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Benehmen sich Deutsche Bank-Mitarbeiter wie Diven?

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Die Mitarbeiter der Deutschen Bank müssen von ihrem hohen Ross herunter- und auf Ponys umsteigen. In den zurückliegenden beiden Jahren hat der Konzern mehr als 8 Mrd. Euro Verluste eingefahren und im ersten Halbjahr sind die Erträge um 10 Prozent auf 14 Mrd. Euro gefallen. Für 2016 mussten die Mitarbeiter vom Vice President aufwärts sogar auf ihre individuellen Boni verzichten. Kein Wunder, dass die Mitarbeiter in Scharen die Bank verlassen wollen.

„Ich erhalte jede Woche Initiativbewerbungen von Mitarbeitern der Deutschen Bank“, berichtet Headhunter Patrik Riske von Fricke Finance & Legal in Frankfurt. „Sogar aus Bereichen, in denen es recht gut läuft, wie etwa der Regulatorik.“

Gehaltsvorstellungen sind oft unrealistisch

Eigentlich sollte sich der Headhunter vor Freude auf die Schenkel klatschen, schließlich sind Kandidaten aus Bereichen wie Regulatorik, Compliance und Legal auf dem Markt heiß begehrt. Schließlich müssen Banken, die wie Standard Chartered, Daiwa, Sumitomo oder Nomura in Deutschland eine Banklizenz beantragen wollen, entsprechende Abteilungen aufbauen. Doch so richtig freuen kann sich Riske nicht. „Viele Kandidaten aus der Deutschen Bank haben ihre Erwartungshaltung immer noch nicht den Marktgegebenheiten angepasst“, klagt er.

Er berichtet von einem Fall, wo ein Deutsche Banker einen Aufschlag auf sein Festgehalt von 30 Prozent verlange. „Dabei lag sein Fixum bereits über dem Marktniveau“, kritisiert Riske. Er wollte auch noch, dass ihm das Risiko eines Wechsels vergütet werde. Schließlich habe er 15 Jahre bei der Bank verbracht. „Das ist aber völlig unrealistisch. Solchen Leuten kann ich dann nur raten, bei der Bank zu bleiben“, sagt Riske. „Deutsche Banker verhalten sich manchmal wie Diven.“

Deutsche Banker sogar bereit zu Landesbanken zu wechseln

„Wo man vor einigen Jahren sicherlich noch ,Standesdünkel’ hatte, hat die Ansprechbarkeit der Mitarbeiter der Deutschen Bank sicherlich zugenommen“, beobachtet Headhunter Rolf Behrens von Banking Consult in Bad Nauheim. „Die sind jetzt auch bereit zu Landesbanken zu wechseln, was vor einigen Jahren noch unvorstellbar gewesen wäre.“ Er könne indes nicht beobachten, dass Mitarbeiter der Deutschen Bank unrealistische Gehaltsvorstellungen hegten.

Auch Headhunter Jan Graffelder von Look & Graffelder in Frankfurt erhält immer mehr Anfragen von Mitarbeitern der Deutschen Bank. „Das ist definitiv mehr geworden“, sagt der Experte. Nachdem die Bank in Schieflage geraten sei, hätten viele Mitarbeiter noch über Jahre an ihrem Arbeitgeber festgehalten. Jetzt allerdings steige auch unter den langjährigen Mitarbeitern der Wechselwille. Nicht bestätigen wollte er allerdings, dass die Mitarbeiter der Deutschen Bank bereit seien, zu Landesbanken oder anderen Regionalbanken zu wechseln. „Das sind absolute Ausnahmen“, sagt Graffelder. „Dann spielen immer auch persönliche Gründe eine Rolle: Es kommt z.B. die Familie aus Stuttgart oder die Leute wollen statt 80 oder 90 Stunden nur noch 50 Stunden arbeiten. Dafür nehmen sie dann auch Gehaltseinbußen in kauf.“

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