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Bei Goldman Sachs erreicht die Digitalisierung das Investmentbanking

Handelsraum Deutsche Bank

Nur wenige Banken treiben die Automatisierung des Investmentbankings so intensiv voran wie Goldman Sachs. Nachdem der bisherige IT-Chef Marty Chavez zum Finanzchef befördert wurde, scheint es immer unwahrscheinlicher, dass beratende Aufgaben wie M&A vom Kahlschlag im Handelssaal verschont bleiben.

Chavez hat zu Jahresbeginn bereits die Richtung vorgegeben: Es gebe Aufgaben im Investment Banking „die geradezu nach Automatisierung schreien“. Dies hat einigen Analysten und Associates an der Wall Street gründlich die Stimmung verdorben und nicht nur dort. Denn im Investment Banking verbringen viele junge Mitarbeiter ihre Zeit damit, die immer gleichen Standardaufgaben mit Excel-Tabellen zu erledigen.

Laut Richard Rivero, Teamleiter in der IT-Entwicklung von Goldman Sachs, helfe die Digitalisierung lediglich dem Fortschritt auf die Sprünge. „Wir denken heute, dass das Erfolgsrezept im Investment Banking zu einem Drittel in Data Science und Strategie, zu einem Drittel in der Anwendungsentwicklung und zu einem Drittel im Banking besteht“, erläutert Rivero in einem Unternehmensblog. Mit anderen Worten: Da jeder Apps verwendet und online ist, müsse sich das Investment Banking dem anpassen.

Und was bedeutet dies für Analysten und Associates? Einiges. „Statt den ganzen Tag mit der Arbeit an Kundenpräsentationen zu verbringen, können unsere jungen Banker nach draußen gehen, sich mit Unternehmen treffen und mehr Zeit mit dem Studium der Märkte verbringen“, sagt er.

Entsprechend hat Goldman Sachs sein Team verdoppelt, das sich um Automatisierung des Investment Bankings kümmert. Dort sind mittlerweile 75 Mitarbeiter beschäftigt. Sie wollen die Produktivität des Investment Bankings steigern. Dies kann jedoch darauf hinauslaufen, dass Goldman Sachs in keiner allzu fernen Zukunft weniger Investmentbanker benötigt. Laut Rivero habe Goldman Sachs bereits Apps entwickelt, die Mitarbeiter zu Kundenmeetings mitnehmen können, um dort vor Ort komplexe Probleme zu lösen.

„Wir haben ebenfalls Anwendungen entwickelt, die Banker in den Kundenmeetings verwenden, die auf den Computern der Kunden laufen und auf unsere Marquee-Plattform zurückgreifen“, erzählt er weiter. „Eine dieser Anwendungen namens Zaphyr ermöglicht es Bankern, maßgeschneiderte Analysen einer Vielzahl von Fremdkapitalstrukturen für Kunden in Real Time zu schaffen und vorzuführen. Dieses Instrument eliminiert nicht nur manuelle Arbeitsschritte, sondern ermöglicht es Bankern Fragen zu bearbeiten, die sich früher nur schwierig und mit großem Zeitaufwand beantworten ließen.“

Die Anwendungen würden indes viele Arbeitsschritte automatisieren, die bislang jungen Investmentbankern obliegen. „Einige unserer Anwendungen verwenden Algorithmen des ‚Machine Learnings‘. Auf diese Weise werden M&A-Transaktionen zu einem IT-Thema. Beispielsweise arbeiten wir an Anwendungen, die den Kunden besser zu verstehen helfen, wie sich ihre Aktionäre untereinander verhalten, was sich auf die Datenbanken der SEC (der US-Aufsicht) stützt. In anderen Fällen analysieren wir Fälle, die Unternehmen für Aktionärs-Aktivisten anfällig machen. Neben dem ,Machine Learning‘ für neue Analysen, der Visualisierung von Daten und statistischen Schlussfolgerungen setzen wir diese Systeme so ein, dass jüngere Banker nur wenig oder gar nicht involviert werden.“

Damit scheint ein Damoklesschwert über der Beschäftigung im Investment Banking zu hängen. Doch laut Rivero müsse dies nicht zu einem Personalabbau führen. „Es geht um Wachstum, bessere Kundenbetreuung, tiefere Einblicke und darum, unsere Mitarbeiter zu besseren Investmentbankern zu machen. Die persönliche Kundenbetreuung spielt immer noch eine Rolle. Durch IT können wir diese sogar intensivieren.“

„Wir suchen nach Wegen unsere Beratungstätigkeiten in Plattformen zu integrieren, die wir mit unseren Kunden gemeinsam nutzen können. Alles – Kunden, Banker und Beratung – muss digital miteinander verbunden werden. Dabei geht es um Größenvorteile. Auf diese Weise bauen wir unser Geschäft aus“, sagt Rivero.

Das Wachstum des Geschäfts stellt derzeit eines der Hauptprobleme von Goldman Sachs dar. In einigen Bereichen wie dem Fixed Income Trading hinkte die Bank im ersten Halbjahr der Konkurrenz hinterher. Umso wichtiger ist der Erfolg ihrer Mitarbeiter in M&A und der gesamten Investment Banking Division. Denn die langfristige Kundenpflege kann in lukrative Advisory-Mandate münden, über die dann auch Devisen- und andere Absicherungsgeschäfte vertrieben werden.

Im vergangenen Jahr hat Goldman Sachs mehr Leute als üblich vor die Tür gesetzt. Vor diesem Hintergrund kann die Digitalisierung auch als Ausrede dienen, ihr Investment Banking schlanker aufzustellen. Doch darin bestehe nicht der Hauptzweck, versichert Rivero.

Automatisierung könne zwar die Kosten verringern, aber der Hauptzweck bestehe in der Entlastung von Alltagstätigkeiten, damit die jungen Banker mehr Zeit für die Kunden haben. „Die Automatisierung von alltäglichen Arbeiten und die Sammlung von Daten in systematischer Form verbessern die Einsichten unserer Banker und dienen den Kunden. Mit den digitalen Instrumenten können unsere Investmentbanker mehr Kunden und mehr Regionen betreuen“, sagt er.

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