GASTBEITRAG: Was ein Ex-Goldman-Associate für den Absprung zu Private Equity rät

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GASTBEITRAG: Was ein Ex-Goldman-Associate für den Absprung zu Private Equity rät

Sie wollen also das Investmentbanking fürs Private Equity aufgeben? Das kommt zwar oft vor, allen gelingt es aber nicht. Wer bei einer Bank arbeitet und auf die Buy-Side wechseln möchte, muss seine Karten sehr vorsichtig ausspielen.

Dies ist mein Ratgeber dafür. Er basiert auf persönlichen Beobachtungen. Viel Glück dabei.

1. Schritt: Lassen Sie die Private Equity-Headhunter auf sich zukommen

Die meisten Einstellungen in Private Equity finden über Headhunter statt. Versuchen Sie bloß nicht, das zu umgehen, indem Sie sich direkt bei Private Equity-Gesellschaften bewerben – außer Sie kennen dort bereits eine Führungskraft. Ungebetene Anrufe sind ein besonders fruchtloser und zeitaufwendiger Prozess und es wird gegen Sie verwendet. Wenn Sie das Unternehmen zuerst angerufen haben, dann gibt es keine Verpflichtung für das Unternehmen, den Headhunter zu bezahlen, selbst wenn Sie den Job auf seine Fürsprache hin Monate später erhalten haben. Daher hat kein Headhunter Interesse daran, Ihnen zu helfen. Vielmehr wird er seine eigenen Kandidaten vorschlagen.

Daher müssen Sie es Headhuntern leicht machen, Sie zu finden. Stellen Sie also sicher, dass Ihr Online-Lebenslauf oder Ihr Social Media-Profil genügend suchfreundliche Schlagwörter aufweist. Einer meiner Freunde führte jahrelang den Titel „IBD Analyst at BAML“ und wunderte sich, dass er von keinen Headhuntern kontaktiert wurde. Auf meinen Rat hin ersetzte er IBD durch Investment Banking und plötzlich wurde er von zehnmal so vielen Leuten angesprochen. Sie müssen die Headhunter auf sich zukommen lassen.

Weiter müssen Sie wissen, wann Private Equity-Gesellschaften einstellen. Headhunter kommen normalerweise im Oktober oder November auf Sie zu, wenn Sie Ihren Bonus im Januar erhalten und im Mai oder Juni, wenn Sie ihn im August erhalten. Seien Sie also bereit!

Manchmal versuchen Headhunter ihre geschäftliche E-Mailadresse herauszufinden, indem sie einfach Ihren Namen auf das Standardformat der Firma anwenden wie z.B. gabriele.mustermann@xyzbank.com, um Sie so zu kontaktieren. Falls Ihre geschäftliche E-Mailadresse sonderbar ausfällt, kann das schon zu einem Problem werden. Wenn beispielsweise die Initiale Ihres zweiten Vornamens Teil der E-Mailadresse ist, wie z.B. gabriele.c.mustermann@xyzbank.com, dann wird Sie die E-Mail des Headhunters nie erreichen.

Falls ein Personalberater Sie kontaktiert, dann sollten Sie gewiss nicht von Ihrem beruflichen E-Mail-Account antworten. Leiten Sie diese E-Mails nicht an Ihre private Adresse weiter. Vielmehr sollten Sie annehmen, dass alle Ihre E-Mails von Ihrem Vorgesetzten mitgelesen werden. Bei vielen Banken müssen Führungskräfte die geschäftlichen E-Mails ihrer Mitarbeiter nach dem Zufallsprinzip sichten. Stattdessen sollten Sie mit Headhuntern stets über Ihren privaten E-Mailaccount kommunizieren. Auf ähnliche Weise werden gelegentlich auch Geschäftstelefone mitgeschnitten. Daher sollten Sie die Anrufe von Headhuntern nicht über ihren geschäftlichen Anschluss annehmen oder ihn davon anrufen.

2. Schritt: Treffen Sie Headhunter

Die Treffen mit Headhuntern müssen Sie als ein erstes Vorstellungsgespräch betrachten und entsprechend vorbereiten. Das „Lassen Sie uns auf einen Kaffee treffen und über Ihre Zukunft sprechen“ darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Vielmehr stehen Sie in Konkurrenz zu anderen Kandidaten, mit denen sich der gleiche Headhunter trifft. Sie haben ein kommerzielles Interesse daran, ihren Kunden die Leute zu präsentieren, die wahrscheinlich auch eingestellt werden und mit dem sie Geld verdienen können. Die besten Jobs bei den besten Private Equity-Gesellschaften reservieren Sie für die besten Kandidaten.

Wenn Sie genau wissen, wonach Sie suchen und beispielsweise den Namen des Fonds und des Teams kennen, und dies auch gut begründen können, dann hilft Ihnen das weiter. So können Sie beispielsweise sagen, dass Sie jemanden von einem bestimmten Fonds kennen, dass Sie den Fonds und seine Strategie oder Spezialisierung mögen, Sie schon einmal mit Ihm gearbeitet haben oder jemand aus Ihrem aktuellen Team dort angefangen hat. Bleiben Sie bei Ihrer Geschichte. Erzählen Sie nicht, dass Sie gerne bei einer Private Equity-Gesellschaft arbeiten wollen und anschließend, dass sie auch an Venture Capital interessiert sind.

Denken Sie bloß nicht, in Gesprächen mit Headhuntern gehe es nicht um fachliche Dinge. Viele Headhunter waren früher selbst Banker und können Ihnen im Gespräch ganz schön einheizen.

Benehmen Sie sich nicht arrogant oder wie ein Idiot. Passen Sie sich an den Zeitplan des Headhunters an und verschieben Sie nicht wiederholt vereinbarte Termine. Respektieren Sie die Zeit des Headhunters. Sie brauchen Headhunter dringender als umgekehrt. Wenn Ihr Ansehen erst einmal ruiniert ist, wird Ihnen niemand mehr weiterhelfen. Auch kommt es häufig vor, dass Sie im Laufe Ihrer Karriere wiederholt auf die gleichen Headhunter treffen.

3. Schritt: Bereiten Sie sich auf Ihre Private Equity-Interviews vor

Die Vorbereitung eines Vorstellungsgesprächs in der Private Equity-Branche besteht aus drei wesentlichen Komponenten: An welchen Deals haben Sie mitgewirkt? Wie gut können Sie Modellieren und wie gut fallen Ihre Investmentideen bzw. Fallstudien aus? Ich empfehle die Vorbereitungen bereits sechs bis acht Monate vor dem Datum des angestrebten Wechsels zu beginnen.

Die Vorbereitung für einen Vorstellungsgespräch in Private Equity lässt sich nicht in ein paar Wochen bewältigen. Allein die Vorbereitung für die Punkte zwei und drei bedarf etwa 100 Stunden, was Sie zwischen Leerlauf in Ihrer Arbeitszeit oder an den Wochenenden erledigen können.

Bei etwa der Hälfte der Vorstellungsgespräche, in denen es nicht ums Modellieren geht, müssen sie in aller Tiefe zu Ihren Deal-Erfahrungen Auskunft geben. Daher sollten Sie während der Ausführung Ihrer Deals umfangreiche Notizen anlegen und Ihre Vorgesetzten nach möglichst vielen strategischen Aspekten befragen. Sie müssen nicht nur wirklich involviert werden, sondern auch alle Ihre Aufgaben und Entscheidungen Ihrer Vorgesetzten verstehen.

4. Schritt: Der Interviewprozess

Der Zeitraum von einem ersten Vorstellungsgespräch zu einem Jobangebot liegt irgendwo zwischen drei Wochen und drei Monaten. Das hängt ganz davon ab, wie begehrt Sie sind, wie rasch die Position besetzt werden muss und mit wie vielen Unternehmen Sie im Gespräch sind.

Leider müssen Sie sich dafür oft frei nehmen, weshalb Ihre alten Kollegen möglicherweise Verdacht schöpfen. Dazu können Sie auch meinen vorhergehenden Artikel über die besten Ausreden für ein Vorstellungsgespräch lesen.

Beachten Sie immer: Bei jedem Unternehmen bekommen Sie nur eine Chance – diese sollten Sie nutzen. Wenn Ihnen einmal keine Antwort einfällt, ist es ratsam nachzufragen und vorsichtig zu agieren. Erfinden Sie nichts; so etwas kommt schnell heraus.

Die erfolgreichen Private Equity-Profis zeichnen sich durch besonders gute „Metakognition“ aus, dem Wissen über das Wissen. Dies sollten Sie im Vorstellungsgespräch ebenfalls zeigen.

Sobald Ihnen einige Angebote vorliegen und Sie sich nach eigehender Prüfung das beste Unternehmen ausgesucht haben, können Sie Ihren alten Job aufgeben.

Mai Le arbeitete als Investment Banking Associate für Goldman Sachs, bevor sie sich mit Vietnam Inbound (vietnaminbound.com) selbständig gemacht hat. Neben ihrem eigenen Blog (lequynhmai.com) betreibt sie eine Datenbank für Lebensläufe (coverletterlibrary.com).

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