Was es braucht, um es bei den Big 4 zum Partner zu bringen

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Bei PwC, EY, KPMG und Deloitte schafft es nur jeder zehnte zum Partner.

Die Fluktuation bei PwC, EY, KPMG und Deloitte ist sehr hoch. Von der Karriereleiter zum Partner springen die meisten Einsteiger früher oder später ab – mehr oder weniger freiwillig. Headhunter David Kitzinger von Badenoch & Clark in Luxemburg schätzt, dass es nur etwa jeder zehnte Einsteiger bis zum Partner bringt.

Laut Headhunter Markus Michel von der contagi Personalberatung in Frankfurt benötigen die meisten Einsteiger acht bis zehn Jahre bis zum Partner. „Wenn Sie es in sechs bis acht Jahren schaffen, dann sind Sie schon auf der Überholspur.“ Doch was müssen Big 4-ler mitbringen, damit der Karrieresprung zum Partner gelingt?

1. Einen Business Case

„Um es bei den Big 4 zum Partner zu bringen, müssen sie für die Firma einen entsprechenden Business Case mitbringen“, betont Michel. „Am Ende des Tages zählt der Umsatz.“

„2016 hatte ich den Business Case zum Thema Start-up. Mit diesem bin ich zum Partner geworden“, erzählt beispielsweise Jan Brorhilker, der es 2016 zum Partner im Bereich Wirtschaftsprüfung (Financial Accounting Advisory Services) bei EY in Hamburg gebracht hat. „Ziel unserer Tätigkeit ist es, Mittelständler dabei zu beraten, wie sie hinsichtlich der Digitalisierung auf dem globalen Markt mithalten können.“

Auch die Auslastung spielt eine Rolle – also die Zahl der Arbeitsstunden, die ein Big 4-Mitarbeiter seinen Kunden in Rechnung stellt. „Das ist leider nicht immer ganz einfach. So können z.B. Budgetbeschränkungen dazu führen, dass Manager nicht alle tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden berechnen können“, schränkt Kitzinger ein.

2. Berufsexamina

Ohne bestandene Wirtschaftsprüfer- bzw. Steuerexamen gibt es in den Bereichen Audit und Tax kaum eine Chance zum Partner aufzusteigen. „Ich kann Ihnen nur empfehlen Berufsexamen zu machen“, rät Brorhilker. „Einmal ist man unabhängiger, um sich ggf. später selbständig zu machen und zum anderen hat man ein ganz anderes Standing gegenüber dem Mandanten.“ Brorhilker selbst hat sogar beide Examen – Wirtschaftsprüfer und Steuerberater – abgelegt.

Auch Michel kennt kaum einen Partner in den Bereichen Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung ohne eines der beiden einschlägigen Berufsexamina. Ein weiteres Examen wie namentlich das US-Wirtschaftsprüfungsexamen „Certifield Public Accountant“ (CPA) seien hilfreich, aber nicht zwingend. „Auf dem Weg zum Partner stellt dies einen Beschleuniger dar“, sagt Michel. Im boomenden Consulting-Geschäft sehe es indes anders aus, weil es hierfür keine verpflichtenden Berufsexamina gebe.

Kitzinger rät mit den Berufsexamina so früh wie möglich zu beginnen. „Wenn Sie erst als Senior Manager mit ihrem Wirtschaftsprüfer beginnen, dann ist das meist zu spät.“ In Luxemburg sei u.a. die britische Rechnungslegungsqualifikation ACCA besonders gefragt.

3. Den richtigen Studienschwerpunkt

Bei den Big 4 haben auch Absolventen von den Fachhochschulen Chancen. Dennoch empfiehlt Michel Universitäten wie Mannheim, Saarbrücken oder Köln, die über renommierte Lehrstühle in Rechnungslegung und Revision verfügen. Auch hier stellt wiederum das Consulting-Geschäft eine Ausnahme dar.

4. Mehr als nur Fachwissen

Zwar spielen gute Fachkenntnisse am Beginn der Karriere eine entscheidende Rolle, nicht jedoch bei der Beförderung zum Partner. „Wer es zum Partner bringen möchte, muss ein guter Verkäufer sein, Projekte bei Kunden platzieren können und die Politik des Hauses durchschauen“, erläutert Kitzinger. „Man muss ein kleiner Politiker werden.“

Wichtig sei es, die Hierarchien unter den Partnern zu verstehen. „Von außen sieht es so aus, als wären die Partner gleich. In der Realität gibt es aber ein großes hierarchisches Gefälle.“ Grundsätzlich gibt es eine Unterscheidung zwischen „Salary Partner“ und „Equity Partner“ bei den Big 4 und auch innerhalb dieser zwei Kategorien gibt es ein Gefälle. Erstere seien lediglich Angestellte, während letztere mit eigenem Geld an der Gesellschaft beteiligt seien. Ein „Salary Partner“ komme mit Gehalt, Bonus, Dienstwagen usf. auf vielleicht 250.000 bis 300.000 Euro im Jahr. Ein „Equity Partner“ indes auf 500.000 Euro aufwärts.

5. Gekonnte Selbstvermarktung

„Tue Gutes und spreche darüber. Auf dem Weg zum Partner spielt die Selbstvermarktung der eigenen Leistungen eine große Rolle“, betont Kitzinger. „Besonders gut kommt ein gutes Kundenfeedback an.“ Daher empfiehlt Kitzinger zufriedene Kunden gezielt um ein Feedback zu bitten.

6. Mentoren und ein gutes Netzwerk

Auf dem Weg zum Partner rät Michel sich Mentoren und eine „engagierte Peer Group“ zu suchen, die einen „fördert und fordert“. Für Brorhilker war sein Vater ein berufliches Vorbild: „Da mein Vater selbst Partner war, war auch für mich klar: Wenn ich bei EY bleibe, dann möchte ich Partner werden."

7. Wenig Konkurrenz

Natürlich spielt nicht nur die eigene Leistung eine Rolle, sondern auch die der Kollegen und das Umfeld. In einem wachsenden Bereich gebe es mehr Opportunitäten als in einem stagnierenden. Kitzinger empfiehlt sich anzuschauen, wer in seinem Umfeld für eine Beförderung zum Partner infrage komme und sich entsprechend zu positionieren. „Leider weiß man oft nicht, wer das genau ist. Da einfach zu viele Leute abspringen, weiß man oft erst sehr spät, wer seine Konkurrenten sind.“

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