Mehr Verantwortung, mehr Freizeit, mehr Spaß: Wieso die Karriere in kleinen Investmentbanking-Teams einfach besser ist

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Mehr Verantwortung, mehr Freizeit, mehr Spaß: Wieso die Karriere in kleinen Investmentbanking-Teams einfach besser ist

Es gibt auch zufriedene Investmentbanker.

Viele Studenten träumen von einem Einstieg bei Goldman Sachs, JP Morgan oder einer anderen erstrangigen Investmentbank. Doch ein junger Investmentbanker aus einem kleinen Investment Banking Division-Team im Bereich Markets schwört auf Adressen aus der zweiten Reihe. „Die Arbeitszeit ist moderater und man kann schneller Verantwortung übernehmen“, sagt der Investmentbanker auf mittlerem Karrierelevel, der lieber anonym bleiben möchte.

Menschlichere Arbeitszeiten als bei großen Teams

„Normalerweise bin ich zwischen 7 und 8 Uhr im Büro und gehe zwischen 18 und 20 Uhr nachhause. Vielleicht wird es auch einmal ein bisschen später.“ All-Nighter kämen nicht vor. „Ich halte diese Geschichten von durchgearbeiteten Nächten auch für einen Branchenmythos - zumindest außerhalb der Londoner City“, kommentiert er. Anstrengender sei es indes, wenn Dienstreisen anständen. Dies sei etwa an drei bis sechs Tagen im Monat der Fall. „Die verteilen sich allerdings recht unregelmäßig über die Monate“, sagt der junge Investmentbanker aus Frankfurt. An Wochenenden arbeite er etwa sechs- bis siebenmal im Jahr. „Das ist zwar kein 9 to 5-Job, aber man kann immer noch sein Privatleben pflegen“, betont er. Allerdings komme es regelmäßig vor, dass er private Verabredungen am Abend spontan absagen müsse. „Da brauchen Sie ein soziales Umfeld, das dafür Verständnis hat.“

In kleinen Teams übernimmt man schneller Verantwortung

Zwar habe er keinen ganz so großen Namen im Lebenslauf und müsse wohl auch bei der Bezahlung Abstriche hinnehmen, dennoch bringe die Arbeit in einem kleinen Team auch aus Karrieresicht Vorteile mit. „In einem Team mit einem Managing Director und ein, zwei anderen Mitarbeitern können Sie viel schneller Verantwortung übernehmen und kommen auch früher in Kontakt mit Kunden“, betont der junge Investmentbanker. Dies gelte vor allem, wenn man ein Vertrauensverhältnis mit dem Managing Director aufgebaut habe. „Irgendwann kommt dann der Punkt, wenn sich der Kunde direkt an Sie wendet und nicht mehr an ihren Managing Director. Die Nahrungskette ist in kleinen Teams einfach deutlich kürzer. Allerdings sollte immer eine enge Abstimmung mit seinem Vorgesetzten erfolgen“, meint er. Wenn in großen Teams der Managing Director einen Kundenkontakt nicht wahrnehmen könne, dann stünden die Executive Directors Gewehr bei Fuß. In kleineren Teams komme dann schon der Vice President ins Spiel.

Während bei großen Investmentbanken oft die Hälfte der Berufseinsteiger nach zwei Jahren abspringt, blickt der Investmentbanker ohne Groll auf seine Juniorjahre zurück. „Ich möchte die Zeit nicht missen. Man hat eine ganz andere Freiheit, aber man muss auch liefern.“ So konnte er seine fachlichen, sozialen und politischen Kompetenzen, wie sie für jedes größere Unternehmen erforderlich seien, schärfen. „Man kann da sehr viel für sein späteres Leben lernen. Ich glaube schon, dass ich da einen Vorteil gegenüber größeren Teams habe.“

Arbeitszeiten hängen sehr von der jeweiligen Abteilung und dem Chef ab

Doch handelt es sich bei dem glücklichen Investmentbanker bloß um einen Einzelfall? „Dass man in kleineren Teams schneller Verantwortung übernimmt, kann ich durchaus bestätigen“, sagt Headhunter Jan Graffelder von Look und Graffelder in Frankfurt. „Das hängst aber sehr davon ab, in welchem Bereich man arbeitet. Die Arbeitszeiten in Debt Capital Markets fallen niedriger als in M&A aus. Und die Arbeitszeiten in Equity Capital Markets liegen irgendwo dazwischen“, meint Graffelder. Gerade in Debt Capital Markets seien die Teams von Auslandsbanken in Frankfurt meist recht klein. „Da gibt es dann einen Managing Director, einen Vice President und einen Junior“, erzählt Graffelder. Die Equity Capital Markets-Teams in Frankfurt seien ebenfalls meist recht klein, wenn das Geschäft nicht ohnehin in London angesiedelt sei.

Dagegen warnt Headhunterin Sabrina Tamm von Financial Talents in Frankfurt vor zu viel Euphorie: „Ich höre auch das genaue Gegenteil. Die Leute müssen in kleinen Teams genauso viel arbeiten, aber erhalten dafür weniger Geld.“ Bei Gehältern und Boni könnten sich die Abschläge auf bis zu 50 Prozent summieren.

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Teams seien indes beträchtlich. „Das liegt auch weniger an der Bank als am Chef“, meint Tamm. „Wenn Sie in einem kleinen Team einen Workaholic als Managing Director haben, dann arbeiten Sie genauso viel wie anderswo. Die Arbeitszeiten werden sehr von der Kultur des Chefs geprägt.“

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