„Die Deutsche Bank hat die besten und nettesten Leute“

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„Die Deutsche Bank hat die besten und nettesten Leute“

Foto: Getty Images

Ich gehöre zu den Managing Directors, die die Deutsche Bank im Juli verlassen mussten. Zwei Monate später kann ich mir die Jobs aussuchen. Im Alter von 45 Jahren liegen mir vier Angebote sowohl von der Buy- als auch von der Sell-Side vor. Viele meiner ehemaligen Kollegen sind in einer ähnlich komfortablen Lage. Denn wir kommen von der Deutschen Bank, die einige der besten Leute der Wall Street beschäftigt.

Ich selbst habe dort beinahe 20 Jahre lang gearbeitet und es geliebt. Die Niederlassung an der Wall Street war wie meine Familie und ich hätte alles für sie getan. Viele von uns hätten in den vergangenen fünf Jahren weggehen können, aber wir wollten es nicht. Je schlimmer die Situation wurde, desto stärker wollten wir bleiben. Wir wollten unsere Freunde nicht im Regen stehen lassen; wir wollten die Angelegenheit gemeinsam durchstehen.

Deswegen haben so viele von ihnen schnell einen neuen Job gefunden, als die Deutsche Bank im Juli ankündigte, ihr Aktiengeschäft dichtzumachen. Obgleich die Branche schrumpft und sich die Banken auf eine bevorstehende Rezession einstellen, sind meine Freunde und ich an den unterschiedlichsten Orten untergekommen. Die Banken, die uns jahrelang abzuwerben versuchten, haben schließlich ihr Ziel erreicht. Die neue Strategie der Branche lautet: 5 bis 10 Prozent der Belegschaft werden vor die Tür gesetzt und 3 bis 4 Prozent neu eingestellt. In vielen Fällen stellen die ehemaligen Deutsche Bank-Mitarbeiter dabei die erste Wahl dar.

Dafür gibt es auch einen guten Grund. Die Deutsche Bank verfügt in Amerika nicht über den gleichen Markenwert wie Goldman Sachs, JP Morgan oder die Bank of America. Um für die Deutsche Bank Geld zu verdienen, musste man sehr unternehmerisch vorgehen und hart arbeiten. Schließlich konnten wir nicht einfach mit unseren großen Namen punkten.

Diesen Unterschied zwischen der Deutschen Bank und anderen Instituten stelle ich jetzt immer wieder in den Vorstellungsgesprächen bei anderen Banken fest. Im Vergleich zur Deutschen Bank geht es bei vielen anderen Instituten unglaublich schlaff zu. Sie verfügen über so große Ressourcen, dass sie niemals darüber nachgedacht haben, wie sie mehr mit weniger erreichen. Dort herrscht deutlich weniger Kollegialität und die Leuten arbeiten in Silos.

Das soll aber nicht heißen, dass bei der Deutschen Bank alles perfekt gelaufen wäre. So hatte die Bank immer ein Kostenproblem. Darüber hinaus hatte sie ein Problem mit der Strategie, was allerdings eher von oben kam und nicht auf die Niederlassung in der Wall Street zurückgeht. Nahezu alle sechs Monate bekamen wir ein neues Management.

Ich persönlich vermisse die alten Zeiten in der Niederlassung in der Wall Street. Ich frage mich, wie ich für die großen Banken arbeiten kann, die mich anheuern wollen. Wenn ich arbeite, dann rund um die Uhr; mein Einsatz ist vollkommen. Mir bleiben wahrscheinlich noch zehn Jahre guter Arbeit und statt bei einer schlaffen Bank anzufangen, die sich bereits ganz oben wähnt, lockt mich eigentlich eine unternehmerische Aufgabe. Irgendetwas, das mehr der Deutschen Bank ähnelt. Ich weiß, viele meiner ehemaligen Kollegen denken ganz ähnlich.

Bei Ralph Welecki handelt es sich um ein Pseudonym.

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