Die fetten Jahre sind vorbei: Consultingfirmen kämpfen mit dem Abschwung

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Die fetten Jahre sind vorbei: Consultingfirmen kämpfen mit dem Abschwung

Photo by Owen le Roux on Unsplash

Bei Banken regiert der Rotstift. Dies bekommen zunehmend nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Dienstleister zu spüren. So hat allein die Deutsche Bank ihre Ausgaben für Professional Services im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 17 Prozent auf 328 Mio. Euro verringert. Die Commerzbank wiederum hat im ersten Halbjahr ihre Sachkosten um 11 Prozent auf 1,4 Mrd. Euro gekürzt. Da Finanzdienstleister traditionell zu den besten Kunden der Consulting-Branche zählen, müssen Strategieberatungen, Big Four und sonstige Consulting-Unternehmen ihre Gürtel ebenfalls enger schnallen. Auch der drohende Konjunktureinbruch verheißt nichts Gutes.

Die Folgen kommen langsam auf dem Arbeitsmarkt für Berater an, der sich spürbar eintrübt. „Der Nachfragehype nach Consultants, wie er noch vor zwei, drei Jahren herrschte, ist vorbei“, berichtet der aufs Consulting spezialisierte Headhunter Marcus Michel von contagi PERSONAL in Frankfurt. „Es herrscht eine manisch-depressive Stimmung: Gelegentlich herrscht Hochstimmung, dann wieder Trübsal.“

Trotz der eingetrübten Stimmung würden weiter einschlägige Experten vor allem mit drei bis sechs Jahren Berufserfahrung gesucht. Manche Gebiete liefen besser als andere. „Digitalisierung ist immer noch das Thema“, versichert Michel. „Aber auch Regulierung und Risikomanagement bleiben Dauerbrenner. Der einmalig Sondereffekt der aktuellen Brexit-Entwicklungen wird auch noch einmal einen mittelfristigen Nachfrageschub verursachen.“

 „Wir können uns nicht beklagen“, sagt unterdessen Headhunter Raphael Rosenfeld von Argos Advisors in München, der für eine der führenden Strategieberatungen als auch für eine kleine spezial Beratung arbeitet. So habe Argos im laufenden Jahr schon fünf Berater im Financial Service Bereich vermittelt. „Für berufserfahrene Kandidaten ist das gar nicht so wenig“, kommentiert Rosenfeld.

Traditionell stellt die Consulting-Branche hauptsächlich direkt von den Hochschulen ein. Neben den üblichen Juniors mit drei bis sechs Jahren Berufserfahrung suche Argos derzeit auch seniorere Profile bis hin zum Partner. Dennoch beobachtet auch Rosenfeld bei einigen Häusern abflauende Personalnachfrage, wobei bei seinen Kunden weiterhin der Trend in Richtung Wachstum gehe.

Mittlere Beratungen sind besonders betroffen

Nach Michels Erfahrungen sind von den sinkenden Aufträgen im Consulting-Geschäft weniger die großen Strategieberatungen und die Big Four betroffen als vielmehr die vielen kleineren Consulting-Unternehmen. „Viele von ihnen befinden sich nicht auf den ‚Preferred Supplier‘-Listen der Banken“, erläutert Michel. In den vergangenen Jahren hätten große Beratungen Teile ihres Auftragsvolumens an kleinere Beratungen weitergegeben. „Diese Form der Kettenverträge sehen die Banken nicht mehr so gerne“, sagt Michel. Angesichts der ebenfalls abflauenden Geschäftsvolumen würden kleinere Beratungen zunehmend in Bredouille geraten, da sie ihre Berater nicht platzieren können.

Auch Rosenfeld beobachtet eine Konsolidierung auf dem Beratungsmarkt auf Kosten der kleineren Anbieter. „In den vergangenen Jahren haben Strategieberatungen und Big Four diverse kleinere Häuser übernommen“, stellt Rosenfeld fest. Weiter kennt der Headhunter eine auf Finanzdienstleistungen spezialisierte Beratung, die mit Ertragseinbußen zu kämpfen hat.

Verstärkte Einstellungen für Restrukturierungsteams?

Laut Rosenfeld bereiten sich viele Strategieberatungen und Big Four auf den absehbaren Wirtschaftsabschwung mit dem Ausbau von Geschäftsbereichen vor, die von einer Konjunkturdelle profitieren. „Alle bauen ihre Teams für finanzielle und organisatorische Restrukturierung aus und suchen daher einschlägige Experten“, betont Rosenfeld. Für den Bereich suche er nicht nur die üblichen Juniors, sondern auch auf sehr seniorem Level.

Diesen Trend will Michel allerdings nicht bestätigen. „Alle sprechen von einem Abschwung – das hören wir auch von unseren Kunden“, sagt der Headhunter. Allerdings könne er nicht erkennen, dass dies zu verstärkten Einstellungen in Restrukturierungsteams führe.

Falls Sie eine vertrauliche Nachricht, einen Aufreger oder einen Kommentar loswerden wollen, zögern Sie nicht! Schreiben Sie einfach an Florian Hamann. fhamann@efinancialcareers.com.

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