GASTBEITRAG: Ich bin Führungskraft bei der Deutschen Bank und will einen großen Bonus

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GASTBEITRAG: Ich bin Führungskraft bei der Deutschen Bank und will einen großen Bonus

Ich bin Senior Investmentbanker bei der Deutschen Bank in London – und ja, ich habe die Nachrichten gelesen. Demnach soll der Bonuskuchen um rund 10 Prozent kleiner ausfallen als im vergangenen Jahr. Auch verstehe ich, dass das Kostenlimit nicht verhandelbar ist und dass einige Kollegen einen Abschlag bei den variablen Vergütungen von 15, 20 oder sogar mehr Prozent hinnehmen müssen. Dennoch gibt es m.E. gute Gründe, wieso Leute wie ich die in wenigen Monaten bevorstehenden Boni verdienen.

Zunächst hat eine ganze Reihe von Führungskräften im vergangenen Jahr unser Unternehmen verlassen. Dazu gehören Conor Hennerbry, Kristian Triggle, Tadhg Flood, Claire Brooskby und Rainer Polster. Viele haben erst in der zweiten Jahreshälfte abgemustert und bis dahin Erträge generiert. Wir hoffen, dass diese Erträge zu den Leuten umgeleitet werden, die immer noch hier sind.

Zweitens gehe ich davon aus, dass sich das Management über den Ernst der Lage bewusst ist. Die Leute, die in den vergangenen schwierigen Jahren loyal zur Deutschen Bank gestanden haben, haben dies nicht aus Mangel an Alternativen getan. Wir haben das getan, um der Bank eine Chance zu geben. Wir mögen unsere Jobs. Wir mögen auch die Deutsche Bank und wollen bleiben. Dennoch kennen wir alle Kollegen, die sich anderswo bessere Jobs gesucht haben. Einige von uns standen auch schon kurz vor der Kündigung und sind bloß aufgrund des Versprechens einer guten Bezahlung geblieben. Wenn die Boni in diesem Jahr ein weiteres Mal miserabel ausfallen, werden viele Kollegen ihre Geduld verlieren und das Risiko eines Jobwechsels auf sich nehmen.

Schließlich denke ich, dass Konzernchef Christian Sewing die Dynamik, die mit der Bonusverteilung bei der Deutschen Bank verbunden ist, viel zu lange hingenommen hat. Über Jahre haben Führungskräfte, obwohl sie selbst keine Dealmaker waren, einen beträchtlichen Teil der Boni für sich reklamiert. Auf diese Weise hat die Bank ihre Boni an namenlose Bürokraten verschwendet, die gar nicht die Anforderungen für einen Job anderswo mitbringen. Genau aus diesem Grund waren die Dealmaker, die die Erträge hereinbringen, unterbezahlt und viele sind gegangen. Ich denke, Sewing sollte mittlerweile verstanden haben, dass es keinen Sinn macht, die internen Machtspieler überzubezahlen, während die Leute im Kundenkontakt unterbezahlt werden. Zumindest hoffe ich das im Interesse der Deutschen Bank.

Bei George Grisham handelt es sich um ein Pseudonym.

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