobs als erwartet verlagert werden.

Für den Gesinnungswandel macht der Regulierungsanwalt die Aussichten auf eine Übergangsphase mitverantwortlich. Wieso sollte jemand eine teure Verlagerung von Kerntätigkeiten durchführen, wenn sich diese am Ende als obsolet erweisen könnte. „Kürzlich hat sich die Einstellung geändert. Es wird irgendeine Übergangsregelung geben“, sagt er. „Die Firmen stehen weniger unter Druck, die Angelegenheit bis zum März kommenden Jahres geregelt zu bekommen.“

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