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Ex-Chef des Deutsche Bank-Aktienhandels: Investmentbanken müssen den Sumpf trockenlegen

Deutsche Bank

Nach 22 Jahren im Investment Banking hat sich der Chef des Aktienhandels der Deutschen Bank Andre Crawford Brunt im Juli vergangenen Jahres dazu durchgerungen, „intellektuell ehrlich“ zu sein. In seinem Fall bedeutete dies, die Branche zu verlassen.

Crawford Brunt hat seine Karriere 1994 als laut schreiender Trader bei der Deutschen Bank in Südafrika begonnen und seither verschiedene Führungsaufgaben in London und New York wahrgenommen. Dabei gelang es ihm die fortschreitende Automatisierung und Digitalisierung des Aktienhandels zu überleben. Er gesteht selbst ein „mit einer langen und fruchtbaren Karriere“ gesegnet gewesen zu sein.

„Doch wenn ich zu mir selbst intellektuell ehrlich bin: Es gab keine Herausforderungen mehr. Die Banken sind gebrochen und m.E. eher dabei, den Status quo zu verteidigen als den Sumpf trockenzulegen“, meint Crawford Brunt.

Besonders an die Mitarbeiterzahl des Aktienhandels sei in den vergangenen Jahren die Axt angelegt worden. Anfang des Jahres war von Goldman Sachs zu hören, dass sie im Jahr 2000 noch 600 Aktienhändler beschäftigt hätten. Heute seien es noch ganze zwei, die von einigen Programmierern unterstützt würden. Auch im laufenden Jahr geht der Kahlschlag im Aktienhandel weiter. So hat die Deutsche Bank zu Jahresbeginn angekündigt, in ihrem Aktiengeschäft weitere 17 Prozent des Personals abzubauen. Die Digitalisierung des Aktienhandels sei dabei nicht das alleinige Problem, sagt Crawford Brunt.

„Die Banken stehen in ihrem Aktiengeschäft unter massivem Druck. Die Kostenbasis ist einfach zu hoch, die Digitalisierung drückt auf die Margen, das Aktienresearch wird demokratisiert, es steht weniger Eigenkapital zur Verfügung und der Eigenhandel der Banken wurde sogar geschlossen“, fasst er zusammen.

„Dann kommen auch noch das komplexe regulatorische Umfeld und die Ausbreitung neuer Konkurrenten hinzu, was die Angelegenheit weiter erschwert. Die wirkliche Herausforderung besteht in Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen – was das genaue Gegenteil von dem darstellt, was ein ehrgeiziger Banker möchte. Der will investieren, wachsen und eine kraftvolle Position aufbauen“, ergänzt er.

Crawford Brunt ist dankbar, dass er in einer der interessantesten Epochen des Investment Bankings arbeiten durfte. Doch die Karrieren in dem Sektor sind heute nicht mehr das, was sie einmal waren. Das Investment Banking befindet sich nicht mehr an der Spitze der Innovationen. Hochrangige Finanzprofis, die an der guten alten Zeit hängen, sollten lieber darüber nachdenken, etwas Dynamischeres zu machen.

„Ich will nicht gemein sein, aber in den Finanzdienstleistungen arbeiten schon viele durchschnittliche Leute, wozu ich mich auch zähle, die dank der steigenden Flut sehr gut vorangekommen sind und die am richtigen Ort zur richtigen Zeit waren“, ergänzt Crawford Brunt. „Das Erlernte dort draußen in der Welt umzusetzen, ohne die Sicherheit eines Großunternehmens, stellt für viele eine furchteinflößende Perspektive dar. Obwohl also viele führende Banker wechseln wollen, können oder tun das längst nicht alle.“

Heute beschreibt sich Crawford Brunt lediglich als „Investor“. Er stecke Geld in persönliche Projekte und Unternehmen, die tatsächlich etwas ändern wollen. So hat er beispielsweise 2,9 Mio. Dollar in das neuseeländische IT-Start-up MyWave gepumpt.

„Ich verfolge nur Investitionen, die mich interessieren. Manchmal biete ich Kapital oder Beratung an, wo ich es kann“, sagt er. „Im schlimmsten Fall stelle ich einen Scheck aus, treffe einige interessante Leute und verliere Geld. Das läuft ganz gut. Ich lerne viel, erziele nennenswerte Ergebnisse und hoffentlich wirkt sich dies positiv auf die Welt aus und ich habe auch noch etwas Spaß dabei.“

Crawford Brunt sitzt auch im Aufsichtsrat eines südafrikanischen Unternehmens, welches Embryos auf genetische Abnormitäten testet mit dem Namen „Genesis Genetics“. Ebenfalls sitzt er im Aufsichtsrat einer Ausgründung der Uni Oxford, die sich mit Blutdiagnose beschäftigt. Weiter hat er in Deep Science Ventures investiert, ein Projekt, welches Experten und Investoren zu wissenschaftsbasierten Unternehmensgründungen zusammenbringt. Seine Vergangenheit als Investmentbanker habe ihm geholfen, einige Türen zu öffnen.

„Die Tätigkeit im Investment Banking in den vergangenen zwei Jahrzehnten hat es mir ermöglicht zu reisen und einige sehr dynamische und interessante Leute rund um den Globus kennenzulernen. In einigen von ihren Projekten habe ich schließlich investiert“, sagt Crawford Brunt.

Mittlerweile ist er der Auffassung, dass es Zeitverschwendung sei, sich an einen hoch bezahlten Job im Investment Banking zu klammern.

„Für mich stellte die Arbeit im Investment Banking und dabei jedes Jahr 10 Prozent weniger zu verdienen, keine motivierende Perspektive dar“, sagt Crawford Brunt zurückblickend. „Jetzt ist die beste Zeit, um ein Unternehmen aufzubauen. Sowohl finanzielles als auch intellektuelles Kapital ist im Überfluss vorhanden und die Digitalisierung hat einen großen Einfluss auf viele Geschäftsmodelle. Es handelt sich um eine aufregende Zeit.“

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