Die Kunst, ungehobelte Kunden aus dem Asset Management zu unterhalten

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Die Grundregel bei Kunden von der Buy-Side lautet: Sie hegen eine sehr hohe Meinung von sich selbst und stellen daher ebenso hohe Ansprüche an ihre Abendunterhaltung. Üblicherweise erwarten sie in Top-Restaurants ausgeführt und mit Essen und Wein verführt zu werden. Das gilt besonders, wenn sie schon lange in der Branche arbeiten und entsprechend verwöhnt sind. Doch diese Praktiken passen längst nicht mehr in eine Welt, in der Banken ihre Unterhaltungsbudgets zusammengestrichen haben.

Wenn Sie also ein armer Investmentbanker sind und versuchen, ihre Asset Management-Kunden bei Laune zu halten, kann diese Erwartungshaltung zu einem Problem werden. Es kam schon häufiger vor, dass ich ein solches Abendprogramm mit einigen hundert Euro aus der eigenen Tasche subventionieren musste.

Daraus habe ich gelernt. Bevor ich irgendwo mit Kunden hingehe, versuche ich erst einmal herauszubekommen, in welche Kategorie sie fallen; ungehobelt und unzivilisiert oder höflich und zivilisiert. Mein Abendprogramm hängt dann davon ab, ich welche Kategorie sie fallen.

Die höflichen und zivilisierten Kunden versuchen kein Maximum zu ihrem persönlichen Vorteil herauszuschlagen, unabhängig davon wie die Kosten für mich ausfallen. Diese Leute wissen, dass sie in einem Restaurant nicht das teuerste Essen und den teuersten Wein ordern dürfen und erwarten auch nicht, nach dem Essen in einem Nachtclub abzusteigen.

Dagegen werden unzivilisierte Kunden immer das teuerste Steak und den teuersten Wein auf der Karte ordern, denn Rohlinge verwechseln Preis mit Geschmack.

Wer also einen unzivilisierten Kunden bewirten muss, sollte ihn von allzu teuren Restaurants fernhalten. Am besten bestellen Sie gleich für ihn mit. Sie müssen auch vorab mit dem Kellner sprechen, dass nur das Festpreismenü verfügbar ist. Diese Sorte von Kunden darf keinen Zugang zu den Extras bekommen oder à la Carte ordern können.

Bei der folgenden Liste handelt es sich um Restaurants, zu denen ich meine zivilisierten Kunden in London ausführe:

Nobu: Dabei handelt es sich um eine einschlägige Adresse eines Restaurants, welches teilweise Robert de Niro gehört. Dies ist nur etwas für Kunden, die wirklich gutes Essen zu schätzen wissen.

Zuma: Ähnlich wie Nobu, aber etwas trendiger. Wahrscheinlich gehen Sie in die Bar – es handelt sich um einen Ort, an dem man sich sehenlassen muss. Dies birgt das Risiko, dass der Besuch mit dem falschen Kunden zu einem teuren Vergnügen wird. Erscheinen Sie erst kurz bevor der Tisch gebucht ist und meiden Sie die teuren Cocktails. Der normale Tunfisch und das Lachssushi sind vernünftig. Vermeiden Sie den teuren Tunfisch und den Kaviar.

Amaya: Ich bin kein Freund des indischen Fusion-Essens – aber Amaya ist beeindruckend. Es handelt sich um einen guten Ort für ein frühes Abendessen, wenn Ihr Kunden rund um Belgravia haust.

Hakkasan: Es ähnelt Nobu und Zuma. Allerdings müssen Sie hier sicherstellen, dass Sie für Ihren Gast mitbestellen.

Und dies sind die Restaurants, zu denen ich mit unzivilisierten Kunden gehe:

Goodmans: Wählen Sie die Steaks und einige Beilagen zum Teilen und etwas Wein. Meine weniger zivilisierten Kunden finden diesen Ort sehr beeindruckend. Dies liegt hauptsächlich an dem alten Wall Street-Flair und dass sie sich für Michael Douglas halten.

Hawksmoor: Hier weise ich die Kellner meist an, keine Specials anzubieten. Sie müssen unbedingt vermeiden, dass ungehobelte Kunden Wagyu-Steaks oder besondere „cuts“ aus den USA bestellen. Für das geht mein gesamtes Budget für den Abend drauf.

Le Relais de Venise: Dies besitzt eine Pariser Atmosphäre, was ungehobelte Kunden anzieht. Dort gibt es nur ein Gericht auf der Speisekarte: Ein Steak mit Sauce Café de Paris und Pommes. Damit haben die Kunden auch gleich eine Ausrede, wieso sie Pommes essen. Das Relais de Venise ist allerdings der falsche Ort für Vegetarier. Doch ungehobelte Kunden zählen ohnehin meist zu den karnivoren Zeitgenossen.

Irgendein Curry-Restaurant und ein Pubbesuch: Damit fühlt sich anfangs kein Kunde geschmeichelt, dennoch ist es meist erfolgreich. Es kann sich um einen lustigen Abend mit viel Bier, Hähnchen Masala, Kormas, Kebabs und noch mehr Bier handeln. Sich müssen nur darauf achten, dass der Kunde sich nicht auf Ihre Schuhe übergibt.

Bei Toby Wilcox handelt es sich um ein Pseudonym.

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