Vorstellungsgespräch im Banking: Welche Frage man unbedingt beantworten können muss

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Vorstellungsgespräch im Banking: Welche Frage man unbedingt beantworten können muss

2020 entpuppt sich für Investmentbanker als ein eher gemischtes Jahr. Für M&A-Banker läuft es nicht so gut, vor allem nicht in Europa. Besser sieht die Lage aus für Banker am Kapitalmarkt, die Kunden durch Aktien- oder Anleiheemissionen bei der Mittelbeschaffung unterstützen: Die Emissionstätigkeit läuft robust und Investoren sind überraschenderweise gewillt, schon für 2021 zu planen.

Damit ist die aktuelle Situation komplett anders als die Lage 2008/2009. In der letzten Finanzkrise wurde quasi überhaupt nicht für die Zukunft geplant und die Kapitalmärkte waren über Wochen hinweg praktisch zu. Dass es jetzt anders läuft, liegt daran, dass einige Kapitalmarktgeschäfte sich über Zoom leichter abwickeln ließen als persönlich. Dies gilt vor allem für Follow-Up-Deals von Emittenten, die zum wiederholten Mal an den Markt herantreten, bei denen sich die beteiligten Parteien kennen und auf vorhandene Dokumentationen zugreifen können. Geschäfte dieser Art hat es während der Pandemie deutlich mehr gegeben.

Dass die Aktivitäten am Kapitalmarkt weiterliefen ist ein Grund dafür, warum wir weiter Leute einstellen. Ich sitze mit meinem gesamten Team in New York City und habe während der Corona-Zeit an vielen Online-Vorstellungsgesprächen teilgenommen. Die meisten Fragen, die ich stelle, sind altbekannt: Was ist Ihr Hintergrund, warum wollen Sie diesen Job. Eine Frage allerdings ist neu – die Frage, die für die aktuelle Krise kriegsentscheidend ist: Ist die Erholung am Markt nachhaltig?

Das ist jetzt die große Frage und ich stelle sie allen Bewerbern als Gesprächsaufhänger. Die große Überraschung dieses Jahr ist, wie schnell die Märkte sich erholt haben. Der S&P 500 ist drauf und dran, sein bestes Quartal seit 20 Jahren zu erleben – aber hält das an? Das ist es, was jetzt alle wissen wollen.

Eine wirkliche Antwort gibt es natürlich nicht. Worum es mir geht ist, dass Bewerber die Themen erörtern. Verhalten sich die Märkte angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Eingriffe der Zentralbanken irrational oder rational? Ist der Eingriff nachhaltig? Wer sich für einen Front-Office-Job vorstellt – egal ob bei mir oder jemand anderem – sollte sich auf jeden Fall sehr gut belesen haben und gut durchdacht argumentieren können.

Ich persönlich denke, dass sich die Lage für Investmentbanker zumindest verbessert. Es ist jede Menge Kapital vorhanden und viele Unternehmen stehen sehr gut da. Je mehr sich alles stabilisiert, desto mehr Unternehmen werden wieder Geschäfte machen wollen. Dies wird allerdings nicht von jetzt auf gleich passieren. M&A-Deals abzuschließen dauert Monate und man ist extrem abhängig von den Unwägbarkeiten des wirtschaftlichen Klimas. Es braucht einen willigen Käufer und einen willigen Verkäufer. Der Käufer muss überzeugt davon sein, dass das Objekt der Begierde gute Umsatz- und Gewinnzahlen aufweist, und dass dies auch so bleibt. Der Verkäufer wiederum muss überzeugt davon sein, dass die Lage absehbar nicht besser wird und er nichts zu gewinnen hat, wenn er jetzt nicht verkauft. Das Ganze ist heikel und vielschichtig – und mittendrin stehen die Banker und hantieren mit Zahlen.

Damit wieder M&A-Geschäfte gemacht werden, braucht es allen voran stabile Verhältnisse, die mehrere Wochen lang anhalten. Die Situation in Staaten wie Arizona und Florida führt uns vor Augen, dass das Virus noch lang nicht besiegt ist. Für das Anbahnen von Deals ist das ein Rückschlag, aber kein K.O-Schlag. Im weiteren Verlauf der Krise wird sich die Situation nicht stetig verbessern, sondern es wird ein paar Schritte nach vorn und dann wieder ein paar Schritte zurück gehen. So sieht die Zukunft aus.

Ed Jones (Pseudonym) leitet als Managing Director das Nordamerika-Team bei einer internationalen Bank in New York.

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