Investmentbanking: Pandemie-Fragen im Vorstellungsgespräch

eFC logo
Investmentbanking: Pandemie-Fragen im Vorstellungsgespräch

Dass Vorstellungsgespräche per Telefon oder Videocall stattfinden, ist in Zeiten von Corona Standard. Ich sitze in sehr vielen Vorstellungsgesprächen mit jungen Bewerbern und bin am Anfang davon ausgegangen, dass die klassischen Banking-Interviews jetzt einfach online stattfinden. Doch dem ist nicht so: Es gibt einige interessante Änderungen.

Gesprächsetikette im Job-Interview während COVID-19

Seit Beginn der Pandemie höre ich durchweg von allen Bewerbern, dass Vorstellungsgespräche deutlich angenehmer geworden sind. Die beteiligten Vorgesetzten scheinen freundlicher aufzutreten, die Art und Weise, in der Fragen gestellt werden, ist weniger aggressiv als sonst – kurz: Das Ganze ist eher ein Gespräch als eine Befragung.

Gleichzeitig klagen einige Vorgesetzte darüber, dass Bewerber zu locker auftreten und nicht gut genug vorbereitet seien. Viele (vor allem junge Bewerber) scheinen das, was sie sagen, von Spickzetteln abzulesen, die vermutlich an der Wand vor ihnen kleben.

Wer im Moment Bewerbungsgespräche führt, sollte das im Hinterkopf behalten. Aufgrund der Krise und der damit verbundenen Befindlichkeiten sind Personaler nachsichtiger – man muss sich allerdings klar machen, dass man sehr viel Glück hat, wenn man im Moment überhaupt zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird. Eine Chance, die man nicht vergeuden sollte.

Ein weiterer Tipp für die aktuelle Situation: Ziehen Sie sich nicht nur ein Jackett, sondern auch eine Hose an und seien Sie möglichst nicht betrunken. Einer meiner Kollegen erlebte einen Bewerber, der obenrum im Anzug war und untenrum Boxershorts trug. Ein anderer erzählte von einem Kandidaten, dessen Teetasse – so vermutet er – offenbar mit Bier gefüllt war. Es mag an Komik grenzen, aber: Es gibt aktuell so wenig Stellenangebote, dass man unbedingt versuchen muss, aus der Masse hervorzustechen – allerdings im positiven Sinne.

Was während der Corona-Pandemie im Banking-Vorstellungsgespräch gefragt wird

Während Vorstellungsgespräche früher typischerweise mit der Aufforderung ‚Erzählen Sie uns ein bisschen was über sich‘ begonnen wurden, gibt es jetzt eine neue Einstiegsfrage: ‚Was haben Sie während dem Lockdown gemacht?‘.

Weitere ‚neue‘ Fragen, die in den letzten Monaten gestellt werden:

Persönliche und praktische Interviewfragen in Zeiten des Coronavirus:

Was haben Sie durch die Pandemie über sich selbst gelernt?

Wie haben Sie während der Pandemie Ihre Zeit verbracht?

Könnten Sie sich vorstellen, den Rest Ihres Arbeitslebens im Home Office zu verbringen?

Ist es vorstellbar, dass die Arbeit auf dem Handelsparkett dauerhaft auf Distanz abgewickelt wird? Wenn ja, wie können neue Mitarbeiter dann das Handwerk lernen?

Konzeptionelle und moralische Interviewfragen in Zeiten des Coronavirus:

Sollten Mitarbeiter die Entscheidung, ob sie wieder vor Ort im Büro arbeiten wollen, selbst treffen? Oder sollten sie dazu verpflichtet werden?

Finanzmarkt-Fragen in Zeiten des Coronavirus:

Stützt die Reaktion der Zentralbanken auf die Pandemie die Argumentation der Befürworter von Bitcoin?

Glauben Sie, dass die Fed letztendlich Aktien kaufen muss?

Der US-Aktienmarkt hat sich fast komplett erholt. Bedeutet das, dass passive Investitionsstrategien doch am besten sind?

Wird die Liquiditätskrise unweigerlich in eine Solvenzkrise führen?

Brainteaser-Fragen im Banking-Vorstellungsgespräch in Zeiten des Coronavirus:

Was denken Sie – wie viele Gesichtsmasken sind 2020 verkauft worden?

Bei der Frage, wie man den Lockdown verbracht habe, sollte man aufpassen: Manager wollen nichts über Marathonsessions auf Netflix wissen, sondern hören, dass man die Zeit genutzt hat, um sich persönlich weiterzuentwickeln. Haben Sie sich sozial engagiert? Haben Sie sich weitergebildet, etwa durch eLearning etc?

Wer das Glück hat, jetzt zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, dem rate ich, sich so anzuziehen, als würde man tatsächlich zum Gespräch gehen. Auf diese Art und Weise vergegenwärtigen Sie sich, um was es geht. Wer Zeit hat, sollte sich noch besser vorbereiten als sonst – denn: die Konkurrenz ist groß.

Harold M. Sally (Pseudonym) führt als Banker regelmäßig Vorstellungsgespräche.

Have a confidential story, tip, or comment you’d like to share? Contact: sbutcher@efinancialcareers.com in the first instance. Whatsapp/Signal/Telegram also available. Bear with us if you leave a comment at the bottom of this article: all our comments are moderated by human beings. Sometimes these humans might be asleep, or away from their desks, so it may take a while for your comment to appear. Eventually it will – unless it’s offensive or libelous (in which case it won’t.)

Ähnliche Artikel

Close
Loading...