GASTBEITRAG: Was Banker wirklich mit ihrem Bonus anstellen

eFC logo
Patek Philippe

Vielleicht sind Sie auch überzeugt, dass Banker gerne mit dem Geld um sich werfen. Zwar trifft dies auf einige zu, aber die meisten der erfolgreichen, beeindruckenden Banker unterlassen das. Wenn sie ihren Bonus erhalten, laufen sie also nicht schnurstracks zum nächsten Porschehändler.

Nach meiner Erfahrungen halten sich die Banker, die die Angelegenheit wirklich durchblicken, in der Bonussaison an einen fünfstufigen Prozess.

Als erstes rechnen sie die Summe nach. Sie vergleichen sie mit ihren Erwartungen auf der Basis von objektiven Daten wie ihrer eigenen Performance und der der Bank. Dann rechnen sie genau aus, wie viel Geld letztlich auf ihrem Bankkonto landen wird. Schließlich fließt ein Großteil des Bonus in die tiefen Taschen des Fiskus. Ich bin immer zusammengezuckt, wenn ich gesehen habe, wie viel von meinem Bonus auf Steuern entfällt. Von einer solchen Summe als Jahresgehalt habe ich geträumt als ich 22 Jahre alt war.

Zweitens überlegen sie, was sie ihren Freunden, Kollegen und Familien erzählen. Normalerweise läuft dies auf drei unterschiedliche Zahlen hinaus: Die wahre Summe, die allein die Familie erfährt, eine überhöhte Zahl für Freunde und Kollegen, die beeindruckt werden müssen, sowie eine zu niedrige Zahl, mit der sie ihre jüngeren Mitarbeiter überzeugen, wie unterbezahlt sie sind.

Drittens aktualisieren sie ihre Excel-Tabelle mit ihren Vermögen und Verbindlichkeiten. Dabei rechnen sie aus, wie weit sie von ihrer „F#CK YOU“-Summe entfernt sind. Es handelt sich um diejenige Zahl, mit der Banker in ihrem Kopf herumlaufen. Es ist die Summe, mit der sie ihren Job aufgeben und sich den Dingen widmen können, die sie tatsächlich machen wollen. Das Wissen, dass man seiner „F#CK YOU“-Zahl nahekommt, ist fast noch besser als das Bargeld auf dem Konto zu sehen – aber nur fast.

Viertens beginnen sie das Geld herumzuschieben, sobald es einmal auf ihrem Konto eingetroffen ist. Die führenden Banker, die ich kenne, leiden geradezu an einer Paranoia, wo ihr Geld liegt. Sie wollen darauf zurückgreifen können, aber es soll auch sicher sein. Das Geld zwischen den Konten hin und her zu schieben, hat dabei etwas Reinigendes an sich.

Der fünfte und letzte Schritt unterscheidet sich je nach Lebensphase und Ambitionen. Wer beispielsweise Frau und Kinder hat, möchte womöglich Geld für die Ausbildung seiner Kinder zurücklegen. Möglicherweise wollen Sie auch Ihrer Frau eine Freude bereiten. Schließlich können Sie gut auf eine Scheidung verzichten, bei der Sie die Hälfte Ihres Vermögens verlieren.

Doch wenn Sie unverheiratet sind, stehen andere Dinge im Vordergrund. Vielleicht wollen Sie Ihren Eltern eine Freude bereiten. Ich kenne viele Leute, die ihren Eltern ein neues Auto spendiert haben. Erst nachdem Sie all das erledigt haben, dürfen Sie darüber nachdenken, wofür Sie Ihren Bonus ausgeben. Wenn Sie erst einmal an diesem Punkt angelangt sind, dann liegen die verbleibenden Optionen auf der Hand. Dazu gehören z.B. ein schickes Auto, eine edle Uhr, ein Kunstwerk, luxuriöse Kleidung, eine neue Wohnung oder eine größere Spende.

So läuft die Bonussaison ab. Wenn Sie das nächste Mal Ihren Vorgesetzten bei der Pflege einer Excel-Tabelle beobachten, dann wissen Sie jetzt, woran Sie sind.

Der Autor arbeitete als Managing Director bei Goldman Sachs und bloggt auf „What I Learned on Wall Street“ (WilowWallStreet.com).

Ähnliche Artikel

Close