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GASTBEITRAG: Mein Bankjob ist todlangweilig. Dennoch bleibe ich

Boring banking job

Ich bin im „Wholesale Funding“ einer Großbank von der Wall Street beschäftigt und vor zehn Jahren war mein Job noch aufregend.

Ich habe die Stelle nach meinem MBA mit Ende 20 angetreten. In den ersten Jahren nach der Jahrtausendwende ging es im Bankgeschäft wild zu. Von Hause aus bin ich Ingenieur. Doch als ich mich nach meinem MBA umgesehen habe, wurde schnell klar, dass die Finanzdienstleistungen eine bessere Perspektive als das Ingenieurwesen boten. Ich habe einen Trading-Kurs belegt und bin über eine Rotation ins „Wholesale Funding“ gelangt, wo ich noch heute arbeite.

Doch was macht das „Wholseale Funding“ überhaupt? Ganz einfach: Es stellt die Liquidität der gesamten Investmentbank sicher. Meine Abteilung sorgt also dafür, dass das Investment Banking immer über Cash verfügt, wenn es benötigt wird, und solvent bleibt. Uns obliegt es, die gesamten Zahlungsverpflichtungen zu addieren und sicherzustellen, dass alle auch bezahlt werden kann.

Das hört sich vielleicht nach einem guten Job an; das war es auch. Aber diese Zeiten sind vorbei. Vor der Finanzkrise hatten wir viel Freiheit und fungierten fast als Teil des Tradings. Die Manager entschieden hier, welches Risiko wir eingehen konnten und entsprechend haben wir getraded – normalerweise auf dem Interbankenmarkt und oft über Nacht oder länger.

Dies änderte sich als die Liquidität im Interbankenmarkt während der Finanzkrise austrocknete. Unser Team mutierte von einer reichlich unregulierten Unterabteilung des Tradings zum Ground Zero für die neuen regulatorischen Restriktionen. Plötzlich hatten wir überall mit Compliance und Risikomanagement zu kämpfen. Heute dreht sich alles um Liquidität: Wie leihen zu hohen Zinsen auf dem Repo-Markt und schlucken die bittere Pille der hohen Kosten. Wir halten eine Menge schlechter Liquidität, nur um auf der sicheren Seite zu sein. Die Liquiditäts-Extremisten haben heute das Sagen – obwohl es so scheint, als ob in der einheitlichen Bankenfinanzierung der Keim zur nächsten Krise steckt. Während ich früher ein Trader war, bin ich heute nur eine bessere Verwaltungskraft und das fällt mir auf die Nerven.

Doch wieso gehe ich nicht einfach? Ganz einfach: Wegen meiner Kinder, meiner Frau und dem Komfort, der damit einhergeht, seit zehn Jahren das Gleiche zu machen. Ich mag meinen Vorgesetzten, ich muss nicht reisen und es gibt auch nicht viele Meetings. Mein Job ist zwar längst nicht mehr „sexy“, weshalb es aber auch niemand gibt, der ihn mir abjagen möchte. Auch besteht kein Risiko, dass meine Stelle gestrichen wird. Wenn ich meinen Kopf nur kräftig genug in die Höhe recke, dann kann ich sogar schon meine Rente sehen. Es scheint einfach keinen Sinn zu machen, dies jetzt alles aufzugeben – selbst wenn ich jetzt auf der Stelle trete. Und das ist schon ein wenig ironisch, wenn ich mich an meine Erwartungen bei meinem Berufseinstieg erinnere.

Bei Jimmy Hagen handelt es sich um ein Pseudonym. Er arbeitet als „Funding Specialist“ bei einer Bank von der Wall Street.

 

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