Wie die Amis den deutschen Banken den Heimatmarkt wegschnappen

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Wie die Amis den deutschen Banken den Heimatmarkt wegschnappen

Foto: Getty Images

Die Deutsche Bank befindet sich nicht nur in den USA auf dem Rückzug, auch auf ihrem Heimatmarkt muss sie sich zunehmend der amerikanischen Konkurrenz geschlagen geben. Laut dem Datenanbieter Dealogic hat der ehemalige deutsche Branchenprimus in der Investment Banking Division (M&A, ECM, DCM) 2019 bis dato gerade einmal 78 Mio. Dollar generiert. Damit reicht es nur noch für den zweiten Platz hinter JP Morgan mit 91 Mio. Dollar. Bereits 2018 hatte der Konzern seine Führungsposition in der Heimat an den US-Rivalen abgeben müssen.

Welche Dominanz die Amis mittlerweile in Deutschland erreicht haben, zeigt sich, wenn man die Top-5 US-Banken JP Morgan, Bank of America, Goldman Sachs, Morgan Stanley und Citi den drei deutschen Großbanken Deutsche Bank, HypoVereinsbank und Commerzbank gegenüberstellt. Während die Amerikaner 2019 in Deutschland bislang 300 Mio. Dollar generierten, kommen die drei Deutschen mit 147 Mio. Dollar nicht einmal mehr auf die Hälfte.

Bei ihrem Vormarsch auf dem deutschen Markt nutzen die Amerikaner anscheinend die Unzufriedenheit unter den Deutsche Bank-Mitarbeitern gezielt aus. „Wir legen konkurrierende Angebote vor und setzen auf die hohe Fluktuation des Personals“, erzählte ein Head of M&A einer US-Bank dem Branchenfachblatt Financial News. „Wir sagen: Sie können die Deutsche Bank nehmen, aber Sie wissen nicht, ob ihr Banker in sechs Monaten noch da ist.“ Schon im Frühjahr wurde den US-Banken nachgesagt, eine Fusion von Deutscher und Commerbank herbeizusehnen, da dies das Abjagen von Marktanteilen erleichtert hätte.

Doch stimmt die Aussage des US-Rivalen überhaupt? Schließlich stehen gegenwärtig nur die Geschäfte der Deutschen Bank in den USA und teilweise in London zur Disposition, nicht aber in Deutschland. 

„Das muss man differenziert sehen“, meint unterdessen Investment Banking-Headhunterin Sabrina Tamm von Financial Talents in Frankfurt. „Wir haben im Frankfurter Investment Banking der Deutschen Bank keine Kürzungen gesehen. Allerdings haben eine ganze Reihe von Investmentbankern – auf Senior- und auf Junior-Level – das Unternehmen verlassen.“

Obgleich die Fluktuation in Frankfurt wohl kaum mit der in New York oder Frankfurt zu vergleichen ist, scheint die Sorge unter den Kunden zu wachsen. „Schon seit etwa zwei Jahren betrachten viele Kunden die Deutsche Bank als ‚systemisches Risiko‘ und halten sich daher zurück, große M&A-Transaktionen mit ihr durchzuführen“, erzählt ein Frankfurter Insider, der lieber anonym bleiben möchte.

Falls Sie eine vertrauliche Nachricht, einen Aufreger oder einen Kommentar loswerden wollen, zögern Sie nicht! Schreiben Sie einfach an Florian Hamann. fhamann@efinancialcareers.com.

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