GASTBEITRAG: „Ich habe meinen Banken-Job verloren und jetzt ignoriert mich die Branche“

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GASTBEITRAG: „Ich habe meinen Banken-Job verloren und jetzt ignoriert mich die Branche“

Wer in einer Bank arbeitet, hat wahrscheinlich viele Freunde. Die meisten sind sicherlich entweder Ihre Kollegen oder Ihre Freunde. Doch dies bedeutet, dass Sie rasch allein dastehen, sobald Sie Ihren Job verlieren.

Ich selbst habe acht Jahre bei einer US-Bank in London gearbeitet. Mit vielen meiner Kollegen war ich befreundet. Wir haben täglich gesprochen, sind gemeinsam zum Mittagessen gegangen, haben uns auf einen Kaffee getroffen und sehr viel Zeit miteinander verbracht.

Und dann habe ich meinen Job verloren.

Plötzlich musste ich feststellen, dass es sich um keine echten Freunde handelte. Leute, mit denen ich sehr eng zusammengearbeitet habe, konnten sich nicht einmal durchringen, mir eine Textnachricht zu schicken, in der sie ihr Bedauern äußern.

Zwar haben sich einige doch gemeldet. Von den rund 300 Leuten, die ich in der Branche kannte, haben sich vielleicht 20 gemeldet und die meisten haben sich mit einer einzelnen mitfühlenden Textnachricht begnügt.

Sind die Leute aus des Bankenbranche einfach von Natur mitleidlos? Nicht wirklich. Vielmehr liegt das am System. In der Branche werden derzeit so viele Leute vor die Tür gesetzt, dass viele sich daran gewöhnen, wie andere gefeuert werden. Das ähnelt ein wenig den Krankenhäusern, wo aufgrund der hohen Zahlen die Patienten lediglich Nummern sind. Im Banking ist das ähnlich: Sie müssen eine Menge Arbeit erledigen und finden einfach keine Zeit, um sich mit dem Kommen und Gehen abzugeben. Die Empathie ermüdet. Wenn Leute verschwinden, ist es einfach, ihnen einfach eine Textnachricht zu schicken „Sorry, lass mich wissen, wenn ich helfen kann“, wobei sie sich bewusst sind, dass sie wahrscheinlich kaum helfen können. Und dann wenden sie sich wieder ihrer Arbeit zu.

Ich selbst habe mich bemüht, es besser zu machen und mit den betroffenen Kollegen in Kontakt zu bleiben, weil ich weiß, wie hart das Leben da draußen sein kann. Daher fällt mir meine eigene Ausgrenzung umso schwerer. Ich dachte, meine ehemaligen Kollegen würden mich vermissen, was offenbar nicht der Fall ist.

Vielleicht bin ich aber auch nur zu dünnhäutig für die Arbeit in einer Bank. Dennoch finde es traurig und enttäuschend, dass die Leute mich verleugnen. Das gleiche gilt für die Kunden. So hatte ich einen Kunden, zu dem ich zweimal im Jahr geflogen bin. Wir haben den Tag im Büro verbracht und sind dann zum Mittag- und Abendessen ausgegangen. Wir hatten gemeinsam viel Spaß und ich dachte, ich kenne ihn wirklich gut. Doch nachdem ich meinen Job verloren haben, habe ich nie wieder etwas von ihm gehört. Ich war sein wichtigster Broker. Ich denke, er hat einfach jemand anderes gefunden, der ihm diese Dienstleistung anbietet.

Bei Danie Cazal handelt es sich um ein Pseudonym. Er hat im Aktienvertrieb einer US-Bank in London gearbeitet.

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