Macht die Übernahme der Commerzbank durch den ING-Konzern Sinn?

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Macht die Übernahme der Commerzbank durch den ING-Konzern Sinn?

Foto: Getty Images

Kaum ein Tag vergeht ohne eine Nachricht zum Übernahmepoker der Commerzbank. Laut dem Manager Magazin hat jetzt auch der Chef der niederländischen ING Group Ralph Hamers Interesse an der zweitgrößten deutschen Bank angemeldet. Dazu soll Hamers bereits mit dem Bundesfinanzministerium und Commerzbank-Chef Martin Zielke Kontakt aufgenommen haben.

Zielke gilt indes als entschiedener Befürworter einer Übernahme durch die Deutsche Bank und hofft dabei angeblich auf den Posten des Vizechefs. Dagegen soll nach Medienberichten Deutsche Bank-Chef Christian Sewing auch den neuen Konzern führen.

Die Niederländer locken unterdessen mit einem geringeren Personalabbau als bei einer Übernahme durch die Deutsche Bank, wobei von einem Kahlschlag von 10.000 bis 40.000 Jobs die Rede ist. Laut dem Manager Magazin sei die ING Group sogar bereit, die „globale Zentrale von Amsterdam nach Frankfurt zu verlegen“.

„Das ist zumindest nicht völlig unsinnig“, kommentiert Bankenanalyst Neil Smith vom Bankhaus Lampe die niederländische Lösung. Er geht allerdings eher davon aus, dass die Niederländer ihre Direktbankentochter ING Diba in Deutschland mit ihren rund 4000 Mitarbeitern mit der Commerzbank verschmelzen wolle und der Konzernsitz in Amsterdam verbleibe. Tatsächlich ist ING an der Börse mehr als viermal so viel wert wie die Commerzbank.

Im vergangenen Jahr hatte allein die deutsche ING-Tochter einen Vorsteuergewinn von 1,322 Mrd. Euro generiert. Dagegen erwirtschaftete die komplette Commerzbank lediglich 1,245 Mrd. Euro vor Steuern. Während ING-Deutschland für jeden Ertrag lediglich 47 Cent springen lassen musste, waren es bei der Commerzbank mehr als 80 Cent.

Smith kann den Übernahmeplänen aus Kostengesichtspunkten durchaus Reiz abgewinnen, zieht aber eine eigenständige Zukunft der Commerzbank vor. Er hegt auch Zweifel, ob es nicht aus Regulierungsgesichtspunkten für Deutschland besser sei, an zwei Großbanken festzuhalten. „In einer Krise tendiert Kapital dazu, nachhause zurückzufliegen“, sagt Smith mit Blick auf die Finanzkrise vor zehn Jahren. Ohne eigene Großbanken könnte in einer neuen Krise vor allem der deutsche Mittelstand Finanzierungsprobleme bekommen. Dieser könne sich dann unter Umständen nicht so schnell erholen wie nach der Finanzkrise.

„Das ist genau das Problem Polens“, sagt Smith. „Deswegen brauchen zumindest die großen europäischen Volkswirtschaften Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien eigene nationale Champions.“ Da in einer Krise der Fiskus immer gezwungen sei, diesen nationalen Champion zu retten, seien sogar zwei Großbank wünschenswert, fasst Smith den Regulierungsaspekt zusammen.

Zuletzt war bekannt geworden, dass Unicredit ebenfalls an einer Übernahme der Commerzbank interessiert ist. Auch dabei stand eine Fusion der Münchner Unicredit-Tochter HypoVereinsbank mit der Commerzbank im Raum.

Falls Sie eine vertrauliche Nachricht, einen Aufreger oder einen Kommentar loswerden wollen, zögern Sie nicht! Schreiben Sie einfach an Florian Hamann. fhamann@efinancialcareers.com.

 

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