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Wieso Boutiquen die brutalsten Vorstellungsgespräche aufweisen

Difficult banking interview questions

Wer schon einmal in den Genuss eines Vorstellungsgesprächs bei einer Investmentbank gekommen ist, der kennt bereits die Fragen, die sich darum drehen, ob man zum Team oder Unternehmen passt. Sie enthalten für gewöhnlich innovationsfreie Fragen wie: „Wieso wollen Sie bei uns arbeiten oder worin bestehen Ihre größten Stärken?“

Wer jedoch nur die vorhersehbaren Vorstellungsgespräche von Großbanken kennt, sollte sich in Jobinterviews bei Boutiquen auf unangenehme Überraschungen gefasst machen. Während Sie bei Großbanken oft in Watte gepackt werden, setzen Boutiquen Ihren Kortex gerne ein wenig unter Strom. Diese Boutiquen sind immer noch im Investment Banking tätig. Sie müssen also keine Denksportaufgaben wie bei Hedgefonds fürchten. Dennoch sollten Sie sich darauf einstellen, dass Ihr Fachwissen bis in die Details hinein abgefragt wird. Es wird ganz tief gebohrt.

„Seitdem ich hier arbeite, bin ich noch nie solchen Fragen begegnet wie: ‚Erzählen Sie uns, wann Sie Führungskompetenz bewiesen haben?“, erzählt ein Analyst von Perella Weinberg. „Bei Großbanken wurden mir höchst triviale Fragen gestellt“, sagt ein anderer Analyst von Perella Weinberg. „Hier wurde ich wesentlich härter angegangen.“ Ein weiterer Analyst von Moelis & Co. bestätigt, dass die Fragen in puncto Stress und Komplexität von einem ganz anderen Kaliber als bei Großbanken sind. Ein Student, der an einem Vorstellungsgespräch der Boutique Centerview teilgenommen hat, bezeichnete das dortige Vorgehen sogar als „brutal“. „Es handelte sich um die härteste erste Interviewrunde, an der ich jemals teilgenommen habe“, sagt ein anderer Student, der ein Vorstellungsgespräch bei Evercore durchgemacht hat.

Doch wieso fallen die Vorstellungsgespräche von Boutiquen derart schwierig aus? Das liegt einmal an den gestellten Fragen. Die Boutiquen sind weitaus eifriger dabei, die Fachkenntnisse ihrer Bewerber abzuklopfen. Bevor sich jemand also in ein solches Vorstellungsgespräch wagt, sollte er möglichst alles über die einschlägigen Bewertungsmethoden inklusive ihrer Vor- und Nachteile wissen. So sollten Sie sich ebenso gut in den Strategien des Leveraged Buyouts wie in der Rechnungslegung auskennen. „Die Vorstellungsgespräche von Boutiquen drehen sich um Fachkenntnisse“, berichtet einer der Analysten von Perella Weinberg: „Sie fragen nach Bewertung, Wertsteigerung, Verwässerung, Finanzberichten und Rechnungslegung.“

Die Boutiquen verlangen auch ein breiteres Wissen als Banken. Ein Analyst einer renommierten Boutique erzählt, dass Häuser wie sein eigenes häufig keine Sektorteams besitzen und dass daher Researcher und Juniors über ein profunderes Wissen verfügen müssen als ihre Kollegen in Großbanken. „Es ist entscheidend, dass auch die jüngeren Mitarbeiter hier die Makrotrends kennen (politisch, wirtschaftlich und regulatorisch), die einen Einfluss auf den Deal haben könnten“, betont er. „Ich wurde beispielsweise bei meinem Vorstellungsgespräch gefragt, welche Auswirkungen die Entscheidungen der US-Notenbank FED auf die Bewertung haben.“ Auch sei er gefragt worden, wie Private Equity-Investoren ticken und wie Investoren ihre Investitionen mittels Derivaten absichern können.

Doch der Unterschied besteht nicht allein in der Tiefe und Breite der Fragen. Auch der Auftritt der Gesprächspartner fällt oft aggressiver aus. Während sich die Gesprächsteilnehmer bei Banken meist freundlich geben, um die Studenten nicht unter Stress zu setzen, haben die Recruiter von Boutiquen keine Bedenken. Wer also eine eigene Meinung vertritt, sollte dies gut begründen können. Wenn Sie eine Bewertung anstellen, dann sollten Sie auch beurteilen können, wie sie sich unter wechselnden Szenarios verändert. Falls Sie es durch die erste Runde an Vorstellungsgesprächen geschafft haben, dann sollten Sie sich auf knifflige Fallstudien einstellen, in denen Sie z.B. den Aktienwert aus Fundamentaldaten wie EBITDA oder Bilanzpositionen ermitteln oder erklären sollen, wie sie einen Leveraged Buyout unter verschiedenen Marktbedingungen anstellen würden.

Dies sind die Fragen, die üblicherweise Kandidaten mit einigen Jahren Berufserfahrung gestellt bekommen. Doch laut den genannten Analysten würden Boutiquen solche Fragen auch gerne jungen Analysten oder sogar Studenten stellen, die sich lediglich um ein Praktikum bewerben. „Es gibt einfach nicht viele Leute auf dem mittleren Level“, erzählt einer. „Als Folge davon müssen hier sogar die Analysten sehr flexibel und in der Lage sein, direkt mit Kunden zusammenzuarbeiten.“

„In einem kleineren Team ist ihr Beitrag einfach wichtiger und die Kompetenz-Latte wird von Anfang an höher gehängt“, ergänzt ein anderer.

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