Keine Ahnung vom Programmieren? Wie Sie trotzdem im Banking erfolgreich bleiben

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Can't code banking

Ihre Zeit ist abgelaufen. Wer jetzt noch nicht programmieren kann, wird es wahrscheinlich auch nicht mehr lernen, bevor die digitale Transformation um das Jahr 2022 die Bankingjobs eliminiert haben wird. Eine derartige Auffassung hat zumindest die IT-Chefin der Bank of America Cathy Bessant in einem Gespräch mit Bloomberg vertreten. Falls Sie Banker und IT-Analphabet sind, dann hilft es Ihnen laut Bessant auch nicht weiter, einen Crashkurs im Programmieren zu belegen. Denn dafür sei die Zeit bereits abgelaufen. „Die Kompetenzen, die wir benötigen, müssen in einem viel früheren Alter erlernt werden“, meint Bessant. „Ob man die gleiche Arbeitskraft zu gleichen Zeit fortbilden kann, in der Sie ihren Job verändern, muss sich noch zeigen.“

Da die Banken sämtliche Tätigkeiten automatisieren wollen – vom Börsengängen über Trading und Settlements bis hin zum Research, besteht die Gefahr, dass Heerscharen von Mitarbeitern überflüssig werden. Mit ihrem heftigen Läuten der Alarmglocke steht Bessant keinesfalls allein dar. Auch UBS-Chef Sergio Ermotti geht davon aus, dass bis zu 30 Prozent der Jobs bei der Schweizer Großbank in den kommenden zehn Jahren automatisiert werden. Bloomberg zitiert eine andere UBS-Führungskraft, die sogar 40 Prozent für möglich hält. Auch das Zeitfenster werde wohl kürzer ausfallen.

Der Prozess hat jedenfalls bereits begonnen. Der frühere Head of Macro Structuring der Citi Huy Nguyen Trieu kennt sogar ein Team, in dem nur vier auf Algorithmen spezialisierte Trader schon heute 70 Prozent der Trades abwickeln, für 2010 noch 140 Leute erforderlich waren. „Auch wenn sie ein herausragender Trader in diesem Team sind, hilft Ihnen das in Ihrer Karriere nicht weiter“, sagt Nguyen Trieu. Die weitblickendsten Trader haben sich bereits vor Jahren eine Auszeit genommen, um sich ins Machine Learning einzuarbeiten.

Dennoch können Betroffene etwas unternehmen, bevor der Automatisierungs-Tsunami über sie hereinbricht. Goldman Sachs-Präsident David Solomon hat nicht grundlos die große Bedeutung einer abgerundeten Ausbildung betont, die auch Kommunikationskompetenzen und öffentliches Sprechen beinhaltet. Denn Banken benötigen nicht nur Computerfreaks, sondern auch charismatische Persönlichkeiten, die als das Gesicht des dann automatisierten Geschäfts auftreten können. Karriere in Banking wird immer zwiespältiger: Wer nicht programmieren kann, der benötigt Charisma. Wer keines von beidem mitbringt, hat ganz schlechte Karten.

Der Bruch beginnt sich bereits abzuzeichnen. Laut einer Equities Sales-Expertin, die anonym bleiben möchte, sind die Banken längst dabei, die langweiligen Arbeitsschritte der Vertriebsprozesse wie das Buchen von Kundenmeetings oder das Versenden von Research-Unterlagen zu digitalisieren. Dennoch würden die Kunden weiterhin großen Wert auf eine „vertrauensvolle Beratung“ legen. Ein Sales-Experte aus dem Fixed Income-Geschäft erzählt wiederum, dass gerade die größten Kunden ihre Trades zunehmend automatisieren, jedoch nicht die vorangehenden Entscheidungsprozesse. Laut einem anderen Sales-Experten aus dem Bereich festverzinsliche Wertpapiere, Währungen und Rohstoffe beginnen einige Banken sich mittlerweile sogar zu fragen, ob sie es nicht zu weit getrieben haben. Denn in illiquiden Märkten würden die Kunden Trader aus Fleisch und Blut bevorzugen. „Sales-Führungskräfte wurden gegangen und jetzt wird es bedauert.“

Wer als Programmier-Unkundiger die kommenden Jahre überleben will, muss neben Charisma auch ein profundes Verständnis für die Systeme mitbringen, mit denen sie arbeiten. Das gilt besonders für die neuen Bedingungen unter dem Regiment der Regulierung MiFID II. Laut dem ehemaligen IT-Chef Michel Dubno von Goldman Sachs werde sich die künftige Kundenbeziehung nicht mehr um Research, sondern um Daten drehen. „Das gesamte Geschäft wird bis zu dem Punkt automatisiert, dass nur wenige Personen dafür erforderlich sind“, meint Dubno. Diese Leute werden entweder die automatisierten Prozesse entwerfen oder diese an die Kunden vertreiben. Wer es nicht in die erste Gruppe schaffe, sollte es zumindest in die zweite bringen. Ansonsten sieht es düster aus.

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