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GASTBEITRAG: Wie der CFA meine Karriere in neue Bahnen lenkte

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Zuerst habe ich den CFA lediglich als Sprungbrett ins Portfoliomanagement betrachtet, doch am Ende stellte sich heraus, dass der CFA den allergrößten Einfluss auf den Gang meiner Karriere hatte. Was ich dabei gelernt habe, begleitet mich bis heute – und es geht weit über so etwas wie die „Efficient Frontier“ von Markowitz hinaus. Ich habe meine Karriere im Global Custody von JP Morgan begonnen. Ich wollte jedoch immer als Portfoliomanagerin arbeiten. Ein Kollege aus der Pensions Analytics-Abteilung empfahl mir, den CFA zu absolvieren, um die Glaubwürdigkeit und die erforderlichen Kompetenzen für den Wechsel zu erwerben.

Ich hatte Englisch als Hauptfach studiert und verfügte nicht einmal über Erfahrungen mit so etwas einfachen wie der Barwertberechnung. Ein CFA-Studium stellte für mich also eine gewaltige Herausforderung dar. Ich musste einen beträchtlichen Rückstand aufholen und ich habe härter als jemals zuvor gearbeitet. Während sich die meisten Teilnehmer nur sechs Monate vorbereiteten, habe ich ein Jahr lang fast jeden Tag gelernt. Ich habe mir Auszeiten für intensive Lernphasen genommen, habe bei Kerzenlicht und mit kalten Händen studiert, als im Winter die Heizung ausfiel. Ich habe Nackenschmerzen bekommen, weil ich mich zu stark über das Lernmaterial von Kaplan Schweser gebeugt habe.

Doch vor allem hat mich der CFA auf folgende Weise verändert: Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich etwas so unbedingt wollte, dass alles andere keine Rolle mehr spielte. Einmal habe ich einem Journalisten sogar erzählt, ich wolle auf meinem Grabstein lesen: „Sara Grillo, CFA“ – selbst wenn ich 80 Jahre dazu benötigen würde. Das hat mir den Mut verliehen, Dinge zu versuchen, die andere unterlassen hätten. So habe ich beispielsweise mein eigenes Unternehmen gegründet. Ich habe mir immer gesagt: Wenn Du es schaffst, ohne irgendwelche Vorkenntnisse in Investment oder Finanzanalyse das CFA-Examen zu bestehen, dann wäre nichts mehr unmöglich.

Mit nur Level I ist es mir gelungen, ins Marketing eines kleinen Unternehmens auf der Buy-side zu wechseln. Auch nur einen Level bestanden zu haben, brachte einen „Personal Branding“-Effekt mit, der mir Türen öffnete. Als Kandidatin zum Level ll wurde ich bei der Arbeit mehr respektiert. Bei Networking-Veranstaltungen konnte ich mit Senior Portfoliomanagern sprechen. Als Kandidaten sahen sie zumindest ein wenig Sinn darin, mit mir zu sprechen. Darüber hinaus bin ich selbstbewusster aufgetreten.

Auch die Kontakte, die ich durch meine regionale CFA-Society hinzugewinnen konnte, sind bedeutsam. Es bildet sich so etwas wie ein Band zwischen den Leuten, die das CFA-Zertifikat erwerben.

Die dritte Weise, wodurch die CFA-Prüfungen mich sowohl persönlich als auch beruflich verändert haben, besteht in der ethischen Strenge, die sie mir eingeträufelt hat. Ich bin zwar auch vorher nicht moralfrei gewesen, aber nachdem ich dreimal mit den schwierigen Ethiksektionen der CFA-Examen zurechtkommen musste, habe ich ein tieferes Verständnis für die Finanzmarktregulierung entwickelt. Schon während meiner verschiedenen Funktionen in den Finanzdienstleistungen hatte ich Fortbildungen zur Geldwäsche (Anti Money Laundering) und Compliance absolviert. Doch im Vergleich zum CFA kratzten diese lediglich an der Oberfläche. Um die Ethikkapitel des CFA zu bestehen, müssen Sie wirklich verstehen, wieso etwas nach der Regulierung richtig oder falsch ist. Noch wichtiger: Ich habe mir angewöhnt, in jeder fragwürdigen Finanzsituation einen klaren Kopf zu bewahren.

Dieses anspruchsvolle ethische Rahmenwerk hatte einen klaren Einfluss auf meine Karriere. Schon allein die CFA-Zertifizierung zu besitzen, beindruckt Ihre Geschäftspartner. Sobald die Leute Ihre Integrität und Ehrlichkeit respektieren, fällt es ihnen leichter, Ihnen zu vertrauen. Dies hat mir erlaubt Auswege aus schwierigen Kundengesprächen zu finden. Ich erzähle ihnen einfach die Wahrheit und bin zu 100 Prozent transparent – sogar mehr als ich eigentlich müsste. Die Leute reagieren schockiert, weil sie es einfach nicht gewohnt sind, dass jemand so direkt zu ihnen spricht. Das stellt für mich als Geschäftsfrau schon ein Unterscheidungsmerkmal dar.

So sieht es also aus. Wer von Ihnen von mir erwartet, über ein Investment Policy Statement zu schreiben, mit dem man ein Pferd erdrosseln könnte, den muss ich leider enttäuschen. Denn der wahre Wert des CFA besteht für mich nicht in Fachkenntnissen, sondern in der Art und Weise, wie er meine Einstellung und meinen Umgang mit anderen Leuten verändert hat.

Sara Grillo, CFA, schreibt Finanztexte für Investmentmanager mit einem Schwerpunkt auf Branding und Marketing. Früher hat sie für City National Rochdale und Lehman Brothers gearbeitet.

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