Boni auf den Konten: Jetzt könnten die Deutsche Bank-Mitarbeiter abmustern

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Boni auf den Konten: Jetzt könnten die Deutsche Bank-Mitarbeiter abmustern

Obgleich die Boni der Deutschen Bank erst vor gut einer Woche bekanntgegeben wurden, werden die Mitarbeiter ihr Geld am heutigen Freitag erhalten – soweit es keine aufgeschobenen Vergütungen gibt. Damit steht es ihnen frei, die Bank zu verlassen.

Diese Aussicht löst bei so manchem Recruiter in der Londoner City Begeisterung aus. „Ich habe mehrere Mitarbeiter der Deutschen Bank im Spiel“, sagt ein Fixed Income-Headhunter. Ab heute wird aus dem Spiel Ernst.

Doch zumindest bei den Spitzenverdienern landet der Großteil der Boni nicht sofort auf den Konten. Die Deutsche Bank ist für ihre vergleichsweise restriktiven Auszahlungskriterien berüchtigt. Bis zu 100 Prozent der Boni werden auf bis zu fünf Jahre aufgeschoben ausbezahlt. Wer davon betroffen ist, wird sein Geld erst 2024 erhalten. Besonders schmerzlich ist, dass ein beträchtlicher Anteil an die Entwicklung der Aktie gebunden. In den vergangenen Jahren ist der Kurs der Deutschen Bank aber um 71 Prozent eingebrochen.

Doch trotz aufgeschobener Boni liebäugelt so mancher Mitarbeiter mit der Ausgangstür. „Die Moral im Aktiengeschäft hat in New York einen Tiefpunkt erreicht“, berichtet ein Insider. „Mit gewisser Sicherheit kann ich vorhersagen: Es wird einen Exodus an Talent geben, auf den ein Einbruch der Erträge folgt, was zu einem Personalabbau führen wird. Darauf wird es wieder eine Periode der Überbezahlung geben, um neues Talent anzuwerben und den Talentabfluss auszugleichen“, sagt ein anderer Insider.

Ein Talentabfluss würde die Bank sicherlich vor Probleme stellen. Dennoch sind einige Beobachter davon überzeugt, die Enttäuschung über geringe Boni und ausbleibende Gehaltserhöhungen seien nur Teil eines Masterplans. „Sie wollen, dass die Leute von sich aus gehen“, meint ein Insider. „Wer nicht geht, zeigt damit, dass er damit einverstanden ist, wenn er übergangen wird, und die Bank wird fortfahren, ihn unterzubezahlen. Das ist schon genial. Sie müssen nur herausfinden, wer ein Top-Performer und zufrieden genug ist, um zu bleiben.“

Ein anderer Investmentbanker der Deutschen Bank aus Europa sorgt sich, dass er so leicht keinen neuen Job finden würde. „Die eigentliche Schande ist, dass es hier Personen und Gruppen gibt, die sich gut schlagen“, sagt er. „Doch andere Banken zögern uns abzuwerben, weil Sie fürchten, wir wären ebenso faule Äpfel wie einige Senior Manager.“ Die Deutsche Bank wollte hierzu keine Stellungnahme abgeben.

 

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